Charta für Sterbende und Schwerstkranke Neue Impulse für Hospizarbeit

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Die Sterbebegleitung wurde ausgebaut und demnächst will auch der Kreis Ludwigsburg die Charta zur Betreuung Sterbender unterzeichnen. Weiterhin aber fehlen Antworten auf Fragen der Ethik.

Viele Schwerstkranke sind am Ende allein: etwa zehn Prozent  sterben  in einem Hospiz. Foto: dpa
Viele Schwerstkranke sind am Ende allein: etwa zehn Prozent sterben in einem Hospiz.Foto: dpa

Ludwigsburg - Was fehle, seien ethische Entscheidungen, sagt Sabine Horn. Die Charta zur Betreuung sterbender und schwerstkranker Menschen liege vor, aber ihre Leitsätze seien noch lange nicht überall an der Basis angekommen. Die Leiterin der Geschäftsstelle Ökumenische Hospizinitiative des Landkreises hat die Charta und die Arbeit der Palliativgruppen im Ludwigsburger Gemeinderat vorgestellt. Die Stadträte versprachen, neue Impulse in der Sterbebegleitung zu setzen.

„Manchmal fehlt es an Ideen“

„Etwa zehn Prozent der Sterbenden im Kreis Ludwigsburg sind so schwer krank, dass sie eine spezialisierte Versorgung bekommen“, sagt Horn. Sprich: sie werden in den Hospizen aufgenommen. „Aber was ist mit den übrigen 90 Prozent? Sterben sie gut begleitet?“ Bis zu 40 Prozent sterben in Alten- und Pflegheimen. Manche dieser Häuser seien ihr bekannt, dort werde ihr Team auch regelmäßig angefragt, sagt die Krankenschwester und Sterbebegleiterin. „Aber es gibt auch hier Einrichtungen, da möchte ich nicht hin und da möchte ich auch keine Angehörigen abgeben. Dahin habe ich nie einen Fuß gesetzt, weil wir nie dorthin gerufen werden“, sagt Horn. Die Zustände in diesen Häusern aufzuklären und wenn nötig zu verbessern, sei eine der größten Herausforderungen im Bereich der Hospizarbeit: „Nicht dass man uns immer braucht, aber wir gehören dazu.“

Nicht immer fehle das Geld: „Manchmal fehlt es an Ideen, Fantasie oder Menschlichkeit“, sagt Horn. Darum warb sie für die Gründung von Arbeitskreisen oder eines Runden Tisches. Immer wieder gelte es, Antworten auf die zentralen Fragen zu finden: „Wie kommt die Theorie zur Praxis und wie die Praxis zur Theorie?“

Noch immer gebe es eine Stigmatisierung des Todes, sagte der CDU-Stadtrat Claus-Dieter Meyer. „Aber der Umgang mit dem Tod ist auch wichtig für das soziale Gesicht einer Stadt.“ Dazu gehöre auch, dass man sich entscheide, ob und in welcher Form das Thema bereits in den Schulen aufgegriffen werden soll, meint Horn. „So gut wie alle Kinder haben bereits irgendwelche Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Aber wenn die Erwachsenen dazu schweigen, entwickeln sie eigene Fantasien und Ängste.“ Stattdessen sollte man schon den Kindern erklären, dass Trauer und Traurigkeit zum Leben gehören.

Pädiatrisches Team in Stuttgart

Andererseits gehe es oft gerade auch um die Versorgung von schwerstkranken Kindern. „Dafür gibt es jetzt pädiatrische Teams“, sagt Horn. Aber diesen Hospizdienst gebe es bisher nur in Stuttgart, am Olgäle. „Der Kreis und die Stadt Ludwigsburg werden nur mitversorgt. Wir haben nicht die Leute, um auch damit starten zu können. Die Qualifikationen dafür sind unendlich hoch angesetzt worden.“

Die Gesellschaft müsse dem Anspruch der Sterbebegleitung gerecht werden, meinte Eberhard Daferner (SPD). „Es geschieht schon einiges, aber es wird nicht reichen.“ Nicht zuletzt seien ethische Fragen noch zu wenig diskutiert worden. Bisher gebe es lediglich im Klinikum ein ethisches Konsilteam, sagte Horn. Es sei indes nötig, dass auch Gruppen, die ambulant tätig sind, zum Beispiel hinterfragten, in welchem Fall Therapien sinnvoll sind. „Die Medizin hat Fortschritte gemacht, damit aber ist für viele auch das Sterben länger geworden“, sagt die Hospizmitarbeiterin.

Voraussichtlich Ende April soll die Charta zur Betreuung Sterbender im Landkreis unterschrieben werden.

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