Bundespräsident in Ankara
"Christentum gehört zur Türkei"
Nikolaus Sedelmeier, dapd,
19.10.2010 20:22 Uhr
Foto: dpa
Ankara - Nach seinen umstrittenen Thesen zur Rolle des Islam in Deutschland hat sich Bundespräsident Christian Wulff in der Türkei für den Schutz der christlichen Minderheit eingesetzt. "Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei", sagte Wulff in seiner mit Spannung erwarteten Rede vor dem Parlament in Ankara.
"Muslime können in Deutschland ihren Glauben in würdigem Rahmen praktizieren. Die zunehmende Zahl neuer Moscheen ist dafür ein deutliches Symbol", sagte Wulff, der bereits in seiner Rede zu deutschen Einheit betont hatte, dass auch der Islam zu Deutschland gehört. "Gleichzeitig erwarten wir, dass Christen in islamischen Ländern das gleiche Recht haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, theologischen Nachwuchs auszubilden und Kirchen zu bauen", fügte der Bundespräsident hinzu.
In der Türkei habe das Christentum eine lange Tradition. Im Land seien "Stimmen zu hören, die mehr Kirchen für Gottesdienste öffnen wollen. Zu dieser Entwicklung möchte ich Sie nachhaltig ermutigen", betonte Wulff, der als erstes deutsches Staatsoberhaupt eine Rede vor dem türkischen Parlament hielt.
99 Prozent der über 70 Millionen Türken sind Muslime, nur rund 100.000 bekennen sich zum christlichen Glauben. Die Türkei nähere sich mit ihren jüngsten Verfassungsreformen erneut ein Stück den europäischen Standards an. "Ich möchte Sie ausdrücklich ermuntern, auf diesem Weg fortzuschreiten", sagte Wulff mit Blick auf die langwierigen EU-Beitrittsverhandlungen des Landes. Diese müssten "in einer fairen und ergebnisoffenen Weise" geführt werden.
Zur deutschen Integrationsdebatte sagte Wulff in seiner 22-minütigen, vom halb besetzten Plenum mit freundlichem Beifall bedachten Rede, viele Menschen türkischer Herkunft hätten inzwischen in der Bundesrepublik eine Heimat gefunden, viele seien auch deutsche Staatsbürger geworden. "Sie sind bei uns nicht wegzudenken." Es sei aber auch wichtig, die Probleme klar zu benennen: "Dazu gehören das Verharren in Staatshilfe, Kriminalitätsraten, Machogehabe, Bildungs- und Leistungsverweigerung".
In Deutschland müssten die Werte des Grundgesetzes eingehalten werden, "zu allererst die Menschenwürde, aber auch die freie Meinungsäußerung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und der religiös und weltanschaulich neutrale Staat", sagte Wulff. Außerdem gehe es darum, die deutsche Sprache zu lernen. "Wer bei uns leben will, muss sich an diese geltenden Regeln halten und unsere Art zu leben akzeptieren", verlangte das deutsche Staatsoberhaupt.
Zum Auftakt seines viertägigen Staatsbesuches in der Türkei hatte Wulff in Ankara zuvor Gespräche mit seinem Amtskollegen Abdullah Gül und mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geführt. Gül sagte nach seinem Treffen mit Wulff, auch er sei gleichermaßen der Präsident der christlichen und der jüdischen Türken. "Ich glaube nicht, dass hier ein Problem vorhanden ist." Zugleich forderte er seine türkischen Landsleute in der Bundesrepublik erneut auf, die deutsche Sprache zu lernen.
"Muslime können in Deutschland ihren Glauben in würdigem Rahmen praktizieren. Die zunehmende Zahl neuer Moscheen ist dafür ein deutliches Symbol", sagte Wulff, der bereits in seiner Rede zu deutschen Einheit betont hatte, dass auch der Islam zu Deutschland gehört. "Gleichzeitig erwarten wir, dass Christen in islamischen Ländern das gleiche Recht haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, theologischen Nachwuchs auszubilden und Kirchen zu bauen", fügte der Bundespräsident hinzu.
"Mehr Kirchen für Gottesdienste öffnen"
In der Türkei habe das Christentum eine lange Tradition. Im Land seien "Stimmen zu hören, die mehr Kirchen für Gottesdienste öffnen wollen. Zu dieser Entwicklung möchte ich Sie nachhaltig ermutigen", betonte Wulff, der als erstes deutsches Staatsoberhaupt eine Rede vor dem türkischen Parlament hielt.
99 Prozent der über 70 Millionen Türken sind Muslime, nur rund 100.000 bekennen sich zum christlichen Glauben. Die Türkei nähere sich mit ihren jüngsten Verfassungsreformen erneut ein Stück den europäischen Standards an. "Ich möchte Sie ausdrücklich ermuntern, auf diesem Weg fortzuschreiten", sagte Wulff mit Blick auf die langwierigen EU-Beitrittsverhandlungen des Landes. Diese müssten "in einer fairen und ergebnisoffenen Weise" geführt werden.
