""Vor dem Spiel
lagen die Chancen aufs Weiterkommen bei 10:90 – jetzt bei 20:80."
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Alexander Hleb über die Aussichten für das Rückspiel
Stuttgart - Wie gut, dass Erwin Staudt ein Mensch ist, der ein Auge fürs Detail besitzt. Also hat der VfB-Chef seinen "alten Freund Joan", den Barça-Präsidenten Joan Laporta, wie den Sportdirektor Trixi Beguiristain samt Führungsstab auf dem offiziellen Bankett mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt. "Aber richtig Eindruck", erzählte Erwin Staudt von dem Treffen, "haben wir mit den Menükarten gemacht: Die waren auf Katalanisch - und nicht auf Spanisch.
"Es spricht für die sportliche Entwicklung des Vereins für Bewegungsspiele, dass die Stuttgarter beim Rendezvous mit dem FC Barcelona, dem aktuell besten Club der Welt, letztlich nicht nur bei Tisch, sondern auch auf dem Fußballplatz zu gefallen wussten. War Barça im Oktober 2007 beim letzten Gastspiel in der Königsklasse noch zu einem soliden 2:0 gekommen, mussten sich die Stars diesmal in Stuttgart mit einem 1:1 begnügen. Und wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass mit etwas Glück sogar mehr als das Remis drin gewesen wäre.
Wenige Teams punkten gegen Barcelona
"Es hat doch vor der Partie kaum einer erwartet, dass wir im zweiten Spiel noch eine Chance auf das Weiterkommen haben", sagte der VfB-Innenverteidiger Serdar Tasci, der wie die Kollegen zu Recht stolz auf das Geleistete sein durfte. Schließlich war das 1:1 gegen den spanischen Meister und Pokalsieger nach Toren von Cacau (25.) und Zlatan Ibrahimovic (52.) zwar einerseits dem über weite Strecken müden und uninspirierten Auftritt der Barça-Stars geschuldet - doch es war auch das Ergebnis einer ganz starken VfB-Leistung.
"Es gibt nicht viele Teams, die gegen Barcelona punkten", sagte daher der zufriedene VfB-Coach Christian Gross - und sein Barça-Trainerkollege Josep Guardiola gab dem Schweizer Recht: "Der VfB besitzt eine Mannschaft, die uns das Leben sehr schwer gemacht hat. Deshalb sind bei uns einige Dinge nicht gut gelaufen - und somit ist für die Stuttgarter im Rückspiel am 17. März noch alles drin."
Es ist allerdings längst erwiesen, dass "Pep" Guardiola, der 39 Jahre junge Erfolgscoach, ein höflicher Mensch ist - und er deshalb dem VfB Möglichkeiten für das Erreichen des Viertelfinales einräumt. Doch in Wahrheit rechnet keiner bei Barça ernsthaft mit einem Scheitern. Obwohl die sonst so imposante Heimbilanz im 98.787 Besucher fassenden Camp Nou bereits in der Vorrunde dieser Champions-League-Runde eine Schramme abbekommen hatte, als man gegen den russischen Meister Rubin Kazan mit 1:2 verlor.
Der VfB will das Unmögliche versuchen
Also geben sich Teile der VfB-Belegschaft durchaus selbstbewusst: "Die großen Namen in Ehren, aber wir wollen weiterkommen", sagte der erneut emsige und zweikampfstarke Christian Träsch, während Sami Khedira, Träschs ebenfalls glänzend aufspielender Nebenmann im defensiven Mittelfeld, ergänzte: "Wir wollen im Rückspiel kein Sparringspartner sein."
Ist in drei Wochen also nur ein mittleres Wunder nötig, um beim ruhmreichen FCB zu bestehen? Ein Tor, soviel ist bereits klar, wird der VfB schießen müssen, will er die Sensation, den Einzug in die Runde der besten acht Teams in Europa, tatsächlich schaffen. "Wir versuchen das Unmögliche", gibt der VfB-Trainer bereits die Richtung vor, obwohl diverse Fakten trotz des "engagierten, energischen und kraftvollen Auftritts meiner Mannschaft" (Christian Gross) nach wie vor für den haushohen Favoriten sprechen. So kam Barça im Hinspiel auf 70 Prozent Ballbesitz, was dem VfB einen sehr laufintensiven Auftritt abverlangte.
Die Chancen aufs Weiterkommen liegen bei 20:80
Es kommt dem Titelverteidiger der Champions League also gelegen, dass das Spielfeld im Camp Nou mit 68 Meter Breite und 105 Meter Länge die maximal erlaubten Ausmaße besitzt. "Zu Hause hat Barça den nötigen Platz zum Kombinieren. Da wird es ganz schwer für uns", sagte Alexander Hleb, der erstmals unter Christian Gross die kompletten 90 Minuten auf dem Feld stand - und ein gutes Spiel machte.
Doch der Weißrusse blieb skeptisch: "Vor dem Spiel lagen unsere Chancen aufs Weiterkommen bei 10:90 - jetzt bei 20:80", sagte der 28-Jährige, während Jens Lehmann die vergebene Siegchance wurmte: "Durch das Gegentor sind unsere Aussichten für das Rückspiel um einiges schlechter geworden." Christian Gross, der im Vorjahr mit dem FC Basel in Barcelona 1:1 spielte, will aber nicht vorzeitig aufgeben: "Barça ist keine Mannschaft, die auf ein 0:0 spielt. Vielleicht liegt darin unsere große Chance."