Café Weiß in Stuttgart Ranko feiert seine Abschiedsparty

Jan Georg Plavec, 27.03.2013 10:32 Uhr

Stuttgart - Ein Freund der kleinen Worte war Ranko Curin noch nie. 15.000 Stammgäste habe er, dazu viel Geld auf dem Konto, Immobilien in Stuttgart und Kroatien - so erzählte es der Kellner des Café Weiß in letzter Zeit denen, die es hören wollten und allen anderen sowieso. Ob all das stimmt oder nicht - es ist typisch Ranko. Der Mann wird in seinem Café nur beim Vornamen genannt, er gehört nach vierzig Jahren zum Inventar. Curin ist eine Art liebenswürdiger Alleinherrscher, der einem an guten Abenden die beste Zeit des Lebens beschert und an schlechten so richtig patzig werden kann.

Am Montagabend feierte er Abschied. Wer es reinschaffte, herzelte den Keller. Wer zunächst draußen blieb oder es gar nicht versuchte, dachte an viele schöne Abende im Café Weiß. Nachdem Ranko seinen Hut genommen hat, schließt das Café - für Umbauarbeiten. Die Eigentümer haben angekündigt, nun lediglich für ein paar Modernisierungen zum Beispiel an den Toiletten zu schließen und am 8. Mai mit bewährtem Konzept wieder zu öffnen - aber eben ohne Ranko. 

Entsprechend wollten viele Weiß-Fans sich ihr Bier noch einmal von Ranko bringen lassen. Schon gegen 18 Uhr war das Café wegen Überfüllung geschlossen. Aber Ranko ist ja nicht so: Er reichte ein paar Flaschen von dem Freibier, das drinnen ausgeschenkt wurde, nach draußen. Und irgendwann waren dann ja doch alle mal drin.

Tütenweise "Feuerdrachen"

Ranko Curin verabschiedete sich mit einer richtigen Party: Mark Bosco spielte Livemusik; zu Freibier und tütenweise "Feuerdrachen"-Geknabber ging es noch enger, Fans dieser Lokalität sagen: noch gemütlicher zu als sonst. Viele Stammgäste waren noch einmal gekommen, darunter Michael Gaedt von der Kleinen Tierschau, Frank Pfauth von den Stuttgarter Kickers, ebenso Buchhändler Wendelin Niedlich, der Marcel Prousts Literatur ins Café Weiß brachte. Und, und, und.

Die Gäste hoffen darauf, dass das Café Weiß auch nach dem Tod von Heinz Weiss und dem Abschied von Ranko Curin bleiben darf, wie es ist. Aber sicher sein kann man nie. Deshalb war das Café Weiß so voll wie selten an einem Montagabend. Und auch wenn er ein gehöriges Stück des Weges mit Heinz Weiss gegangen war: In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Ranko diesen Laden quasi im Alleingang geschmissen. Auf seine Art. Klaro, dass das letzte Lied dieses Abends "My Way" hieß. Mach's gut, Ranko!

Wir haben Bilder von Rankos Abschiedsparty mitgebracht. Klicken Sie sich durch!