Bürgerbeschwerden Jeden Tag eine Klage über Lärm

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Nach fünf Jahren im Amt zieht die Lärmschutzbeauftragte des Landes, Gisela Splett, ein lautstarkes Fazit: Der Bund müsse mehr tun für den Emissionsschutz.

Ein Mitarbeiter des TÜV kontrolliert  den Lärmpegel eines Motorrades. Foto: dpa
Ein Mitarbeiter des TÜV kontrolliert den Lärmpegel eines Motorrades. Foto: dpa

Stuttgart - Im Durchschnitt an jedem Tag des Jahres erhält die baden-württembergische Landesbeauftragte für den Lärmschutz, Gisela Splett, einen Brief oder eine Mail mit einer Beschwerde: Der Krach der Autos, der Züge, von Glocken und Laubbläsern zehrt an den Nerven der Bürger. Nur über Gaststättenlärm oder den von Sportstätten klage niemand, sagt Gisela Splett, „da kennen die Leute die Zuständigkeit und wenden sich an die Kommunen“. Vor fünf Jahren ist Spletts Stelle eingerichtet worden. Dass sie Staatssekretärin im Verkehrsministerium wurde, deutet an, wo die größte Belastung vermutet wird: im Auto-, Zug- und Flugverkehr.

Man könne mit vielen Maßnahmen etwas tun, zieht Gisela Splett Bilanz, aber sie verlangt Hilfe des Bundes: So hat das Land in den Kommunen Eislingen, Salach und Süßen ein Modellprojekt für den Lärmschutz laufen, an dem alle sogenannten Straßenbaulastträger an einen Tisch geholt wurden, um die Geräuschemissionen zu deckeln. Bisher war es so, dass die Kommunen sich allein um die Ortsstraßen kümmern können, nicht um die Autobahnen -im Modellprojekt sind alle an einem Tisch.

Bündel von Maßnahmen

Mit einem Bündel von Maßnahmen – Flüsterasphalt, Schallschutz, Tempo 30 und Straßenrückbau – soll der Krach in Eislingen binnen eines Jahrzehnts reduziert werden. Man könnte diesen Anspruch auf eine Lärmsanierung, wie es im Fachjargon heißt, auch ins Bundesimmissionsgesetz hineinschreiben, sagt Gisela Splett, aber eine solche Anfrage beim Bundesverkehrsministerium lief ins Leere: Man sehe da keinen Bedarf. „Wir werfen die Flinte nicht ins Korn, bei der nächsten Umweltministerkonferenz im Juni sprechen wir das wieder an.“

Ein wachsendes Problem sieht die Lärmexpertin im Krach von Motorrädern und Sportwagen. Bei beiden Fahrzeugarten seien die Zulassungsbedingungen im Sinne des Lärmschutzes verbessert worden, doch der Altbestand an dröhnenden Maschinen sei groß. Eine Hilfe für motorrad-geplagte Dörfer an kurvenreichen Strecken sind neue Displays, die „Leiser! Danke“ aufleuchten lassen. In Todtmoos im Schwarzwald wird so ein Schild – 15 000 Euro teuer – erprobt, in den Löwensteiner Bergen soll es demnächst aufgestellt werden. Eine kuriose Folge der Modernisierung von Eisenbahnverbindungen hat Splett beobachtet: Seit der Elektrifizierung der Münstertalbahn in Südbaden wird dort mehr über quietschende Räder in Kurven geklagt.

Tempo 30 gefordert

Was den Autoverkehr anbelangt, möchte Gisela Splett es den Kommunen erleichtern, Tempo 30 aus Lärmschutzgründen anzuordnen. Bisher sei das bei 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts gestattet, dieser Wert müsse um drei Dezibel abgesenkt werden auf die Grenzwerte zum Bau von Lärmschutzwänden. Auch in dieser Sache sucht das Land noch den Schulterschluss mit anderen Verkehrsministern.