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Bürgermeisterwahl in Adelberg Schockstarre in der neuen Ära

Eberhard Wein, vom 16.03.2010 16:00 Uhr
 Foto: privat
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Adelberg - Am Tag nach der Wahl gibt sich Wolf-Dieter Hermann tapfer. "Adelberg hat gegen mich entschieden. Das muss ich akzeptieren", sagt der 54-jährige Noch-Bürgermeister der Gemeinde im Kreis Göppingen. Bis zum 6. Juni dauert seine Amtszeit. Dann ist Schluss, nach 16 Jahren. Vermutlich räumt er seinen Schreibtisch schon früher. "Ich habe noch sehr viel alten Urlaub." Das enthebt ihn der unangenehmen Pflicht, die Amtsgeschäfte direkt an seine Nachfolgerin zu übergeben. "Ich werde das wohl mit meinen ehrenamtlichen Stellvertretern besprechen.

Wahlergebnis ist sensationell


"Es waren frostige Minuten am Sonntagabend im Adelberger Rathaus, als der stellvertretende Bürgermeister Robert Tischer das überraschend deutliche Ergebnis verkündete: 38,5 Prozent für Hermann, sensationelle 60,7 Prozent für seine 39-jährige Gegenkandidatin Carmen Marquardt bei einer Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent. Fluchtartig verließ Hermann den Saal, um kurze Zeit später zurückzukehren. Ansonsten regte sich kein Applaus im Saal. Niemand war zum Jubeln zumute, auch der Wahlsiegerin nicht. "Die Situation war für mich sehr bedrückend", sagt Marquardt.

"Mir war schon klar, das ich eine Chance haben würde. Entweder es wird knapp, oder ich gewinne haushoch", sagt Carmen Marquardt. Noch vor nicht einmal vier Wochen war die 39-Jährige, die bei der Bundeswehrverwaltung in Stuttgart arbeitet und mit ihrem Mann und ihrer zweijährigen Tochter vor zwei Jahren nach Adelberg zog, noch vollkommen unbekannt in der 2000 Einwohner zählenden Gemeinde. Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist hatte sie ihre Unterlagen eingereicht. Sie wolle eine Alternative bieten, sagte sie damals.

Sie macht sich keine Illusionen. Das Ergebnis habe "weniger mit meiner Person zu tun als mit der Unzufriedenheit mit dem amtierenden Bürgermeister". Dem wird vor allem das Fiasko um das Sport- und Erholungszentrum Klosterpark angelastet. Auf Druck aus der Bürgerschaft war das dortige Wellenbad im Jahr 2001 noch einmal gerettet und millionenschwer saniert worden, bevor im vorigen Jahr doch das Wasser aus dem Becken gelassen wurde.

Künftige Bürgermeisterin wird skeptisch empfangen


"Ich bin fassungslos", sagt die Gemeinderätin Cornelia Matscheko. In dem Gremium gibt es keine Fraktionen. Ähnlich dürfte es wohl vielen ihrer Kollegen gehen. Adelberg stünden schwere Zeiten bevor, vor allem wenn sich der Bürgermeister früher verabschiede. "Es gibt so viele Themen, bei denen wir mittendrin sind. Das kann nicht ein Vierteljahr ruhen." Möglicherweise wisse Frau Marquardt noch gar nicht, was das neue Amt mit sich bringe.

"Ich habe Respekt vor der Situation", sagt die künftige Bürgermeisterin. Sie dürfte es nicht nur bei den Gemeinderäten, sondern auch bei den sechs Mitarbeitern schwer haben. Dass im Rathaus künftig nur noch Frauen arbeiten, sorgt dort keineswegs für Erheiterung. "Wir sind alle geschockt", sagt eine Mitarbeiterin.
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Kommentare (4)
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MRZ
17
01:13 Uhr, geschrieben von Sven Vogel
Neuanfang
Tja sowas nennt man Demokratie.Erst 2 Jahre im Ort und schon den Amtsinhaber bei der Wahl besiegt. Ich kenne nicht Adelberg, aber ich denke die Leute wollten einen Wechsel und der muss sich auch im Ort angekündigt haben. Und nun müssen die Verwaltung und die Bürger mit ihrer neuen Rathauschefin an einem Strang ziehen, damit dies auch klappt!
MRZ
16
21:29 Uhr, geschrieben von Demokrat-in
Bürgermeisterwahl in Adelberg
Bei einer freien und demokratischen Wahl ist es nun mal so, dass ein Amtsinhaber(-in) von der Bevölkerung abgewählt werden kann. Sollten die "gewählten" Gemeinderäte nicht in der Lage sein, mit der neuen von der Mehrheit gewählten Bürgermeisterin konstruktiv und unbefangen zusammenzuarbeiten, wäre es nur konsequent, wenn diese Ihre Ämter niederlegen würden.
MRZ
16
17:06 Uhr, geschrieben von Noch ein Reingeschmeckter
Ja, der Wählerwille ....
Das mit dem Wählerwillen ist klar. Hier geht es zudem darum, dass sich Bürger für Ihr früheres Tun - nämlich auf die Sanierung des Bades zu drängen - ganz bequem entlasten konnten. Nun ist der Sündenbock gefunden - das lenkt von der eigenen Verantwortung prima ab. Sehr bequem..... aber menschlich ziemlich bescheiden. Wolf, werf solchen Leuten einfach alles vor die Tür. Es ehrt Frau Marquardt zu erkennen, dass nicht sie selbst aus eigener Überzeugungskraft die Wahl gewonnen hat. Man darf aber getrost fragen, was jemand dazu treibt ein Amt unter solchen Vorzeichen bewußt angestrebt zu haben. Ob sie sich damit einen Gefallen getan hat wird sich zeigen. Ob sich Adelberg damit einen Gefallen getan hat auch. Meine Prognose: 2 x Nein! Aber der Wähler wollte es so. Nicht nur die Dame und der Herr - alle müssen jetzt damit zurecht kommen.
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