Champions League Der VfB geht über seine Grenzen hinaus
Thomas Haid, 23.02.2010 15:05 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Völlig ausgepumpt stand Alexander Hleb nach dem Schlusspfiff kurz vor dem eigenen Strafraum. Zum ersten Mal in der Amtszeit des Trainers Christian Gross hatte der Star des VfB Stuttgart 90 Minuten durchspielen dürfen, ausgerechnet gegen den großen FC Barcelona, von dem der Weißrusse ausgeliehen ist. Hleb hatte, wie die Mannschaftskollegen auch, eine ganz starke Partie geboten – und doch wusste er nicht so recht, ob er sich nun freuen oder ärgern sollte.

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Es steht außer Frage, dass das 1:1 (1:0) im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen den Titelverteidiger aus Spanien ein mehr als respektables Ergebnis ist. Und doch wäre sogar eine Sensation drin gewesen an diesem Abend, an dem der aufopferungsvoll kämpfende VfB bis an seine Grenzen ging – und zum Teil auch darüber hinaus. "Ich bin stolz auf jeden Einzelnen. Wir haben vor allem in der ersten Hälfte ein tolles Spiel gemacht", sagte der Stuttgarter Manager Horst Heldt.

Christian Gross hatte seine Elf im Vergleich zum 5:1-Sieg in Köln auf einer Position verändert. Zdravko Kuzmanovic musste zurück auf die Ersatzbank – für ihn rückte wieder Sami Khedira in die Startelf. Dort durfte nach seinen vier Toren in Köln Cacau bleiben, der den Vorzug gegenüber Ciprian Marica erhielt.

Es war die goldrichtige Entscheidung. Cacau machte so entschlossen wie in Köln weiter – und mit ihm auch der Rest der Mannschaft. Wie entfesselt trat der VfB im ersten Abschnitt auf und stürzte den großen Gegner von einer Verlegenheit in die nächste. Die richtige Mischung aus Leidenschaft und kühlem Kopf hatte Gross vor dem Anpfiff gefordert – und konnte beeindruckt zuschauen, wie seine Elf all das umsetzte, was der Trainer von ihr gefordert hatte.

Von der ersten Minute an zeigte der VfB keinerlei Respekt und eine hohe Laufbereitschaft, er ging keinem Zweikampf aus dem Weg und kaufte den Spaniern frühzeitig den Schneid ab. Ihre Angriffe trugen die Stuttgarter in der Anfangsphase vor allem über links vor, wo sich Cristian Molinaro immer wieder mutig ins Angriffsspiel einschaltete. Erst traf nach einem Pass des Italieners in der Mitte Cacau den Ball nicht richtig (13.), dann blockte der Barça-Verteidiger Rafael Marquez eine scharfe Hereingabe Molinaros gerade noch ab (21.).

Die hochverdiente Führung für den VfB hatte dann jedoch zur Abwechslung auf der rechten Angriffsseite ihren Ursprung. Von dort flankte Timo Gebhart den Ball auf den langen Pfosten, wo Carles Puyol schlecht postiert war und Cacau einköpfte (25.). Es war die beste Phase der Stuttgarter, die sich nun eine Reihe guter Chancen herausspielten. Immer wieder stand Cacau im Mittelpunkt: Nach einem Querpass des Angreifers im Strafraum wurde Sami Khedira im letzten Moment abgedrängt (31.). Zwei Minuten später machte es Cacau selbst und scheiterte an Torhüter Victor Valdes.

"Den einzigen Vorwurf, den man der Mannschaft machen kann, ist der, dass sie nicht das zweite Tor nachgelegt hat", sagte zur Pause der VfB-Manager Horst Heldt, dessen Team zudem Pech hatte, dass der Schiedsrichter in zwei Szenen nicht auf Strafstoß entschied. Beide Male war Marquez beteiligt, dem zunächst der Ball an den Arm sprang und der danach etwas ungestüm Timo Gebhart umrannte. Glück hatte der VfB auf der anderen Seite, als Jens Lehmann einen 20-Meter-Schuss von Lionel Messi kurz vor der Halbzeit an den Pfosten lenkte.

Angetrieben von dem erneut starken Christian Träsch spielte der VfB auch zu Beginn der zweiten Hälfte entschlossen weiter. Eine einzige Unachtsamkeit brachte die Elf dann allerdings um ihren Lohn: Serdar Tasci verlor im Strafraum ein Kopfballduell gegen den aufgerückten Gerard Piqué – Zlatan Ibrahimovic stand plötzlich frei und traf im zweiten Anlauf zum schmeichelhaften Ausgleich (51.).

Erst jetzt zeigte Barcelona, zumindest im Ansatz, jene Dominanz, die alle von beginn an erwartet hatten. Dennoch blieb der VfB, der nun für das hohe Tempo in der ersten Hälfte etwas Tribut zollen musste, gefährlich. Khedira verzog nur knapp (63.); der eingewechselte Marica scheiterte nach einem Abpraller an Valdez (73.). Am Ende blieb es beim 1:1. Die Ausgangsposition für das Rückspiel am 17.März könnte zwar besser sein. Fest steht aber auch, dass sich der VfB nichts vorzuwerfen und mehr geboten hat, als ihm die meisten zugetraut haben.

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VfB Stuttgart:
Lehmann - Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro - Träsch (58. Kuzmanovic), Khedira - Gebhart (84. Rudy), Hleb - Pogrebnjak (64. Marica), Cacau

FC Barcelona:
Valdés - Puyol, Márquez (58. Milito), Piqué, Maxwell - Busquets, Touré (54. Henry), Xavi - Messi, Ibrahimovic, Iniesta Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

Zuschauer:
39.000 (ausverkauft)

Tore:
1:0 Cacau (25.), 1:1 Ibrahimovic (52.)

Gelbe Karten:
Gebhart, Khedira, Molinaro / Márquez, Piqué

Beste Spieler:
Pogrebnjak, Cacau, Molinaro / Xavi, Piqué
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