Heidelberg - Als vor etwa zweieinhalb Jahren die ersten Pläne für einen Kongresserweiterungsbau der Stadthalle in der Heidelberger Altstadt auftauchten, setzten sich in einer Wohnung in einem der schön sanierten Häuser an der Unteren Neckarstraße – gleich gegenüber des ins Auge gefassten Bauplatzes – einige Nachbarn zusammen. "Wir wollten eigentlich nur ein paar Fragen an das Rathaus formulieren. Wir haben versucht, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen", sagt Jochen Goetze, einer von ihnen. "Doch wir haben keine richtigen Antworten bekommen. Man hat uns einfach nicht ernst genommen."
Am Sonntag haben die Verantwortlichen die Quittung bekommen für das Versäumte. Im Sturm haben die Heidelberger in einem Bürgerentscheid die Pläne für einen Neubau neben der gut 100-jährigen Stadthalle von den Tischen der Planer gefegt. 26.300 Wahlberechtigte haben Nein gesagt zu dem vorgesehenen Kongress- und Veranstaltungszentrum – 1000 mehr, als nötig gewesen wären. In keinem einzigen Stadtteil, keinem einzigen Stimmbezirk gab es eine Mehrheit für das Projekt. In der Altstadt und den angrenzenden Stadtteilen erreichte die Ablehnung mehr als 70 Prozent. Danach erklärte Oberbürgermeister Eckart Würzner gegenüber den zahlreichen versammelten Journalisten: "Wir fangen wieder bei null an." Das Mitleid der vielen Bürger, die zur Stimmauszählung ins Rathaus gekommen waren, hielt sich in engen Grenzen. Die meisten sind vor Begeisterung über das Ergebnis fast aus dem Häuschen geraten.
Für Würzner und die übrigen Verfechter des umstrittenen Projekts, von der CDU über die FDP und den Freien Wählern bis zu den Heidelberger Grünen, ist das Votum ein herber Schlag. Für den parteilosen, eher konservativen OB ist das eine schwere persönliche Niederlage. Denn die Zahl der Neinstimmen am Sonntag lag um einiges über den 23633 Stimmen, mit denen Würzner vor knapp vier Jahren gewählt worden ist. "Das war eher eine Abstimmung über die Rathauspolitik insgesamt", stellten einige der Beobachter am Sonntag fest.
Protest gegen Luxus-Eigentumswohnungen
Wer im Vorfeld mit offenen Ohren durch Heidelberg gegangen ist und zur Kenntnis genommen hat, wie die Bürger anderswo – von Bonn über Köln bis Konstanz – aufbegehrt haben gegen aufgeblähte und ehrgeizige Neubauprojekte, gegen den lockeren Umgang mit ihren Steuergeldern und mit liebgewordenen älteren Bauten –, der ahnte, was kommen würde. Auch in Heidelberg rumort es schon des Längeren an vielen Ecken und Enden der Stadt.
Vor genau drei Jahren protestierten viele Altstadtbewohner gegen die geplante Umwandlung eines der letzten "normalen" Wirtshäuser, des Essighauses, in gehobene Eigentumswohnungen samt passender Bar. Es ging weiter mit den Protesten gegen den Abriss der Marktkolonnaden und dem Bau einer Tiefgarage am Ebertplatz sowie den Planungen für die neuen Justiz- und Geschäftsbauten, denen am Rand der Weststadt fast ein halber Straßenzug zum Opfer fallen wird. Allen Kostensteigerungen zum Trotz wurde, mit Hilfe potenter privater Förderer, auch der Theaterneubau in der Altstadt durchgesetzt.