Buchmuseum in Leipzig Jenseits des Gutenberg-Universums

Michael Bienert, 11.01.2013 14:55 Uhr

Leipzig - Ich bin ein Haus der Bücher! Das ruft die Gebäudeskulptur der Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler jedem zu, der an der Leipziger Haltestelle „Deutsche Nationalbibliothek“ aus der Straßenbahn steigt. Wie ein lockerer Buchumschlag umfängt das Aluminiumdach die vier Obergeschosse, die an einen Buchblock erinnern. Unter dem fensterlosen Buchrücken zieht sich eine lange Glasfront an der Straße entlang, dort ist das Buch- und Schriftmuseum untergebracht, das in der nächsten Woche, wenn in Stuttgart die große Antiquariatsmesse stattfindet, mit dem Ludwigsburger Antiquaria-Preis ausgezeichnet wird.

Aber halt! Erstreckt sich das Museum tatsächlich hinter der Glasfront? Der Besucher muss das Gebäude erst halb umrunden, um sicher zu sein. Erst am Deutschen Platz in Sichtweite des kaiserzeitlichen Haupteingangs der Bibliothek findet sich endlich eine beschriftete Drehtür, die hinter den glatten Glasvorhang führt.

Attraktiv auch für die Generation Internet

„Die Fünffachverglasung schirmt 98 Prozent der nicht sichtbaren schädlichen Lichtstrahlung ab“, erklärt die Museumschefin Stephanie Jacobs, die mit der Sichtbarkeit ihrer im vergangenen März eröffneten Dauerausstellung noch nicht wirklich zufrieden ist. Wäre in dem futuristischen Showroom kein Buchmuseum, sondern – leicht vorstellbar – ein Autosalon untergebracht, gäbe es sicher längst eine Leuchtschrift zur viel befahrenen Straßenkreuzung hin. Drinnen spiegelt sich der Verkehr in den Glasflächen superschicker Vitrinenwände.

So elegant lassen sich Bücher hinter Glas zeigen! Auf filigranen Buchwiegen scheinen sie hinter den hohen stützenlosen Glasvorhängen zu schweben wie Schmetterlinge. Die kurvigen Vitrinenglaswände bilden Inseln in der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle, zur Straße hin sind historische Druckerpressen platziert, so als sollten sie Käufer anlocken. Es könnten auch neue Apple-Produkte sein, die hier stilvoll in Szene gesetzt werden.