Filder-Zeitung
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Für drei Wochen senkt sich eine Plastikplane über das Auto des Esslinger Bürgermeisters Wilfried Wallbrecht. In dieser Zeitspanne wird er als Teilnehmer der Aktion "Stadtradeln" sein Auto stehen lassen, und - wie der Name schon sagt - auf dem Drahtesel durch die Straßen reiten. Währenddessen bleibt sein Auto auf dem Parkplatz vor dem technischen Rathaus in Esslingen versiegelt.
Die Idee zum Stadtradeln war im Jahr 2008 in Nürnberg geboren worden. Jetzt richtet die europaweite Aktion Klimabündnis, an der auch Esslingen teilnimmt, den Wettbewerb aus, bei dem es darum geht, drei Wochen lang ganz auf das Auto zu verzichten und dabei möglichst viele Fahrradkilometer zusammenzustrampeln. Nachdem die Bewerbungsfrist am Wochenende abgelaufen war, gibt es jedoch, Wallbrecht eingeschlossen, in ganz Esslingen nur vier Teilnehmer. Dazu kommen allerdings noch 90 weitere Sportler, die ihr Auto zwar nicht einmotten, aber trotzdem bei jeder Gelegenheit ihr Zweirad bemühen wollen.
Die von ihnen gefahrenen Kilometer können sie in eine Internet-Datenbank einspeisen, die nach drei Kategorien ausgewertet wird. Kommunen mit dem fahrradaktivsten Gemeinderat, Kommunen mit den meisten Radkilometern und Gemeinden mit den meisten Radkilometern pro Teilnehmer im Durchschnitt.
Das Ziel der Kampagne ist es, die Drei-Millionen-Kilometer-Marke zu knacken und somit das Ergebnis des Vorjahres von fast 2,4 Millionen geradelten Kilometern zu übertreffen. Knapp 50 Kommunen nehmen an dem Wettbewerb teil. Gewonnen, und darauf legt die mitveranstaltende Stabsstelle für Klimaschutz in Esslingen Wert, habe aber auf alle Fälle das Klima. Wilfried Wallbrecht machte gestern beim Start der Aktion auch keinen Hehl daraus, dass er die drei Wochen autofrei vor allem Uta Westerich, der Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz, zu verdanken hat: "Meine Mitarbeiterinnen haben mich da draufgelupft" gestand er. Immerhin hat es sich gelohnt: Als Dankeschön hat er von der Aktion Stadtradeln eine Fahrradtasche und einen Radcomputer erhalten.
Für den Ersten Bürgermeister zählt nicht nur die körperliche Fitness. Als trainierter Mountainbike-Fahrer fühlt er sich sicher genug, um die Esslinger Hügel zu erklimmen, ohne komplett in Schweiß gebadet zu sein. Die drei Wochen autofrei bedeuten jedoch, dass er seinen ganzen Arbeitstag anders planen muss.
Für die Termine in Stuttgart will Wallbrecht die S-Bahn und die Straßenbahn benutzen, für die Termine in Esslingen reicht sein Fahrrad. Doch wird er hin und wieder in Anzug und Krawatte auf den Sattel steigen müssen, wenn er Sitzungen leitet. Problematisch könnte es nur werden, wenn es kalt wird und regnerisch. Für die erste Woche hat Uta Westerich immerhin eine gute Nachricht: Das Wetter soll zumindest in den nächsten Tagen schön bleiben.
Das Klima-Bündnis der europäischen Städte ist ein im Jahre 1990 gegründetes Netzwerk von Kommunen und Landkreisen, die sich dazu verpflichtet haben, das Weltklima zu schützen. Bis zum Jahr 2020 will die Stadt Esslingen ihre Kohlendioxidemission um 25 Prozent reduzieren. Für ihre bereits geleisteten Anstrengungen hat die Stadt im Jahr 2006 die Auszeichnungen "Bundeshauptstadt im Klimaschutz" der Deutschen Umwelthilfe erhalten sowie den europäischen Klimaschutzpreis Climate Star im Jahr 2007.



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