Bundespräsident zu Gast Wulff will Heuss-Haus besuchen
Marc Schieferecke, 04.02.2012 18:00 Uhr
Das Arbeitszimmer des ersten Präsidenten der Bundesrepublik in seinem Haus auf dem Killesberg. Foto: dpa
Das Arbeitszimmer des ersten Präsidenten der Bundesrepublik in seinem Haus auf dem Killesberg. Foto: dpa

Stuttgart - Dieses Detail aus dem Leben seines ersten Vorgängers im Amte wird den umstrittenen Bundespräsidenten Wulff schwerlich amüsieren: Theodor Heuss finanzierte seinen Alterswohnsitz in Stuttgart mit einem ganz gewöhnlichen Bausparvertrag bei Wüstenrot.

Das architektonisch auffällig schlichte Haus , in dem der erste Bundespräsident im Dezember 1963 an den Folgen der Amputation eines Raucherbeins verstarb, steht in idyllischer Lage auf dem Killesberg. Es dient als Gedenk- und Veranstaltungsort und wird von einer Stiftung betrieben. Die Eröffnung, bei der der damalige Bundespräsident Johannes Rau Ehrengast war, ist nun zehn Jahre her. Der runde Jahrestag ist der Anlass für den Besuch von Christian Wulff in sechs Wochen. Ein erster Termin musste zwar verschoben werden, „aber Herr Wulff will kommen“, sagt Thomas Hertfelder, der Stiftungsgeschäftsführer.

„Ich bin gespannt, wie er unser Haus kommentiert und ob Herr Wulff etwas zu seiner Amtsführung sagen wird“, sagt Hertfelder, „eigentlich würde sich das anbieten.“ Denn das überparteilich-staatsmännische Verständnis der Amtsführung hat Theodor Heuss gewissermaßen erfunden.

Was der aktuelle Bundespräsident tatsächlich zu sagen hat, werden nur ausgewählte Gäste hören. Hertfelder will die Zahl der Einladungen auf etwa 60 beschränken. Nicht, dass Christian Wulff einen Menschenauflauf gescheut hätte – das Theodor-Heuss-Haus ist schlicht zu klein, um bei einem Festakt eine größere Zahl von Gästen in ihm zu empfangen. Allerdings will Hertfelder nicht nur der üblichen Prominenz die Gelegenheit geben, den aktuellen Bundespräsidenten persönlich zu erleben. Zu der Veranstaltung sollen auch Schüler eingeladen werden.

Könnte Heuss den Auflauf in seinem Alterswohnsitz noch kommentieren, würde er ihn wohl missbilligen. 1959 bezog er sein von einem unbekannten Architekten erbautes Eigenheim. Dass die Stuttgarter ihn in Scharen begrüßen wollten, erduldete der Politpensionär. Aber Pressefotografen, die ins Hausinnere wollten, „hat er in seinem schwäbischen Akzent ziemlich derb verjagt“, sagt Hertfelder: „Ganget hoim. Wie ich wohn, goht euch nix an“.

Kommentare (13)
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FEB
05
Bürgerin S., 15:04 Uhr

Dann kann er sich ja auch gleich für ...

...die Einladung von den Bürgern Stuttgarts bedanken, die er anlässlich des Jahrestages des 30.09.2010 bekommen hat. Hätten wir ihm die Reise und das Hotelbett bezahlt wäre er sicher gekommen. Wenn man das mal vorher gewusst hätte.

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FEB
05
Tacheles, 12:31 Uhr

Wulff nein danke!

Theodor Heuss würde sich im Grabe umdrehen.

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FEB
05
C. Berger, 11:21 Uhr

Ja da sucht er wohl den "Beistand eines Anständigen"

Lieber Christian, der färbt aber nicht automatisch auf Dich ab!

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