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Politik
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Bundesversammlung Eine Regierung wird vorgeführt

Armin Käfer, Thomas Maron und Katja Bauer, vom 30.06.2010 22:45 Uhr
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Joachim Gauck gratuliert Christian Wulff zu seiner Wahl. Foto: dpa
Joachim Gauck gratuliert Christian Wulff zu seiner Wahl. Foto: dpa
Berlin - Am Ende gibt es nur mehr eine verhinderte Totalblamage zu feiern. Nach neun Stunden Wahlmarathon hat Christin Wulff es um 21.12 Uhr doch noch geschafft, zum Bundespräsidenten ausgerufen zu werden. Er ist nur dritte Wahl. Und er muss es erdulden, dass zunächst das Ergebnis seines Konkurrenten Joachim Gauck verlesen wird, weil der nach dem Alphabet eher an der Reihe ist. Ein Ergebnis, das Wulff selbst am allerwenigsten schmerzen wird, umso mehr aber die Kanzlerin, die ihn gekürt, und das Parteienbündnis, das ihn unterstützt hat. Die Stimmen für Gauck sind Pfeile im Fleisch dieser glücklosen Regierungskoalition. Die rot-grüne Opposition feiert ihren Kandidaten minutenlang, sie zelebriert diese Niederlage, die ein heimlicher Sieg ist.

Als Parlamentspräsident Norbert Lammert Wulffs Ergebnis vorliest, gebärden sich die Herrschaften im so genannten bürgerlichen Lager, als hätte Deutschland im Viertelfinale der Fußball-WM das 3:0 gegen Argentinien geschossen. Sie springen von ihren Sitzen auf und johlen sich den Frust dieses langen Tages von der Seele. Es ist, als ob sie glaubten, sie könnten alle Unkenrufe übertönen. Vizekanzler Guido Westerwelle tätschelt Angela Merkel die Schulter, eine Geste des Trost. Sie erweckt durchaus den Eindruck, Trost zu benötigen. Westerwelle ist auch der erste Gratulant, der dem neuen Präsidenten die Hand schüttelt.

Hinter ihnen liegen qualvolle neun Stunden und 34 Minuten. Christian Wulff fällt zweimal durch. Doch die zwei erfolglosen Wahlgänge sind nicht vorrangig ein Votum gegen seine Person, vielmehr ein Votum gegen die Kanzlerin und ihre miserable Regierung, gegen das Missmanagement bei der Kandidatenkür und ihr mangelndes Engagement für den Kandidaten selbst. Was ist passiert? Die Deutungsmaschinerie läuft auf Hochtouren. Was Anfangs noch als Denkzettel Angela Merkel gewertet worden war, muss mittlerweile als Debakel gelten. Es ist viel mehr als nur ein Schönheitsfehler.

Buffet für die Siegesfeier wird prompt wieder zugedeckt


Vielleicht fühlt sich Merkel in diesem Moment an die Worte erinnert, die am Morgen im ökumenischen Gottesdienst zu hören waren: "Meine Predigten und Reden greifen nicht, andre abstruse Lehren und Gedankengebäude ziehen die Menschen viel stärker an." So hatte Prälat Bernhard Felmberg die Verzweiflung des Timotheus beschrieben. Schon Timotheus wusste um die Gefährlichkeit seiner Gegner, und er beschrieb sie ziemlich ungeschminkt als "lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, charakterlos, unbedacht und aufgeblasen".

Eine vergleichbare Wortwahl wird im schwarz-gelben Milieu bereits nach dem ersten Wahlgang gepflegt. Zwei Etagen über dem Plenarsaal wird das Buffet für die Siegesfeier prompt wieder zugedeckt, als das Ergebnis die Runde macht. Das Servicepersonal wacht darüber, dass keiner vorzeitig nascht. Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus muss seinen für halb vier geplanten Empfang für die Wahlleute aus dem Land eilends verschieben. Und diejenigen, die sich über den Internetdienst Twitter so gut informiert fühlten, dass sich ihre Mienen nach einem Blick in die Handys sehr aufgehellt hatten, stehen nun flügellahm vor den falschen Meldungen auf ihrem Display.

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Kommentare (9)
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JUL
02
08:26 Uhr, geschrieben von Beobachter
Weder Grüne noch SPD haben Gauck instrumentalisiert, es war die SPRINGER-PRESSE...
...die ihn auf das Podium gestellt hat. SPD und Grüne sind dann sehr bereitwillig mit ins Boot gesprungen, um der Berliner Koalition mit Hilfe von Bild und Welt - aber auch des beispringenden Spiegel - eine Niederlage zu bereiten. Diese "Leid"-Medien haben durch ihr Engangement für Gauck auch die CDU-Wahlmänner und -frauen beeinflusst, die dann vermutlich mit Friede Springer gegen deren Freundin Merkel Wulff 2 x das Vertrauen absprachen. Doch nachher wills wieder keiner gewesen sein, so ist das in unserer Repbulik. Großkotzen und danach Schwanzeinziehen - preußisch-deutsche Tugenden.
JUL
01
16:19 Uhr, geschrieben von werner
Gauck
Allein die Tatsache, dass Gauck sich von spd/grün als Kandidat instrumentalisieren ließ, entlarvt ihn als charakterlosen Dummkopf.
JUL
01
14:54 Uhr, geschrieben von stuggi
ARD sendet falsche jubelbilder
ARD sendet falsche Jubelbilder: http://taz.de/1/leben/medien/artikel/1/falsche-jubelbilder/
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