Bundespräsidentenwahl Zwölf Stuttgarter stimmen mit ab
Frederike Poggel, 26.06.2010 10:12 Uhr
Wer wird sich wohl als Nachfolger von Horst Köhler im Schloss Bellevue einrichten dürfen? Foto: apn
Wer wird sich wohl als Nachfolger von Horst Köhler im Schloss Bellevue einrichten dürfen? Foto: apn
Stuttgart/Berlin - Wer sich an Horst Köhlers statt im Schloss Bellevue einrichtet, entscheidet sich am 30. Juni. Dann tritt die Bundesversammlung in Berlin zusammen, der 1244 Personen angehören. Zwölf der Wahlmänner und -frauen, die zwischen dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), dem Bürgerrechtler Joachim Gauck und der linken Außenseiterin Lukrezia Jochimsen wählen dürfen, kommen aus Stuttgart.

Unter ihnen ist die Bundestagsabgeordnete Karin Maag (CDU), die wie alle 622 Abgeordnete der Bundesversammlung angehört. Sie bezieht klar Position: "Christian Wulff steht mitten im Leben und kann ein positives Signal an die junge Generation senden." Ob diese Meinung alle Parteikollegen teilen, wird sich beim Zählappell zeigen: Einen Tag vor der Wahl trifft sich die CDU/CSU zur vorbereitenden Sitzung in Berlin - um sicherzugehen, dass dem Kandidaten der Koalition die Unterstützung seiner Parteikollegen sicher ist.

"Eine große Ehre"


Auf mehr als 120 Stimmen wird Lukrezia Jochimsen, die einst Chefredakteurin beim Hessischen Rundfunk war, wohl kommen. Das schätzt zumindest Ulrich Maurer von den Linken: "Wir werden geschlossen abstimmen", ist sich der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete sicher. Damit könnte Jochimsen ihren Konkurrenten zwar nicht gefährlich werden. "Aber unsere Aufgabe ist es auch, Flagge zu zeigen", sagt Maurer, für den es bereits die dritte Wahl eines Bundespräsidenten ist - aber auch immer wieder "eine große Ehre".

So sieht das auch der Schauspieler Walter Sittler: "Den Bundespräsidenten zu wählen ist ein staatsbürgerliches Recht, das man nicht so leicht bekommt", sagt er. Zumal als Nicht-Politiker, der wie Sittler zudem noch betont parteilos ist.

Doch Kulturschaffende, Vertreter der Wirtschaft oder sonst wie Engagierte werden durchaus über die Liste der Landtagsfraktionen in die Bundesversammlung gewählt. So, wie die baden-württembergische SPD Walter Sittler nominierte und auch den VfB-Präsidenten Erwin Staudt. Sittler hat seine zweite Berufung in die Bundesversammlung gerne angenommen. Wohl auch, weil diese Wahl für ihn eine klare ist: "Ich stimme für Joachim Gauck, weil wir jemanden brauchen, der sich auch inhaltlich klar äußern kann."

Die Bundesländer stellen ebenso viele Delegierte der Bundesversammlung, wie es Bundestagsabgeordnete gibt: 622. Auf Baden-Württemberg entfallen 79 Vertreter, von denen die CDU 40 stellt, die SPD 22, die Grünen neun und die FDP acht.

Stuttgarter Wahlmänner und -frauen


CDU
Allein durch ihr Bundestagsmandat haben sich Karin Maag und Stefan Kaufman qualifiziert. Außerdem dürfen wählen: der Landtagsabgeordnete und Diplomingenieur Thomas Bopp, 57, der auch im Vorstand des Verbands Region Stuttgart sitzt; Roger Kehle, 57, Hauptgeschäftsführer beim Gemeindetag Baden-Württemberg; der Jurist Reinhard Löffler, der im Landtag wie auch im Aufsichtsrat der SSB sitzt; die Vorsitzende des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Mitglied im Rundfunkrat des SWR, Therese Wieland..

SPD
Die Stuttgarter Abgeordneten in Berlin, Ute Kumpf und Ute Vogt, sind per se wahlberechtigt. Außerdem entsendet die Landtagsfraktion den parteilosen Schauspieler Walter Sittler in die Bundesversammlung, ebenso wie VfB-Präsident Erwin Staudt, der streng genommen nicht zu den Stuttgarter Wahlmännern zählt – sein Wohnort ist Leonberg.

Grüne
Neben der Bundestagsabgeordneten Birgitt Bender wird die Sozialpädagogin und Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch, 37, ihr Kreuz in Berlin machen.

Linke
Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Maurer vertritt Stuttgart für die Linken.
Kommentare (2)
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JUN
26
W. Münzenberg, 17:58 Uhr

Man muss die Neonzis totschweigen.

So wie ihre Vorgänger im sog. 3.Reich dies mit jeder Opposition getan haben . Diese Partei nutzt die Demokratie, um ihre undemokratische Ideologie durchzusetzen. Das letzte Mal haben sie den zweifelhaften Renicke auf das Wahlpodium gehoben, so das Letzte, was im Angebot war.

JUN
26
Gusteau, 14:21 Uhr

Qualitätsjounalismus

Das es 4 Kanditaten sind sollte jemand der den Journalistenberuf ernst nimmt erwähnen, auch dann wenn es ein NPD-Kandidat ist