CDU-Bundestagsabgeordneter Stefan Kaufmann kommt auf Umwegen zum Segen

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Der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann und Rolf Pfander haben am Samstag den kirchlichen Segen für ihre Lebenspartnerschaft bekommen – allerdings nicht wie gewünscht von der katholischen Kirche.

Stefan Kaufmann (Mitte) und Rolf Pfander tauschen Ringe in der Schlosskirche. Foto: dpa
Stefan Kaufmann (Mitte) und Rolf Pfander tauschen Ringe in der Schlosskirche.Foto: dpa

Stuttgart- Die Wege des Herren sind unergründlich. Auch der Weg zu dieser Segnungsfeier war holprig.“ Mit diesen Worten begrüßte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Chef des Stuttgarter Kreisverbandes Stefan Kaufmann am Samstag die Festgesellschaft in der Kirche des Alten Schlosses. Kaufmann und sein langjähriger Lebensgefährte Rolf Pfander empfingen in dem prunkvollen Gotteshaus den Segen für ihre Lebenspartnerschaft.

In diesen wenigen Worten versteckte der 45 Jahre alte Abgeordnete seine Kritik an der katholischen Kirche. Denn eigentlich hatten sich Pfander und Kaufmann einen katholischen Dankgottesdienst für ihre im Dezember 2013 standesamtlich eingetragene Lebenspartnerschaft gewünscht. Auch einen katholischen Pfarrer hatten die beiden Männer schon gefunden, der aber wurde von dem Rottenburger Bischof Gebhard Fürst zurückgepfiffen.

Der altkatholische Pfarrer erteilt den Segen

Statt eines katholischen Dankgottesdienstes ist es jetzt eine altkatholische Segnungsfeier mit Oratorienchor, Kammersängerin und 350 Gästen in einer evangelischen Kirche geworden. Den kirchlichen Segen zu der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft erteilte Joachim Pfützner. Der altkatholische Pfarrer wurde in seiner Kritik an der Schwesterkirche deutlicher. „Die Kirchen können sich aus der gesellschaftlichen Entwicklung nicht heraushalten, weil in ihnen homosexuelle Menschen leben, die sich in ihrer Kirche nicht verstecken wollen – gerade dort, wo die Liebe das Thema Nummer eins ist.“ Gottes Liebe sei grenzenlos und ende nicht bei der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Pfützner bestärkte Kaufmann und seinen ein Jahr älteren Lebenspartner darin, den Weg zu gehen, „der nicht immer einfach für euch war“, und weiter mit ihrem Verständnis von Liebe in die Welt „hineinzuwirken“. Dies haben die beiden auch getan, in ihrer Partei, die in weiten Teilen noch an einem traditionellen Familienbild orientiert ist. Aber auch im Bundestag, wo sich Kaufmann offensiv für die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe eingesetzt hat.

Es fehlte nicht an guten Wünschen auch aus der CDU

Am Samstag fehlte es nicht an guten Wünschen – auch aus der eigenen Partei. Vor und nach der Segnungsfeier bildeten sich im Hof des Alten Schlosses lange Schlangen an Gratulanten, darunter auch die Bürgermeister Michael Föll und Martin Schairer sowie der Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl, Guido Wolf.

Der CDU sind Kaufmann und Pfander immer treu geblieben, der katholischen Kirche jetzt nur noch einer. Rolf Pfander ist nach dem Veto aus Rottenburg ausgetreten und gehört jetzt zur Gemeinde der Altkatholiken. Stefan Kaufmann aber will, wie er sagt, „von innen heraus Veränderungen in der katholischen Kirche anstoßen“.