Stadtkind Stuttgart

Carmen Büchner im Westquartier Abenteuerspielplatz für Künstler

Von Ina Schäfer 

Die Stuttgarter Künstlerin und Trickfilmerin Carmen Büchner beschäftigt sich mit der menschlichen Psyche – durch Filme, Bilder und Installationen. Ihre Werke sind von Donnerstag an im Westquartier zu sehen.

Carmen Büchner fragt sich, wie Emotionen im Gehirn aussehen könnten. Foto: Ina Schäfer 8 Bilder
Carmen Büchner fragt sich, wie Emotionen im Gehirn aussehen könnten.Foto: Ina Schäfer

Stuttgart - In einem abgedunkelten Raum hängen asymmetrisch angeordnet Styropor-Kugeln von der Decke. Auf die Kugeln werden Bilder projiziert, sie zeigen fließende Formen, düstere Farben, mal Linien, die zittern. Im Hintergrund ertönen die Klänge eines Kölner DJs. Der Film, der in diesem Raum anhand einer Installation gezeigt wird, heißt „Inside“ und ist Teil der Ausstellung mit gleichnamigem Titel im Westquartier.

Carmen Büchner hat sich mit der Ausstellung einen Wunsch erfüllt: nach ihrem Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg und den darauffolgenden Auftragsarbeiten als freie Animatorin und Künstlerin mal wieder ausschließlich ihren eigenen Themen nachzugehen und ihrer Kreativität völlig freien Lauf zu lassen.

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt

Wenn Carmen Büchner über ihre Arbeit spricht, dann leuchten ihre Augen. „Das ist wie ein großer Spielplatz. Der Fantasie sind bei der Animation kaum Grenzen gesetzt“, sagt die 29-Jährige. Auch bei den Auftraggebern, als Freelancerin etwa für Studios, habe sie stets so freie Hand, das sie sich ausleben könne.

Die Herangehensweise von Carmen Büchner ist stets eine künstlerische. Immer experimentiert sie mit verschiedenen Materialien und Kunstformen. „Als Trickfilmerin hat man unendliche Möglichkeiten der Gestaltung. Ich kann alles in der Welt für meine Produktionen benutzen“, sagt sie. Und nicht nur das, auch die Visualisierung birgt unzählige Möglichkeiten. Filme müssen nicht mehr nur auf einer Leinwand gezeigt werden, sondern können eben auch auf Styroporkugeln oder andere Objekte projiziert werden und so eine ganz neue Tiefe gewinnen. „Filme sind dadurch auf ganz andere Art erkundbar“, sagt Carmen Büchner.

Carmen Büchner ist ein richtiger Morgen-Mensch

Nun hat sich die Wahl-Westlerin, die in der Nähe des Feuersees wohnt und arbeitet, etwas Zeit freigeschaufelt und seit Oktober vergangenen Jahres an ihrer „Inside“-Reihe gearbeitet. Dabei beschäftigt sich die 29-jährige Künstlerin mit dem Menschen und seiner Natur. Diesmal mit dem Kopf, dem Gehirn, Emotionen und Gedanken. Recherchiert habe sie dafür nicht – absichtlich nicht, wie sie betont. „Ich wollte alles so darstellen, wie wir uns das als Laien vorstellen“, sagt Carmen Büchner. Wie sieht Schmerz aus, wie sehen Emotionen im Kopf aus? Nicht nur der animierte Kurzfilm, auch Malereien, Bilder und Skulpturen machen das Thema erlebbar. So laufen in einigen ihrer Zeichnungen rote Linien durch den Kopf, tropfen wie Blut und symbolisieren den Schmerz.

Ein weiteres großes Thema ist der Kontrast zwischen Tag und Nacht. „Der Mensch hat die Nacht künstlich verkürzt. Früher ist man einfach ins Bett gegangen, wenn der Tag zu Ende war, und hat die Kerze als einzige Lichtquelle ausgepustet“, sagt Carmen Büchner. Der Mensch hat in die Natur eingegriffen. Die Natur spielt in ihren Arbeiten immer eine große Rolle. „Alles basiert auf der Natur und ihren Gesetzen“, sagt sie. Alles könne man durch die Natur erklärbar machen.

Apropos Tag und Nacht: Entgegen der üblichen Künstler-Klischees ist Carmen Büchner ein wahrer Morgen-Mensch. Um richtig kreativ sein zu können, steht sie schon mal frühmorgens um vier Uhr auf und geht in ihr Atelier . Nun wird sie allerdings bis zur Eröffnung die Nacht zum Tag machen müssen, einige ihrer Bilder müssen noch trocknen, andere Werke müssen noch auf die drei bespielbaren Räume des Westquartiers verteilt werden. Carmen Büchner ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums. „Es ist immer interessant zu sehen, was andere aus meinen Arbeiten machen. Ich lerne dabei viel über meine Kunst“, sagt sie.

Inside Vernissage am 3. März, 19 Uhr, im Westquartier, Elisabethenstraße 26. Die Ausstellung läuft bis zum 31. März.