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Baden-Württemberg
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Bürgerentscheid Heidelberger proben den Aufstand

Johanna Eberhardt, vom 27.07.2010 11:05 Uhr
 Foto: AP
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Heidelberg - Als vor etwa zweieinhalb Jahren die ersten Pläne für einen Kongresserweiterungsbau der Stadthalle in der Heidelberger Altstadt auftauchten, setzten sich in einer Wohnung in einem der schön sanierten Häuser an der Unteren Neckarstraße – gleich gegenüber des ins Auge gefassten Bauplatzes – einige Nachbarn zusammen. "Wir wollten eigentlich nur ein paar Fragen an das Rathaus formulieren. Wir haben versucht, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen", sagt Jochen Goetze, einer von ihnen. "Doch wir haben keine richtigen Antworten bekommen. Man hat uns einfach nicht ernst genommen."

Am Sonntag haben die Verantwortlichen die Quittung bekommen für das Versäumte. Im Sturm haben die Heidelberger in einem Bürgerentscheid die Pläne für einen Neubau neben der gut 100-jährigen Stadthalle von den Tischen der Planer gefegt. 26.300 Wahlberechtigte haben Nein gesagt zu dem vorgesehenen Kongress- und Veranstaltungszentrum – 1000 mehr, als nötig gewesen wären. In keinem einzigen Stadtteil, keinem einzigen Stimmbezirk gab es eine Mehrheit für das Projekt. In der Altstadt und den angrenzenden Stadtteilen erreichte die Ablehnung mehr als 70 Prozent. Danach erklärte Oberbürgermeister Eckart Würzner gegenüber den zahlreichen versammelten Journalisten: "Wir fangen wieder bei null an." Das Mitleid der vielen Bürger, die zur Stimmauszählung ins Rathaus gekommen waren, hielt sich in engen Grenzen. Die meisten sind vor Begeisterung über das Ergebnis fast aus dem Häuschen geraten.

Für Würzner und die übrigen Verfechter des umstrittenen Projekts, von der CDU über die FDP und den Freien Wählern bis zu den Heidelberger Grünen, ist das Votum ein herber Schlag. Für den parteilosen, eher konservativen OB ist das eine schwere persönliche Niederlage. Denn die Zahl der Neinstimmen am Sonntag lag um einiges über den 23633 Stimmen, mit denen Würzner vor knapp vier Jahren gewählt worden ist. "Das war eher eine Abstimmung über die Rathauspolitik insgesamt", stellten einige der Beobachter am Sonntag fest.

Protest gegen Luxus-Eigentumswohnungen


Wer im Vorfeld mit offenen Ohren durch Heidelberg gegangen ist und zur Kenntnis genommen hat, wie die Bürger anderswo – von Bonn über Köln bis Konstanz – aufbegehrt haben gegen aufgeblähte und ehrgeizige Neubauprojekte, gegen den lockeren Umgang mit ihren Steuergeldern und mit liebgewordenen älteren Bauten –, der ahnte, was kommen würde. Auch in Heidelberg rumort es schon des Längeren an vielen Ecken und Enden der Stadt.

Vor genau drei Jahren protestierten viele Altstadtbewohner gegen die geplante Umwandlung eines der letzten "normalen" Wirtshäuser, des Essighauses, in gehobene Eigentumswohnungen samt passender Bar. Es ging weiter mit den Protesten gegen den Abriss der Marktkolonnaden und dem Bau einer Tiefgarage am Ebertplatz sowie den Planungen für die neuen Justiz- und Geschäftsbauten, denen am Rand der Weststadt fast ein halber Straßenzug zum Opfer fallen wird. Allen Kostensteigerungen zum Trotz wurde, mit Hilfe potenter privater Förderer, auch der Theaterneubau in der Altstadt durchgesetzt.

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Kommentare (3)
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JUL
27
21:04 Uhr, geschrieben von Lissa Vassiliadou
Frau Eberhardt
Die Überschrift ist völlig daneben. Danke für den Tritt! http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20091102002851AABDcI0 Aber vielleicht wollen Sie sich ja erst noch Sporen verdienen.
JUL
27
13:00 Uhr, geschrieben von LE
Was in Heidelberg ist sollte in Stuttgart möglich sein
Die Bürger wehren sich in Stuttgart wie in Heidelberg gegen Grossprojekte. Unsere Meinung wird unterdrückt, über Grossprojekte werden wir nicht informiert, was sie kosten und wer sie bezahlen soll. Aber vor allem haben wir Zweifel daran, dass sie zum Nutzen der Bevölkerung sind. Sie sollen das Prestige der Regierenden erhöhen, die Schuldenlast wird uns aufgebürdet, gespart wird an uns und an der Instandhaltung der bestehenden Gebäude (Bahnhöfe, Schulen usw.). Erneuerung ist angesagt: im Politikstil, erneuerbare Energien sind nur beispielhaft angeführt. Die Bürger wehren sich siehe Kopfbahnhof Stuttgart. Da wir selbst bei der Protestbewegung mitmachen, können wir die Berichterstattung sehr gut beurteilen. Wir bringen nur unseren Unmut zum Ausdruck. Die Besetzung des Nordflügels hat niemandem geschadet, das ist gewaltloser Widerstand.
JUL
27
12:47 Uhr, geschrieben von Kai
Bürger proben Aufstand???
Was will uns der Autor mit dieser Überschrift verdeutlichen? Soll nun angedeutet werden, dass die einfachen Bürger nun gegen ihre Gottgewollten Herrschaften etwa die Stimme erheben? Wenn ja wäre dies ja unglaublich: Die Untergebenen erdreisten sich tatsächlich gegen die Obrigkeit?? Also vielleicht sollte man solche Überschriften künftig vermeiden, wenn Bürger ihre Rechte wahren oder gar einfordern. Seit ein paar Jahrzehnten sollen wir doch nach öffentlicher Lesart in einer Demokratie leben - oder??
 
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