CDU-Parteitag Mit der Kanzlerin an einem Tisch

Von und Jörg Nauke 

Der Stuttgarter Regionalrätin Monica Wüllner gelingt ohne Rückendeckung des Landesvorstands der Sprung in den Bundesvorstand.

Monica Wüller hat auf eigene Faust kandidiert und gewonnen. Foto: StZ
Monica Wüller hat auf eigene Faust kandidiert und gewonnen.Foto: StZ

Hannover/Stuttgart - Monica Wüllner sorgte für eine der wenigen kleinen Überraschungen des CDU-Parteitags. Die 43-jährige Stuttgarterin kandidierte für den Bundesvorstand, auf eigene Rechnung, ohne Rückendeckung des Landesvorstands. Der hatte eigentlich neben Gudrun Heute-Bluhm und Annette Widmann-Mauz den Karlsruher Bundestagsabgeordneten Axel Fischer vorgeschlagen. Und mehr als drei Kandidaten aus Baden-Württemberg hatten auf dem Bundesparteitag aus Proporzgründen keine Chance.

Deshalb versuchte es die Mutter eines vierjährigen Sohnes auf eigene Faust. Die ehemalige Turmspringerin, die schon seit 1999 im Regionalparlament sitzt, ohne dort allerdings groß Akzente zu setzen, und Mitglied im Vorstand des Landessportverbandes ist, hielt eine engagierte Rede und konnte als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Christlichen Gewerk­schaft Metall vor allem mit der Unterstützung der Arbeitnehmerschaft rechnen. Die Juristin erhielt 68,42 Prozent und ließ damit Axel Fischer hinter sich.

Die ehemalige Turmspringerin sieht es sportlich

Ein schlechtes Gewissen habe sie deshalb nicht, sagte sie der StZ. Sie würde es sich wünschen, dass viel öfter offen um Posten in der Partei gerungen würde. Man müsse das sportlich sehen. Auch sie habe als Turmspringerin die eine oder andere herbe Niederlage wegstecken müssen. Größere Ambitionen habe sie vorerst nicht, ihr Job mache ihr Spaß. Aber, fügt sie an, man solle ja „niemals nie sagen“. Etwa bei der Nominierung der Kandidaten für die nächste Landtagswahl. Es wäre dann ihre dritte Bewerbung. Zuletzt hatte Monica Wüllner 2009 vergeblich versucht, sich den Parteifreunden als bessere Alternative zu dem wegen einer privaten Affäre angeschlagenen Abgeordneten Reinhard Löffler anzubieten. Der Wahlkampf war zeitweise schmutzig, Löffler nutzte den Mitleidseffekt und holte das Direktmandat. 2005 war Wüllner schon einmal gescheitert, damals an der nicht übermächtigen Bezirksvorsteherin Andrea Krueger. Auch ihre Zeit als Geschäftsführerin der CDU im Rathaus wissen in der Partei nicht alle zu würdigen.

Mitglied der „Liedertafel Zwietracht“

Sämtliche Kreisvorsitzende, und die 43-Jährige hat einige erlebt, konnten und können sich auf Wüllner verlassen. Ihr hilft es, in Stadt und Land seit Junge-Union-Zeiten bestens vernetzt zu sein, nicht zuletzt dank des geheimen Freundeskreises „Liedertafel Zwietracht“. Sie zeigt Präsenz, wenn die Parteispitze Mehrheiten organisieren und im Wahlkampf Akzente setzen muss. Kreischef Stefan Kaufmann brauchte sie zuletzt, um Andreas Renner als Oberbürgermeister-Kandidat zu verhindern. Wüllner rief dazu auf, Sebastian Turner zu wählen, weil er weit über die eigene Klientel hinaus Bürger ansprechen könne. Diese Fehleinschätzung teilt sie jetzt mit einem weiteren Mitglied des Bundesvorstands – CDU-Parteichefin Angela Merkel.

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1 KommentarKommentar schreiben

Einseitig: Der Artikel über die Wahl von Monica Wüllner in den CDU-Bundesvorstand ist äußerst einseitig. Es wird nicht über ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement gesprochen, sondern es wird kritisiert, sie habe sich für Turner als OB-Kandidaten eingesetzt - wie übrigens 2/3 der CDU-Mitglieder beim Kreisparteitag. Steht in jedem Artikel über SPD-Politiker (wie Nils Schmid), dass sie sich für die OB-Kandidatin Wilhelm eingesetzt haben, die nur auf 15 % der Stimmen kam? Man stelle sich nur vor, Monica Wüllner wäre in den Bundesvorstand der Grünen gewählt worden. Dann wäre die Aussage des Artikels gewesen: Engagierte junge Frau und Mutter aus Stuttgart, die sich für Arbeitnehmer und den Sport engagiert, schafft überraschend den Weg in die Grünen-Spitze. Komisch, oder?

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