Bundeswehr an Schulen Kritik hält an

Von ral 

Das Kultusministerium und die Bundeswehr haben eine neue Vereinbarung zur sicherheitspolitischen Bildung an Schulen geschlossen. Der Kultusminister sieht damit die Ausgewogenheit gestärkt. Die Kritiker wollen jedoch „militärfreie“ Schulen im Land.

Als Gäste im Landtag sind Mitglieder der Bundeswehr stets willkommen. An Schulen sehen sie Vertreter von Friedensinitiativen nicht so gerne. Foto: dpa
Als Gäste im Landtag sind Mitglieder der Bundeswehr stets willkommen. An Schulen sehen sie Vertreter von Friedensinitiativen nicht so gerne.Foto: dpa

Stuttgart - Das Kultusministerium und die Bundeswehr haben eine neue Vereinbarung zur Zusammenarbeit bei der sicherheitspolitischen Bildung an Schulen geschlossen. Damit will Kultusminister Andreas Stoch (SPD) eine Auseinandersetzung beenden, die seit fast zwei Jahren schwelt. Doch die Vertreter der Friedensbewegung sind von der Lösung nicht überzeugt. Der Pakt ersetzt die Kooperationsvereinbarung von Land und Bundeswehr aus dem Jahr 2009. In dieser hatten die Grünen eine Bevorzugung der Bundeswehr gesehen. Sie hatten kritisiert, Mitglieder der Friedenbewegung würden ins Hintertreffen geraten. Dagegen hatte die CDU betont, die Bundeswehr sei als Friedensorganisation zu betrachten. Gegen die Kooperationsvereinigung hat sich eine Kampagne formiert, die „Schulfrei für die Bundeswehr – lernen für den Frieden“ fordert.

Mit der neuen Vereinbarung werde die Ausgewogenheit bei der Vermittlung von sicherheits- und friedenspolitischer Bildung besser gewährleistet, erklärte Stoch. Die Kritik an der bisherigen Kooperation werde berücksichtigt, gleichzeitig werde die neue Regelung der verfassungsmäßigen Stellung der Bundeswehr gerecht. Nun werde stärker herausgestellt, dass die Jugendoffiziere an den Schulen nicht für Tätigkeiten in der Bundeswehr werben dürften. Die Offiziere halten nach wie vor Vorträge in der Lehrerausbildung. In Zukunft ist den Referendaren die Teilnahme aber freigestellt. Stoch kündigte an, die Friedenserziehung weiter zu stärken. Das Ministerium werde Organisationen aus der Friedensbildung eine gemeinsame Erklärung vorschlagen. „Wir wollen, dass sich Schüler ein umfassendes Bild von sicherheits- und friedenspolitischen Fragen machen können“, sagte Stoch.

Kritiker für „militärfreie Schulen“

Roland Blach, der Sprecher der Kampagne „Schulfrei für die Bundeswehr“, fordert nach wie vor, die Kooperation mit der Bundeswehr ersatzlos zu streichen. Auch mit der neuen Vereinbarung würden der Bundeswehr Privilegien zugestanden. Die Mitglieder der Kampagne wollen die Friedensbildung in den Bildungsplänen verankern. Sie treten dafür ein, „dass sich Schulen in Baden-Württemberg für militärfrei erklären“. Die Bundeswehr dagegen zeigt sich erfreut, „dass sich die jetzige Landesregierung weiterhin zur Zusammenarbeit bekennt“, erklärt Michael Kuhn, der Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg. Er betont, die zehn Jugendoffiziere im Land betrieben keine Nachwuchswerbung. Auch seien sie nur auf Einladung der Schulen aktiv.

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9 KommentareKommentar schreiben

Bernd Wächter, 20:29 Uhr: ja, der dipl. ing. hat schon einige jahre auf dem buckel. ja, das mit den arbeitgebervertretern war nicht eindeutig. das hätte der dipl. ing. besser machen können. oder heißt es die dipl. ingin?

@ dipl. ing. (fh) franziska theissen, 18:18 Uhr: Ihr FH Titel ist wohl wirklich schon älter ;-). Solange Berufe von Verbänden oder ähnlichem neutral vorgestellt werden ist das ja ok, allerdings redeten sie von Vertretern von Firmen.

frau gall, herr wächter: frau gall, nein es ist nicht einfach. das sehe ich auch so. es ist aber auch nicht so, dass man kriege vermeiden kann, wenn ein paar mitglieder einer friedensbewegung in unseren schulen reden. deshalb finden im irak und in frika und im nahen osten trotzdem kriege statt. es ist nun mal so, dass der mensch an sich nicht friedlich ist. das sieht man doch schon im kleinen. nicht immer reicht es wenn man probleme tot redet. manchmal muss man auch energisch eingreifen. und es mag ein alter spontispruch sein, aber er stimmt immer noch: "wer sich nicht wehrt lebt verkehrt." -------------------------------------------------------------------------------------------------------------- herr wächter, ich weiß nicht wie es heute ist, meine kinder sind schon einige zeit von der schule. aber selbst bei mir kamen in die abschulklassen vertreter von irgendwelchen berufsorganisationen und haben über ihren beruf geredet. polizei, bundeswehr, von der kammer irgendwelcher berufe, von unis. wenn das nicht mehr so ist, finde ich das eigentlich schade. unser damaliger rektor sagte immer nicht für die schule, für das leben lernen wir. das sagte wahrscheinlich jeder rektor. aber was gehört zum leben wenn nicht der beruf?

dipl. ing. (fh) franziska theissen, 12:29 Uhr: Wenn die Welt so simpel wäre. Die Bundeswehr ist nicht einfach ein Arbeitgeber wie jeder andere. Friedensbildung hat mit Palmwedeln und Wattebäuschen nichts zu tun. Es geht unter anderem darum, die Ursachen und Hintergründe von Konflikten und Kriegen zu untersuchen, um Kriege zu vermeiden. Es ist z.B. kein Wunder, dass in Ländern, in denen von Kolonialstaaten die Grenzen mit dem Lineal quer durch Stammesgebiete gezogen worden sind und in denen es auch nach dem Kolonialismus jahrzehntelangen schlechte Erfahrungen mit dies Mächten gab, viel Mensche alles ablehnen, was von diesen Mächten gekommen ist und kommt. Der Irakkrieg z.B. hat gezeigt, dass der Militäreinsatz keine Lösung, sondern nur neue Probleme und kriegerische Auseinandersetzungen gebracht hat.

@ dipl. ing. (fh) franziska theissen, 12:29 Uhr: ich hoffe doch (und an den meisten Schulen ist es auch so) , dass weder die Bundeswehr noch andere Arbeitgeber Werbung machen können - das Schulleben sollte von derartigen Werbeveranstaltungen (egal für was) verschont sein. Als Teil unserer Demokratie könnte ich (obwohl bekennender Wehrdienstverweigerer) mir durchaus vorstellen, dass die Bundeswehr im Rahmen der Friedenserziehung mitwirkt, aber eben neben anderen Organisationen die zum Frieden beitragen.

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