Zur deutschen Integrationsdebatte sagte Wulff in seiner 22-minütigen, vom halb besetzten Plenum mit freundlichem Beifall bedachten Rede, viele Menschen türkischer Herkunft hätten inzwischen in der Bundesrepublik eine Heimat gefunden, viele seien auch deutsche Staatsbürger geworden. "Sie sind bei uns nicht wegzudenken." Es sei aber auch wichtig, die Probleme klar zu benennen: "Dazu gehören das Verharren in Staatshilfe, Kriminalitätsraten, Machogehabe, Bildungs- und Leistungsverweigerung".
Werte des Grundgesetzes einhalten
In Deutschland müssten die Werte des Grundgesetzes eingehalten werden, "zu allererst die Menschenwürde, aber auch die freie Meinungsäußerung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und der religiös und weltanschaulich neutrale Staat", sagte Wulff. Außerdem gehe es darum, die deutsche Sprache zu lernen. "Wer bei uns leben will, muss sich an diese geltenden Regeln halten und unsere Art zu leben akzeptieren", verlangte das deutsche Staatsoberhaupt.
Zum Auftakt seines viertägigen Staatsbesuches in der Türkei hatte Wulff in Ankara zuvor Gespräche mit seinem Amtskollegen Abdullah Gül und mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geführt. Gül sagte nach seinem Treffen mit Wulff, auch er sei gleichermaßen der Präsident der christlichen und der jüdischen Türken. "Ich glaube nicht, dass hier ein Problem vorhanden ist." Zugleich forderte er seine türkischen Landsleute in der Bundesrepublik erneut auf, die deutsche Sprache zu lernen.
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was ist fair?
@fair Warum sollte man diesen Menschen (speziell türkische Muslime) das Gefühl geben, Sie seien hier willkommen und ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft? Denn sie sind es nicht! Haben wir denn mit der Zuwanderung ein gesundes Niveau? Nehmen Sie mal Ihre rosarote Brille ab!
Religion gehört nicht zur Politik
@fair Ob Wulff eine Vision hat, oder am Saulus-/Paulus-Syndrom leidet, oder schlicht irre geleitet ist, steht nicht zu Rede. Vielmehr hat er sich als Politiker in der Sache verrannt. Politiker sind keine Religionsphilosophen und auch nicht befähigt, einem Staat ein Religionsmerkmal zuzuschreiben. Das gilt selbstverständlich für die Türkei genauso, wie für Deutschland und jeden andern Staat auf dieser Welt. Diese Behauptung kann jeder nachprüfen, denn keinem gegenwärtigen Staat kommt Staatsqualität wegen religiöser Legitimation zu. Im Gegenteil. Wulff hat nun zum wiederholten Male sein Amt beschädigt, ohne dass es hierfür einen ersichtlichen Grund gäbe. Aber er hat sich auch als Politiker disqualifiziert, was unter anderem dazu führen wird, dass er in Deutschland zukünftig wenig Chancen hat, politischen Sinn zu vermitteln. In der Türkei, so meine ich, wird er sowieso nur belächelt. Nach meinem Staatsverständnis hat Wulff einen der elementarsten Fehler gemacht, den ein moderner Politiker machen kann. Er hat den Primat der Politik auf einen Gegenstandsbereich angewandt, der von anderen Kriterien als der der Politik beherrscht wird. Das ist auch mit dem Demokratieprinzip unvereinbar, da Mehrheitsentscheidungen kein Kriterium für Religion oder Religionsausübung sein können. Was ich politisch von den Stellungnahmen von Wulff halte, erspare ich mir an dieser Stelle zu sagen. Die Verletzung der Staatsräson steht im Vordergrund. Wulff soll daher sofort zurücktreten. Und fair wird gebeten, beim Beifall spenden nicht die Prinzipien des modernen Staates zu vergessen.
Deutschland ist leider nicht weltanschaulich neutral!
Bundespräsident Wulff fordert von Ausländern zu respektieren, dass Deutschland ein weltanschaulich neutraler Staat sei. Diese Forderung wäre sicher in Ordnung, wenn Deutschland wirklich weltanschaulich neutral wäre. Aber die Realität sieht leider völlig anders aus, da religiöse Weltanschauungen (speziell die christliche) menschenrechtswidrig sogar extrem bevorzugt werden: Schon in der Präambel des Grundgesetzes gibt es Bezug auf einen "Gott" - statt sich nur auf die Menschenrechte zu beziehen. Weitere krasse einseitige Parteilichkeiten sind zum Beispiel: "Kirchensteuer" - statt Einzug der Mitgliedsbeiträge durch die Kirchen selbst, "Religionsunterricht" an öffentlichen Schulen - statt weltanschaulich neutralem Ethik-Unterricht, außerdem die vielen christlichen staatlichen Feiertage - statt weltanschauungsneutrale Feiertage. Bevor Wulff eine an sich sehr begrüßenswerte Forderung an Migranten richtet, sollte er erst einmal überlegen und prüfen, ob diese Forderung in seinem eigenen Land überhaupt erfüllt wird!