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Cebra im Merlin Stuttgart Quer durch den psychoaktiven Gemüsegarten

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Die Stuttgarter Psychedelic-Band Cebra nimmt im Merlin die Besucher mit auf eine Reise durch schimmernde Klanglandschaften. Selten kann eine Band bei ihrem Livedebüt so überzeugen.

Christoph Szeteli von Cebra singt schönste Falsetttöne in sein viel zu großes Mikro. Weitere Bilder vom Konzert im Merlin Stuttgart zeigt die Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec 5 Bilder
Christoph Szeteli von Cebra singt schönste Falsetttöne in sein viel zu großes Mikro. Weitere Bilder vom Konzert im Merlin Stuttgart zeigt die Fotostrecke. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Schon die auf Soundcloud beziehungsweise Kassette veröffentlichten Aufnahmen der Stuttgarter Band Cebra haben vor ihrem Auftritt im Kulturzentrum Merlin viel erhoffen lassen. Dass es am Donnerstagabend beim Livedebüt der Gruppe im Rahmen des Klinke-Festivals Merlin gleich so gut kommt, hatte man trotzdem kaum zu hoffen gewagt.

Bei dem Psychedelic-Quintett sind keine Anfänger beteiligt. Das hört man vom ersten Ton an. Niko Lazarakopoulos entlockt seinem Schlagzeug maximal warme Töne, die zwar den Beat vorgeben, aber nie knallen und auch nicht knallen sollen. Christoph Szeteli breitet seine Analog-Synthie-Soundteppiche immer im genau richtigen Moment aus und singt darüber schönstdenkbares Falsett in ein beeindruckend großes Mikrofon. Die Saitenfraktion experimentiert sich so lange quer durch den psychoaktiven Gemüsegarten, bis man Töne sehen und Vögel zwitschern hören kann.

Das Gezwitscher ist übrigens keine Illusion, sondern ein fortwährender, aber eben leiser und somit nur zwischen den Songs zu hörender naturalistischer Geräuschestrom. Er passt ganz wunderbar zu dem natürlich mit tonnenweisen Effektgeräten erzeugten, aber letztlich doch ganz organisch klingenden Sound des Stuttgarter Quintetts, der an die Sechzigerjahre anschließt, ohne zu nostalgisch zu werden. Perfekt ausproduziert sind die Songs obendrein.

Cebra sind mittendrin in einer neopsychedelischen Welle, die von Genregrößen wie Tame Impala oder Temples über Vertreter aus dem deutschsprachigen Raum (Klaus Johann Grobe, Oracles) bis hin zu örtlichen Vertretern wie JFR Moon, Tristan Rêverb und Torben Denver reicht. Letztere waren oder sind bald im Merlin zu sehen, Torben Denver etwa beim Klinke-Festival am 25. August. In diesem Umfeld punkten Cebra mit einem extrem dichten und weichen Sound, den man so erwachsen nur selten beim allerersten Auftritt einer Band zu hören bekommt.

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