InterviewBundesweites Abitur „Das Abitur muss in allen Ländern gleich schwer sein“

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Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe, erwartet am Donnerstag einen Durchbruch beim Ringen um ein bundesweites Abi.

In allen 16 Bundesländern sollen die Abi-Prüfungen vergleichbar werden. Foto: dpa
In allen 16 Bundesländern sollen die Abi-Prüfungen vergleichbar werden.Foto: dpa

Berlin - Am Donnerstag tagen die 16 Kultusminister. Ihr Vorsitzender, Ties Rabe aus Hamburg, kritisiert das Vorpreschen einiger Länder für ein gemeinsames Abitur. Rabe will die bundesweite Lösung.

Herr Rabe, seit zehn Jahren diskutieren die Kultusminister über ein einheitlicheres Abitur. Erwarten Sie den Durchbruch?
Ja, denn wir haben uns in den vergangenen drei Monaten viel Mühe gegeben, die unterschiedlichen Positionen zusammenzuführen. Wir haben einen Vorschlag entwickelt, und der Erfolg ist zum Greifen nahe. Alle Länder haben uns wohlwollende Zeichen gegeben, dass wir einen großen Schritt vorankommen. Im Kern geht es darum, dass das Abitur in allen Bundesländern gleich schwer sein sollte. Es muss in seiner Qualität in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache bundesweit vergleichbar sein. Die Details möchte ich erst heute in der Kultusministerkonferenz besprechen.

Aus Bayern und Niedersachsen kamen Signale, dass man schon 2014 in sechs Ländern gemeinsame Aufgaben fürs Abitur einführen könnte. Das ist als Vorpreschen kritisiert worden. Wie stehen Sie dazu?
Frühere Absprachen der KMK für eine Standardisierung des Abiturs gingen sechs Ländern nicht weit genug. Sie haben in einer Arbeitsgruppe über einen zügigeren Weg nachgedacht. Aber heute verspüren wir Bewegung bei allen Ländern, da halte ich es nicht für hilfreich, wenn unmittelbar vor der großen Einigung in der Öffentlichkeit die Überholspur der kleinen Gruppe laut diskutiert wird. Unser Ziel sollte sein, bundesweit zu einer Angleichung der Standards kommen, nicht nur in sechs Ländern.

Allerorten wird bei G8 zurückgedreht. Ist die Reform gescheitert?
Nein, das sehe ich nicht so. Wo G8 neu eingeführt wird, da melden sich anfangs viele zu Wort. In der Tat handelt es sich um eine große Umstellung für die Gymnasien. Aber alle Länder, die die Reform vor längerer Zeit umsetzten, machten die Erfahrung, dass der Lernerfolg stimmt. Eine Studie aus Hamburg hat ergeben, dass die G8-Schüler heute in der zehnten Klasse deutlich weiter sind, als es G9-Schüler vor sechs oder sieben Jahren gewesen waren. Den Schulen gelingt es, sich aufs neue System einzustellen. Ich habe den Eindruck, dass der Weg in Richtung G8 nicht ernsthaft angezweifelt wird. Nach den Erfahrungen von Schleswig-Holstein rate ich dazu, nicht heute Hü und morgen Hott zu rufen. Die ersten Bilanzen von G8 sind positiver, als am Anfang erwartet wurde.

Sie wollen den Übergang von der Schule in den Beruf thematisieren. Wo hakt es da?
Das Thema steht im bildungspolitischen Windschatten. Alle Pisa-Studien enden bei den 15-Jährigen. Dabei entscheidet sich das Lebensglück vieler junger Leute an der Frage, wie geht es nach der Schule weiter. Die Berufsausbildung muss auch für leistungsstarke Schüler attraktiv sein. Das gelingt, wenn man in der dualen Ausbildung auch die Möglichkeit verankert, das Abitur oder Fachabitur nachzuholen.

Sie wollen mehr Klarheit bei den Überbrückungsmaßnahmen für Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz. Was meinen Sie damit?
Es gibt Maßnahmen, die ihren Zweck nicht erfüllen. In der Regel sind rein schulische Angebote wenig zielführend. Wer schwach in der Schule war, wird nicht glücklich, wenn er erneut die Schulbank drücken muss. Eine Anbindung an die Praxis wirkt Wunder. Wir haben in Hamburg Modelle für berufsvorbereitende Maßnahmen, da sind die jungen Leute zwei oder drei Tage in der Woche in einem Betrieb. Das steigert Motivation und Leistung. Viele Teilnehmer werden vom Betrieb übernommen.

Schwarz-Gelb will das Kooperationsverbot von Bund und Ländern lockern, um die Unis fördern zu können. Stimmt die SPD da zu?
Ich spreche jetzt nicht als KMK-Präsident, sondern als SPD-Politiker. Ich vermisse Leitlinien der Bundesregierung, wie die Lockerung des Kooperationsverbotes umgesetzt werden soll. Wir brauchen eine dauerhafte Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Aber wir brauchen für eine Kooperation auch das Einstimmigkeitsprinzip bei Ländern und Bund sowie klare Verantwortlichkeiten in der Schulpolitik. Die SPD will auf jeden Fall die Schulen mit einbinden. Wir warten auf eine Antwort der Bundesregierung, sie muss sich bewegen.
Das Gespräch führte Christoph Link.