CDU-Spitzenkandidat Wolf hört auf seinen Beraterkreis

Von Reiner Ruf 

Guido Wolf ist von Haus aus ein Mann der Verwaltung. Für den Landtagswahlkampf hat der Spitzenkandidat einige Berater aus der Wirtschaft gewonnen. Kann er so Ministerpräsident Winfried Kretschmann Paroli bieten?

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf trifft sich regelmäßig mit Wirtschaftsvertretern. Foto: dpa
CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf trifft sich regelmäßig mit Wirtschaftsvertretern.Foto: dpa

Stuttgart - Wirtschaftspolitisches Profil zu zeigen, ist für den Spitzenkandidaten einer Oppositionspartei nicht ganz einfach, selbst wenn es sich um den Anführer der CDU handelt – jener Partei, die in der Vergangenheit mit Regierungschefs wie Lothar Späth oder Günther Oettinger Prachtexemplare von Industriepolitikern aufbot. Beide Ministerpräsidenten verschafften sich unter Wirtschaftsleuten Respekt, obwohl die tatsächlichen Möglichkeiten der Landespolitik auf dem Feld der Ökonomie Feld weitaus geringer sind, als öffentlich gemeinhin der Anschein erweckt wird.

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf ist ein Verwaltungsmann. Er weiß, wie die Ministerien arbeiten, er kennt die Regierungszentrale von innen, er war Verwaltungsrichter, amtierte als Erster Bürgermeister in Nürtingen und arbeitete schließlich als Landrat in Tuttlingen. Kommunalpolitik ist oft auch Wirtschaftspolitik. Doch das Handlungsfeld von Kommunalpolitik ist die Bürokratie.

Verbindung zur unternehmerischen Praxis

Wolf hat sich deshalb mit einem Beraterkreis umgeben, mit dessen Mitgliedern er in regelmäßigem Kontakt steht und mit denen er, so Wolf, über alle Themen spreche, die für die Wirtschaft in Land und Bund von Bedeutung seien. „Unser Land war immer stark, weil es Innovationen und Zukunftsmärkte frühzeitig und vor anderen erkannt hat“, sagt Wolf. „Diese will ich gemeinsam mit dem Beraterkreis weiterentwickeln. Baden-Württemberg muss zum Smart Valley in Europa werden.“ Der unmittelbare Kontakt mit den Fachleuten sei ihm wichtig, er wolle „aus erster Hand von Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft informiert werden“. Und er schätze die direkte Verbindung zur unternehmerischen Praxis. Der Beraterkreis begleite ihn bereits seit Monaten, sagt Wolf. Und sollte er Ministerpräsident werden, wolle er den Kontakt aufrecht erhalten. Zudem hat der CDU-Spitzenkandidat bereits angekündigt, dass er im Fall seiner Wahl eine Zukunftskommission einrichten wolle, wie es sie vor dem Regierungswechsel schon einmal gegeben hat.

Auch wenn derzeit die Flüchtlingskrise im Mittelpunkt aller politischen Debatten steht: Fehlende Wirtschaftkompetenz darf sich kein Wahlkämpfer nachsagen lassen. Das erkannte beizeiten auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der auf einem Landesparteitag im Herbst 2014 die Grünen zur neuen Wirtschaftspartei und ein Jahr darauf zur neuen Baden-Württemberg-Partei ausrief. Kretschmann reiste nach Kalifornien ins Silicon Valley, trug im Landtag eine Regierungserklärung zur Digitalisierung der Wirtschaft vor und sucht auch sonst jeden Anschein zu vermeiden, Baden-Württemberg könnte unter einer grün geführten Landesregierung wirtschaftlich den Anschluss verpassen oder auf andere Art Schaden nehmen. Wie sagte doch Kretschmann auf dem Reutlinger Landesparteitag im Dezember: „Wir sind die Partei, die Mechanikern und Ingenieuren bei Bosch, Daimler oder bei den Fraunhofer-Instituten, die jeden Tag alles geben, um den Nullemissions-Antrieb der Zukunft zu entwickeln, eine politische Heimat bieten.“

Berater, aber kein Schattenkabinett

Wer aber zählt nun zum Beraterkreis des Spitzenkandidaten Wolf? Fünfzehn Personen sind es, auf die er hört. Da ist Ruth Baumann, Präsidentin der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, außerdem Beate Beck-Deharde, Geschäftsführerin der Firma Beck Packautomaten in Frickenhausen sowie Daniela Eberspächer-Roth, die geschäftsführende Gesellschafterin der Profilmetall-Gruppe und Vizepräsidentin der IHK Reutlingen/Tübingen/Zollern-Alb.

