Bundestagswahl im Stuttgarter Norden Die Briefwahl wird immer beliebter

Von unserer Redaktion 

Am Sonntag, 24. September, wird ein neuer Bundestag gewählt. Rund 376 000 Wahlberechtigte gibt es in Stuttgart. Fast ein Drittel von ihnen hat bislang einen Antrag auf Briefwahl gestellt. Dieser Trend ist auch in den nördlichen Bezirken zu beobachten.

Der Bundeswahlleiter rät,  den Wahlbrief spätestens am dritten Werktag vor der Wahl abzusenden, damit er rechtzeitig ankommt. Foto: Schatz
Der Bundeswahlleiter rät, den Wahlbrief spätestens am dritten Werktag vor der Wahl abzusenden, damit er rechtzeitig ankommt. Foto: Schatz

Stuttgarter Norden - Am Sonntag ist Bundestagswahl. Dann werden sich wieder zahlreiche Menschen auf den Weg in ein Wahllokal machen, um dort ihre zwei Kreuze zu setzen. Immer mehr Bürger nutzen allerdings die Möglichkeit, ihre Stimmen per Briefwahl abzugeben. Dieser Trend lässt sich auch in den nördlichen Stadtbezirken beobachten.

„Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 hat die Anzahl der Briefwähler überproportional zugenommen“, sagt Michael Haußmann, der Leiter der Abteilung Bevölkerung und Wahlen beim Statistischen Amt. Vor allem vom Angebot, die Unterlagen online anzufordern, würden immer mehr Bürger Gebrauch machen. Zudem hätten die Wählerinnen und Wähler anno 2017 mit sechs Wochen eine Woche mehr Zeit als vor vier Jahren, per Brief ihre Stimmen abzugeben. Stand Montag, 18. September, haben von 376 000 Wahlberechtigten in Stuttgart 106 500 einen Antrag auf Briefwahl gestellt.

8100 Bürgerinnen und Bürger sind in Stammheim wahlberechtigt. 1800 von ihnen haben bislang Briefwahlunterlagen beantragt. „Bei uns hat die Nachfrage an Briefwahlunterlagen bei den zurückliegenden Wahlen von Mal zu Mal zugenommen“, sagt Stammheims Bezirksvorsteherin Susanne Korge. „Doch dieses Jahr stellen wir zumindest im Rathaus einen leichten Rückgang fest, es kommen vor allem ältere Bürger, um die Briefwahl zu beantragen, und deutlich weniger jüngere Leute.“ Susanne Korge hat eine Vermutung, woran das liegt: „Mittlerweile kann man seine Briefwahlunterlagen bequem per Smartphone beantragen, das macht natürlich vor allem die jüngere Generation.“ Als Gründe, die für die Briefwahl sprechen, nennt Korge vor allem die Unabhängigkeit und Flexibilität. „Wenn man vorab per Brief wählt, kann man kann sich den Wahlsonntag freihalten und machen, was man will.“ Auch gesundheitliche Aspekte spielten mitunter eine Rolle. „Ältere sagen oft, dass sie nicht wüssten, wie es ihnen am Wahltag geht, und dass sie Dank der Briefwahl nicht außer Haus müssten.“

Vor allem Jüngere nutzen die Briefwahl

In Stammheim gibt es acht Wahllokale. An Helfern mangelt es nicht. „Wir arbeiten in zwei Schichten mit jeweils drei Helfern, und manche sind schon seit Jahrzehnten dabei – aber auch jüngere fragen nach, ob sie helfen können“, sagt Korge. Gewählt werden kann am Sonntag von 8 bis 18 Uhr. „Punkt 18 Uhr kommen dann noch mal alle Wahlhelfer in die Wahllokale, und dann wird mit dem Auszählen begonnen. Dabei geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagt die Bezirksvorsteherin. „Die Ergebnisse werden dann zunächst per Telefon an uns im Bezirksrathaus übermittelt, wir geben sie so schnell wie möglich ans Statistische Amt in der Innenstadt weiter.“ Erst später am Abend werden die Unterlagen von den Wahllokalen ins Bezirksrathaus gebracht. In vier der acht Stammheimer Wahllokale gibt es für die Wähler sogar Kuchen, Tee und fair gehandelten Kaffee.

In Weilimdorf sind am Sonntag 18 Wahllokale geöffnet. Insgesamt gibt es 19 900 Wahlberechtigte im Stadtbezirk. Bezirksvorsteherin Ulrike Zich schaut in allen Wahllokalen vorbei, während für die stellvertretende Bezirksvorsteherin Erika Rosenitsch der Wahlsonntag rein arbeitstechnisch erst so ab 16.30 Uhr beginnt. Ihr Part sei eher der administrative, sagt Rosenitsch und meint damit, dass sie im Bezirksrathaus sitzt und Wahlergebnisse entgegennimmt: „Die Wahlvorstände rufen bei uns an, geben das Wahlergebnis durch, ich erfasse es, wiederhole es und gebe es dann frei für das Statistische Amt“, sagt sie. Später am Abend werden die versiegelten Koffer mit den Stimmzetteln aus den Wahllokalen samt der Wahlniederschriften ebenfalls im Bezirksrathaus kontrolliert und anschließend ins Statistische Amt gebracht. Etwa 4500 Briefwahlanträge aus Weilimdorf wurden bis Montag registriert.

