Buchvorstellung in Filderstadt Stefan Siller – Sprecher und Zuhörer

Von Ursula Vollmer 

Stefan Siller plaudert in der Stadtbibliothek Filderstadt aus dem Nähkästchen eines erfolgreichen SWR-Radiomoderators.

„Neugierig – auf Leute und die ganze Welt“ heißt sein Buch: Stefan Siller hat für die Sendung „Leute“ etwa 3000 Menschen vors Mikrofon geholt. Foto: Ursula Vollmer
„Neugierig – auf Leute und die ganze Welt“ heißt sein Buch: Stefan Siller hat für die Sendung „Leute“ etwa 3000 Menschen vors Mikrofon geholt.Foto: Ursula Vollmer

Filderstadt - Rollentausch für Stefan Siller: In mehr als 30 Jahren war er Gastgeber für etwa 3000 „Leute“, die er für den Vormittags-Talk des SWR ans Mikrofon holte – nun soll der Moderator und frischgebackene Ruheständler selbst erzählen. Wie waren die Promis und No-Names als Gesprächspartner, wer hat ihn am meisten beeindruckt und über welche Flops lässt sich im Nachhinein schmunzeln?

Seinen Rückblick beginnt Siller auf Einladung des Bunten Bücherladens in Kooperation mit der Stadtbibliothek Bernhausen mit einer beruhigenden Nachricht: Das befürchtete Loch habe sich am Beginn seines Rentnerdaseins nicht aufgetan, vielmehr genieße er den „Flatrate-Urlaub“ ohne Weckergeklingeln. „Bin selbst gespannt, was noch passiert“, sagt er relaxed. In Jeans und Turnschuhen nimmt er vor etwa 40 Zuhörern Platz, klappt seine druckfrischen Erinnerungen mit dem Titel „Neugierig – auf Leute und die ganze Welt“ auf, um dann doch meist frei von der Leber weg zu plaudern.

Traumjob beim Hörfunk

Dass er mit dem Hörfunktalk seinen Traumjob gefunden hatte, steht für ihn außer Frage. Gemeinsam mit seinem Moderationskollegen verantwortete Siller die Sendung redaktionell, er recherchierte Themen, knüpfte Kontakte und versuchte nach seinen Worten, in angenehmer Atmosphäre nicht nur die offenkundigen Verdienste eines Menschen, sondern auch das biografisch Hintergründige zu beleuchten.

Den ersten Redakteursposten bekleidete der gebürtige Herforder bereits in der Schule. Vom damaligen „Klassencourier“ über die Zeitung des Briefmarkenklubs – „ja, gegebenenfalls konnte ich meine Briefmarkensammlung zeigen“, scherzte der 65-Jährige – führte der Weg direkt zur Neuen Westfälischen. Nach dem Volontariat zog es den Jung-Linken mit vollem Bart- und langem Haupthaar nach Berlin zum dortigen SFB, von wo ihn der damalige SDR nach Stuttgart lotste – ein Wechsel, der ihm nicht nur Wortentdeckungen wie beispielsweise „Hocketse“, sondern auch eine zweite Heimat bescherte.

Interesse an der „ungeschminkten Wahrheit“

An der Neckarstraße begannen Stefan Siller und Wolfgang Heim von 1988 an als Moderationsduo ihre Gesprächsfäden auszulegen. Mit Erfolg, wie sich Siller freut: „Wir hatten sie alle – von Wolfgang Niedecken und Harald Schmidt über Gerhard Schröder und Senta Berger bis zu Bahnchef Grube und Gangolf Stocker“. Dabei ging durchaus Überraschendes auf Sendung: Angela Merkel beispielsweise gestand, als junge Physikerin einmal eine Berliner Wohnung besetzt zu haben; Corinna Harfouch attestierte ihm Talent zum „Krawalljournalisten“, eine schwäbische Dorfprostituierte berichtete freimütig von ihrem vierjährigen Nebenjob, den sie bereits als Vierzehnjährige begonnen hatte, wie ein kurzer Sendungsausschnitt belegte. Er stehe zum letztgenannten Gast, auch wenn er dafür Prügel beziehen musste, sagte Siller; ihn habe jedoch stets die ungeschminkte Wahrheit interessiert. Manche Gäste, die er als spröde erwartet hatte, zeigten sich von ihrer lockeren Seite. Götz George beispielsweise, der witzig-unterhaltsame Roger Willemsen oder auch Mario Adorf, der eine klare Empfehlung los wurde: „Einen Seitensprung beichten? Niemals! Das täte doch weh“.

Dass Siller schon als Musikveranstalter Newcomer-Bands wie die Kölsch-Rocker BAP, die Toten Hosen oder Einstürzende Neubauten zu Clubkonzerten in die Stuttgarter „Mausefalle“ geholt hatte, führte fast zwangsläufig zum zweiten Moderations-Highlight. Die Hörerhitparade „Top 1000 x“ zum zehnten Geburtstag des damaligen SDR 3 entpuppte sich als riesiger Überraschungserfolg. „Etwas Tolleres kann ich Ihnen zum Schluss nicht erzählen“, beendete Siller seine Zeitreise – und begab sich an den Signiertisch. Dort sorgte ein Zuhörer für das passende i-Tüpfelchen: „Danke für die schönen Jahre“, sagte der Mann.