Zu Wolfs Beraterkreis gehören weiter: Erbprinz Kraft zu Hohenlohe-Öhringen, Präsidiumsmitglied im Landesjagdverband, Klaus Fischer, Geschäftsführer der Fischerwerke in Waldachtal und Heinrich Haasis, der frühere Sparkassenpräsident, Jessica Kulitz, Gesellschafterin der ESTA Apparatebau, Nicola Leibinger-Kammüller, die Geschäftsführerin von Trumpf, Hubert Lienhard von Voith, der frühere Daimler-Manager Klaus Mangold sowie der ehemalige Chefredakteur der „Stuttgarter Nachrichten“, Jürgen Offenbach. Schließlich wird Spitzenkandidat Wolf auch vom früheren Stuttgarter OB Wolfgang Schuster, dem ehemaligen CDU-Schatzmeister Hans Reichenecker sowie Rosely Schweitzer, der früheren Beiratsvorsitzenden der Oetker-Gruppe, sowie Juliane Vees, Präsidentin des Landfrauenverbands Württemberg-Hohenzollern instruiert.

Auf ein Schattenkabinett will der Spitzenkandidat Wolf übrigens verzichten. Damit, so die inoffizielle Erklärung, laufe er in Gefahr, zu viele Hoffnungen auf ein Regierungsamt nach gewonnener Wahl zu zerstören – und damit die eigene Schlagkraft im Wahlkampf zu schwächen.

12 Kommentare Kommentar schreiben

ich finde das super: da wird bei wolf von marionette, fäden, handpuppe und was weiß ich was gesprochen, weil er berater hat. glaubt irgendeiner, dass die grünen, roten oder sonstigen keine berater haben?

Freie Demokraten braucht das Land: Wer Wirtschaftskompetenz und eine bessere Politik für den Mittelstand und Unternehmengründer/innen bei der CDU vermisst, wird dieses Mal die besser aufgestellte FDP wählen. Seit Grün-Rot in BW regiert, ist die Zahl der Existenzgründer/innen leider zurück gegangen. Das ist eine gefährliche Entwicklung. Auch die fallende Zahl von Patentanmeldungen im Land bereitet Sorge. Abnehmende wirtschaftliche Prosperität in BW schadet vor allem Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden.

Hier sieht der Bürger sehr ansehlich: wie Politik gemacht wird. Der Politiker ist die Handpuppe und der Industrielle der Puppenspieler. Somit ist klar wie ein Politiker beschaffen sein muss....

OMG - da muss die Not aber groß sein!: Das Schaf im Wolfspelz läßt sich seinen Mantel von den "Beratern" zusammen"Schuster"n ............ Diese "Größen", die er da ausgewählt hat, sprechen alle zusammen eine Sprache: Was geht uns der Bürger und seine Bedürfnisse an?! Und wenn der "Wolf im Wolferwartungsland" dann seine "Erwartungen" nicht erfüllt sieht, hat er ja wenigstens auch gleich ein paar, die daran schuld sein werden, wenn er nicht Minischderbräsident geworden ist. Ein Wichtel-Wolf als Ministerpräsident eines Landes - Gott bewahre uns bitte davor!

Eine Sprache - : Es geht nur ums Gewinnen, Inhalte sind dem schwarzen Filz egal.

Keine Verbesserung: Bei den Beratern von Guido Wolf handelt es sich zum Teil um steinreiche, sehr einflussreiche Menschen, die es gut verstehen, ihre Interessen durchzusetzen. Ich kann jedoch nicht erkennen, dass von diesem seither schon ausgeübten Einfluss etwas Positives für Menschen übriggeblieben ist, die sich nicht in solchen gesellschaftlichen Höhen bewegen. Es gibt auch Menschen aus unteren Gesellschaftsschichten, die kompetent sind und aufrichtig dem Gelingen einer demokratischen und rechtsstaatlichen Politik verpflichtet sind. Diese Menschen hat bisher keiner der aussichtsreichen Ministerpräsidentschaftskandidaten in seiner Mannschaft berücksichtigt, auch Guido Wolf nicht. Die genannten Berater haben die Macht und den Zugang zu weiterer Macht, um es besser zu machen. Seither unternahm diese Einflusselite leider nichts, um die Lebensperspektiven von Menschen am unteren Ende der Gesellschaft nachhaltig zu verbessern, die erodierende Mittelschicht wenigstens zu stabilisieren und das Ganze einkommensübergreifend zusammenzuhalten. Ein weiter so wird nicht reichen, um den jetzt schon sichtbaren existenzbedrohenden Herausforderungen für Staat und Gesellschaft zu begegnen.

Chapeau!: Herr Schäfer, ein intelligenter Kommentar!

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