Bündnis gegen Stuttgart 21 distanziert sich Automaten mit Parolen beschmiert

Nicole Höfle, 02.04.2010 14:12 Uhr
Stuttgart - Auf der Strecke der Linie S 6 sind zwischen Feuerbach und Renningen 16 Fahrkartenautomaten und fünf Entwerter beschädigt worden. Die Täter sind bisher unbekannt, die Polizei vermutet allerdings, dass es sich um S-21-Gegner handeln könnte. Der Grund sind schlicht die Parolen, die die Täter hinterließen: "kein S 21", "Warum zahlen? Freie Fahrt für alle" und schließlich "Geld für S 21 aber Fahrpreise steigen?". Während die Polizei noch ermittelt, distanzieren sich die Verantwortlichen des Bündnisses gegen Stuttgart 21 ausdrücklich von den Sachbeschädigungen entlang der S-Bahnlinie. "Wir wollen nichts damit zu tun haben, eine solche Aktion schadet uns nur", sagt Gerhard Pfeifer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der dem Bündnis angehört.

Unterwegs waren die Täter in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in den Bahnhöfen Feuerbach, Korntal, Ditzingen, Höfingen, Leonberg, Rutesheim und Renningen. Das Vorgehen war überall gleich: Kartenleser, Münzeinwurfschächte und Fahrkartenausgabeschalen wurden mit Bauschaum voll gespritzt, mit einer Schablone in schwarzer Farbe die Parolen aufgesprüht. Die Polizeidirektion Böblingen schätzt den Schaden auf 5000 Euro, die Bahn will dazu im Moment noch keine Angaben machen. Jedenfalls waren zwei Tage lang Reparaturtrupps unterwegs, um die beschädigten Teile auszutauschen und die unerwünschten Sprüche zu entfernen. Seit Donnerstagabend seien alle Automaten wieder einsatzbereit, teilte die Bahn mit. "An den zwei Tagen haben wir unsere Kontrolleure angewiesen, auf dieser Strecke kulant zu sein", so ein Bahnsprecher.

Obwohl Sachbeschädigungen an Einrichtungen der Bahn fast schon zum Alltag gehören und sich im Jahr bundesweit auf mehr als 50 Millionen Euro addieren, zeigte man sich dort von dem Ausmaß überrascht. In der Region habe es in S-Bahnhöfen in den vergangenen Jahren keine vergleichbare Serie an Sachbeschädigungen gegeben, ist von der Pressestelle zu erfahren. Die Polizei setzt jetzt darauf, dass Zeugen Hinweise liefern (unter Telefon 07031/13-2222) oder die Auswertung der Kameraaufnahmen an einzelnen Bahnhöfen zu den Tätern führen werden.

"Das ist niemand von uns"


Beim Bündnis gegen S 21 ist man unterdessen darum bemüht, sich von den Taten zu distanzieren. "Das ist niemand von uns. Wir hoffen, dass die Polizei die Täter schnell ermittelt, damit wir nicht mit den Sachbeschädigungen in Verbindung gebracht werden", sagt etwa der SÖS-Stadtrat Gangolf Stocker. Der Grünen-Fraktionschef Werner Wölfle, der zu den prominentesten S-21-Gegnern zählt, beobachtet unterdessen "eine steigende Lust am Widerstand, die Richtung Sachbeschädigung gehe" und er beobachtet auch eine "steigende Intoleranz innerhalb der Gegnerschaft". Wölfle: "Wir sagen aber jedem ausdrücklich, dass wir als Aktionsbündnis Sachbeschädigungen nicht tolerieren."

Wie viel Widerstand gegen das Milliardenprojekt aber darf aus Sicht des Aktionsbündnisses sein? Werner Wölfle propagiert zivilen Ungehorsam, wie ihn die Atomkraftbewegung aufgebracht hat. "Ich umarme einen Baum, der nicht gefällt werden soll, aber ich kette mich nicht an." Gangolf Stocker kündigt für Herbst eine Eskalation des Widerstandes an, aber eine "zivile und friedliche". Wenn der Nordflügel des Hauptbahnhofs abgerissen werde, dann sei durchaus mit Sitzblockaden zu rechnen, so Stocker. Für die Blockaden werde jedenfalls bereits trainiert.

Bei den Befürwortern von S 21 hält man sich unterdessen mit Schuldzuweisungen und Fingerzeigen zurück. Der Projektsprecher Wolfgang Drexler jedenfalls will sich zu den Sachbeschädigungen nicht äußern, solange nicht klar ist, wer dahinter steht. Allerdings stellt Drexler fest, dass Pro-Stuttgart-21-Plakate zunehmend besprüht und beklebt würden. Trotzdem hofft der SPD-Mann, dass "der Protest weiterhin friedlich und demokratisch ablaufe."