Krimikolumne

Charles Willeford: „Hahnenkämpfer“ Hart, härter, Hahnenkampf

Von  

Charles Willeford (1919 – 1988) gehört zu den ganz großen Erzählern Amerikas. Mit „Hahnenkämpfer“ entführt er seine Leser in eine Welt, die zumindest vielen Mitteleuropäern komplett fremd sein dürfte. Und in der es nicht eben kuschlig zugeht.

Der Alexander Verlag setzt seine verdienstvolle Willeford-Reihe fort und hat dem „Hahnenkämpfer“ sogar ein Hardcover spendiert. Foto: Hans Jörg Wangner
Der Alexander Verlag setzt seine verdienstvolle Willeford-Reihe fort und hat dem „Hahnenkämpfer“ sogar ein Hardcover spendiert. Foto: Hans Jörg Wangner

Stuttgart - Der durchschnittliche mitteleuropäische Flexitarier stellt sich unter dem amerikanischen Hahnenkampf wahrscheinlich eine ziemlich grausame Sache vor. Doch solches Meinen irrt: in dieser Männerwelt rund um die Pit genannte Arena geht es noch sehr viel härter und sehr viel übler zu als es die meisten von uns annehmen dürften – drastisch aufgezeigt von Charles Willeford in seinem 1962 erschienen Roman „Hahnenkämpfer“.

Willeford erzählt von dem Anfangsdreißiger Frank Mansfield, der nur ein Ziel hat: er will den Titel „Hahnenkämpfer des Jahres“ erringen. Er ist zwar völlig pleite und einen Gockel hat er auch nicht mehr, aber das ist ihm egal. Stur wie ein Esel geht er seinen Weg, setzt wegen des Geldes seinen Bruder juristisch unter Druck (der daraufhin die elterliche Farm verkaufen muss), kauft völlig überteuert einen potenziellen Champion und arbeitet sich so langsam aber stetig an den großen Tag heran.

Stumme Hauptperson

Mansfield hat sich geschworen, erst dann wieder ein Wort zu sprechen, wenn er den begehrten Titel hat – seine Umwelt hat keine Ahnung davon, dass seine Stummheit weder medizinische noch psychische Gründe hat. Auch seine Langzeitverlobte, die ihn liebt und die er höchstens ab und an auf ein Schäferstündchen besucht, ist ahnungslos.

Schon einmal – im dritten Hoke-Moseley-Fall „Seitenhieb“ – hat Willeford das Motiv des Schweigers verwendet. Diesmal treibt er es auf die Spitze. Erst ganz am Ende macht Mansfield den Mund auf. Doch da hat der Leser schon längst kapiert, was für ein egoistisches, manipulatives, brutales Arschloch dieser Mann ist. In seiner Hybris meint er allen Ernstes, dass es genüge, einen Hahnenkampf miterlebt zu haben, um diesem in seinen Augen so sauberen Sport zu verfallen.

Eleganter Südstaatensound

Es ist eine komplett fremde Lebenswelt, in die Charles Willeford mit elegantem Südstaatensound seine Leser entführt. Er beherrscht die Kunst, seine Leser wie absichtslos durch eine Geschichte zu führen, die immer wieder überraschende Wendungen parat hat. Weil er das so meisterhaft kann, hat der Alexander Verlag sich nicht lumpen lassen und auf der optischen Basis der bisherigen Willeford-Reihe „Hahnkämpfer“ als Hardcover herausgebracht. Bravo!

Charles Willeford: Hahnenkämpfer (Cockfighter). Roman. Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt, bearbeitet von Jochen Stremmel; im Anhang: Charles Willefords »Cockfighter-Tagebuch« in deutscher Erstübersetzung von Jochen Stremmel, mit einem Vorwort von James Lee Burke, 430 Seiten, Fadenheftung, Hardcover, Alexander Verlag Berlin, 22,90 Euro