Bundestagswahl Vier Kandidaten und viele Randgruppen

Von Klaus Nonnenmacher 

Neben den Hauptakteuren von CDU, SPD, FDP, Grünen und Die Linke stehen am 22. September auch die so genannten „Kleinen“ auf dem Stimmzettel. Einige davon treten im Wahlkreis Göppingen auch mit eigenen Direktkandidaten auf.

Die Plakatwälder wachsen. Die Göppinger Kandidaten der Parteien, die im Bundestag vertreten sind, zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Christian Hass 6 Bilder
Die Plakatwälder wachsen. Die Göppinger Kandidaten der Parteien, die im Bundestag vertreten sind, zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Christian Hass

Kreis Göppingen - Die Plakatlandschaft vor der Bundestagswahl wächst mit jedem Tag. Nach und nach haben sich neben den Hauptakteuren von CDU, SPD, FDP, Grünen und der Linken auch die sogenannten „Kleinen“ in die Öffentlichkeit gewagt. Einige davon treten im Wahlkreis Göppingen auch mit eigenen Direktkandidaten an, andere wird man nur auf dem Stimmzettel für den Urnengang finden. Bei der jüngsten Wahl 2009 erzielten sie insgesamt einen Stimmenanteil von 6,45 Prozent.

Diesmal könnten die „Kleinen“ den „Großen“ mehr Stimmen rauben. Allein der Alternative für Deutschland (AfD) und den Piraten trauen die Meinungsforscher zurzeit jeweils rund drei Prozent zu, den restlichen insgesamt nochmals zwischen 3,5 und sechs Prozent.

Piraten mit einem der jüngsten Kandidaten

In Göppingen treten die Piraten bereits zum zweiten Mal zu einer Bundestagswahl an. Vor vier Jahren führten sie die Ergebnisliste der „Sonstigen“ mit allerdings nur 1,85 Prozent an. Einen Direktkandidaten hatten sie damals für das Filstal nicht aufgestellt. Ein zwischenzeitliches Hoch der Partei, die in Umfragen zur Sonntagsfrage (Wen würden sie wählen, wenn heute Bundestagswahl wäre) teilweise mehr als zehn Prozent aufwies, ist wieder abgeflaut.

Die Göppinger Piratenpartei schickt den 19-jährigen Schüler Julian Beier aus Gingen ins Rennen. Dieser engagiert sich nicht nur bei der Feuerwehr, im Technischen Hilfswerk (Berufswunsch Rettungssanitäter) sowie im Bündnis nazifrei, er ist auch Mitglied im Verein Gesellschaft für Fleisch fressende Pflanzen, und er ist ein Terrarienfreund mit Echsen und Schlangen.

Beier ist einer der jüngsten Bundestagskandidaten und möchte sich auch als Stimme der Jungwähler etablieren. Sich selbst bezeichnet er als Computerfreak, was durchaus ins Profil seiner Partei passt. Wichtig sind ihm Volksentscheide und Transparenz, insbesondere bei den Nebeneinkünften der Abgeordneten.

AfD werden bundesweit rund drei Prozent zugetraut

Neu auf dem Wahlzettel steht die erst vor wenigen Monaten gegründete EU-kritische Alternative für Deutschland, in Göppingen mit dem Kandidaten Volker Münz. Der 48-jährige Bankkaufmann und Wirtschaftswissenschaftler arbeitet als Abteilungsleiter in einer Großbank und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Uhingen. Neben einer aus seiner Sicht verfehlten Europapolitik prangert er auch die Einwanderungspolitik an und will sich für Familien und eine bessere Rentenpolitik starkmachen.

Kaum in Erscheinung getreten sind im Wahlkampf bisher zwei weitere Direktkandidaten, der 59-jährige Realschullehrer Albert Seitzer aus Schwäbisch Gmünd, der für die ÖDP antritt und der NPD-Kandidat Alexander Neidlein. Die ÖDP hatte 2009 im Wahlkreis Göppingen 0,41 Prozent der Stimmen ergattert, deren damalige Direktkandidatin Johanna Kaufmann 0,72 Prozent. Für die NPD waren 1,35 Prozent der Zweitstimmen und 1,87 Prozent der Erststimmen gezählt worden.

Kleinparteien mit wenig Aussicht auf Erfolg

Weitere Parteien sind für die Göppinger Wähler nur per Landesliste wählbar. Am meisten Zuspruch unter ihnen erfuhren 2009 im Kreis Göppingen noch die Republikaner mit etwas mehr als einem Prozent. Es gibt aber auch noch diejenigen, bei denen schon der Name Programm ist, wie die Tierschutzpartei (2009: 0,75 Prozent), die Partei Bibeltreuer Christen PBC (0,36), die „Volksabstimmung“ (0,2) oder die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands MLDP (0,06) und dann noch die Bürgerechtsbewegung Solidarität BüSo, die bei der Bundestagswahl im Jahr 2009 im Kreis nur von 60 der insgesamt knapp 130 000 Wähler angekreuzt worden ist.

Komplettiert wird der Stimmzettel von der von Muslimen in Köln gegründeten Kleinpartei Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit BIG und der rechtsextremen Bürgerbewegung pro Deutschland. Ganz am Ende stehen die Freien Wähler. Die Bundesvereinigung, nicht zu verwechseln mit den Freien Wählern auf kommunaler Ebene, tritt erstmals bei einer Bundestagswahl an. Ihnen trauen die Wahlforscher ein Ergebnis von zwei oder mehr Prozent zu.

In der folgenden interaktiven Karte stellen wir die Bundestagskandidaten für die Region Stuttgart vor. Klicken Sie auf den jeweiligen Wahlkreis, um weitere Informationen und Links zu unserer Berichterstattung über die jeweiligen Kandidaten zu erhalten!