Mit insgesamt 20 700 Wahlberechtigten ist Zuffenhausen der größte der nördlichen Bezirke. 21 Wahllokale gibt es dort. Zunächst mussten Wahlhelfer gesucht werden, mittlerweile haben sich aber genug Ehrenamtliche gefunden. Gleich nach 18 Uhr soll mit der Auszählung begonnen werden. „Wir hoffen, dass wir bis 20.30 Uhr fertig sind“, sagt die stellvertretende Bezirksvorsteherin Karin Buschkühl. Die Briefwahl-Stimmen werden hingegen, so wie aus allen anderen Bezirken auch, zentral in Degerloch im SSB-Veranstaltungszentrum Waldaupark ausgezählt. Bis Montag haben 3900 Zuffenhäuser Briefwahlunterlagen beantragt – viele davon übers Internet. Zwar, so berichtet eine Mitarbeiterin des Zuffenhäuser Bezirksamtes, kämen täglich zwischen ein und zwei Dutzend Bürger direkt im Rathaus vorbei. Im Vergleich zu vorherigen Wahlen habe die Zahl aber abgenommen.

Immer mehr Wähler forden ihre Unterlagen online an

Ähnliche Erfahrungen hat auch das Bezirksamt in Botnang gemacht. Seit dem 21. August seien täglich zwischen zehn und 20 Bürger vorbeigekommen, um zu wählen. „Das waren überwiegend ältere Botnanger“, sagt Bezirksvorsteher Wolfgang Stierle. Der Zulauf sei aber insgesamt etwas weniger gewesen, als bei vergangenen Wahlen. „Allerdings haben viele Bürger auch die Gelegenheit genutzt, die Unterlagen online zu bekommen.“ Insgesamt, das bestätigt auch Michael Haußmann vom Statistischen Amt, liege Botnang mit derzeit 33 Prozent Briefwählern auf Platz eins im Stuttgarter Norden. 2900 der 9000 Wahlberechtigten haben ihre Stimme bis Montag bereits abgegeben. Noch bis Donnerstag, 18 Uhr, ist das im Bezirksrathaus möglich. „Das ist der Trend. Von Jahr zu Jahr werden es mehr Briefwähler“, sagt Wolfgang Stierle, der am Sonntag im Stadtbezirk im Einsatz sein wird. Er werde in allen neun Wahllokalen vorbeischauen und den rund 60 Helfern Brezeln mitbringen. Nach dem Auszählen der Stimmen werde es dann noch traditionell eine kleine Wahlparty mit den Ehrenamtlichen geben.

In Feuerbach ist am Sonntagvormittag Bezirksvorsteherin Andrea Klöber vor Ort unterwegs und während des kompletten Wahlsonntages in Rufbereitschaft. Den Nachmittag des Wahlsonntags übernimmt dann ihre Stellvertreterin Susanne Ramp. Nacheinander werden sie im Laufe des Tages alle 19 Feuerbacher Wahllokale aufsuchen und sich einen Überblick verschaffen.

17 340 Wahlberechtigte gibt es in Feuerbach. Bis zum Montag haben in dem Stadtbezirk 4800 Bürger Briefwahlunterlagen bestellt. In den Feuerbacher Wahllokalen sind insgesamt 114 Wahlhelfer im Einsatz. Präsente gebe es für die Helfer in den Wahllokalen nicht, aber jeder bekomme eine Aufwandsentschädigung, sagt Klöber. Es gebe 9,20 Euro pro angefangener Stunde. Der Höchstsatz für den gesamten Tag liege bei 55,20 Euro. Schon am Samstag werden die Wahlvorstände zusammengeholt und von Andrea Klöber im Rahmen einer Schulung vorbereitet und instruiert. Eventuelle Fragen und Unklarheiten können dort geklärt werden. Selbstverständlich werde am Wahlsonntag darauf geachtet, dass genügend Wahlzettel und Umschläge vor Ort seien, auch Wahlurnen, Listen und alles, was für einen ordnungsgemäßen Verlauf der Wahlen entscheidend ist, werde vorher kontrolliert, besprochen und erklärt, sagt die Feuerbacher Bezirksvorsteherin.

Kuriose Ereignisse gebe es in den Wahllokalen natürlich auch hin und wieder, erzählt sie. Es komme schon vor, berichtet Andrea Klöber, dass ein Wahlberechtigter für seine Ehefrau, die möglicherweise zu Hause krank im Bett liege, den Wahlzettel mitnehmen möchte – mit dem Hinweis: „Ich bringe ihn gleich wieder ausgefüllt zurück.“ Dass dies aufgrund des Wahlgeheimnisses nicht gestattet sei, quittiere mancher mit Erstaunen: „Wieso? Ich und meine Frau haben doch keine Geheimnisse.“

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