Checkliste für Eltern Wann ist ein Kind ein Gymnasialkind?

Von Inge Jacobs 

Seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung entscheiden Eltern auf welcher weiterführenden Schule das Kind angemeldet werden soll. Der direkte Weg zum Abitur setzt klar benennbare Anforderungen voraus.

Die verbindliche Grundschulempfehlung gibt es nicht mehr. Jetzt können Eltern selbst entscheiden, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll. Foto: dpa
Die verbindliche Grundschulempfehlung gibt es nicht mehr. Jetzt können Eltern selbst entscheiden, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll.Foto: dpa

Stuttgart - Seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung kommt den Eltern eine besondere Rolle bei der Wahl der weiterführenden Schule zu: Sie entscheiden, wo das Kind angemeldet werden soll. Der Trend geht klar in Richtung Gymnasium. Inzwischen besucht mehr als die Hälfte eines Jahrgangs diese Schulart. Aber nicht alle Schüler kommen dort klar, wie Pädagogen immer wieder feststellen. Doch woran können Eltern frühzeitig erkennen, ob das Gymnasium die passende Schulart ist?

Das Hegel-Gymnasium hat hierfür einen Fragebogen entwickelt, der unter dem Stichwort „Hinweise für Eltern von Grundschülern“ auf der Homepage abgerufen werden kann (www.hgs.s.bw.schule.de). Mit diesem Instrument können die Eltern selbst ermitteln, ob ihr Kind fürs Gymnasium geeignet ist oder nicht. „Ich lege den Eltern nahe, diesen Fragebogen einfach mit dem Kind durchzugehen“, sagt Schulleiterin Barbara Graf.

„Wir fragen nicht: Habt ihr eine Zwei oder Drei in Mathe? Wir sagen nur: Wer aufs Gymnasium geht, muss die Bereitschaft, aber auch die Fähigkeit mitbringen, sich auf ein interessantes Thema länger als eine Viertelstunde zu konzentrieren“, sagt Graf. Ein weiteres Merkmal sei: „Das Kind sollte auch schon in der Grundschule in der Lage gewesen sein, relativ selbstständig seine Hausaufgaben zu machen.“ Und noch etwas sei wichtig: „Es geht uns um sehr neugierige Kinder, die, wenn sie etwas wissen wollen, nicht nach einem Satz mit der Erklärung zufrieden sind.“

Das Kind soll den Eltern die Unterrichtsinhalte erzählen

Neben der Neugier sei auch ein gewisses Selbstvertrauen vonnöten, um im Gymnasium bestehen zu können, meint Graf. So sollten Eltern sich fragen: „Vertraut das Kind seiner eigenen Leistungsfähigkeit? Traut es sich zu, neue Dinge zu lernen?“ Nur dann, so die Schulleiterin, sei das Kind auch mutig und offen gegenüber Neuem.

„Es geht auch um eine Zähigkeit, eine innere Energie: Ich will das“, betont Graf – „ob das Einradfahren, Chinesischlernen oder das Beherrschen eines Musikinstruments ist, ist sekundär.“ Zu hinterfragen sei auch, ob die Erfolge der Kinder in der Grundschule aus eigenem Tun heraus entstanden seien oder aufgrund eines langjährigen Nachhilfetrainings. „Auf Kinder, die seit der zweiten Klasse Nachhilfeunterricht bekommen, können wir verzichten“, sagt die Geschäftsführende Schulleiterin der Stuttgarter Gymnasien – auch wenn das hart klingt. Doch sie denke dabei auch an das betroffene Kind: „Für das wäre weniger Druck wünschenswert.“

Dass Eltern ihr Kind begleiten, dürfe nicht darin bestehen, neben dem Kind zu sitzen, wenn es die Hausaufgaben mache. Sie empfehle stattdessen: „Lassen Sie sich vom Kind die Inhalte des Unterrichts erzählen.“

  Artikel teilen
4 KommentareKommentar schreiben

Erweiterung des Fragebogens: Nach dem Vorschlag der Redakteurin müsste der Hälfte der Kinder, die bislang eine Gymnasialempfehlung erhalten haben, Abstand vom Gedanken ans Gymnasium nehmen. 'Kann mein Kind zuhören? Ist es willens und in der Lage, sich an Regeln zu halten? Ruft es ständig dazwischen, oder kann es Lehrer und Mitschüler ausreden lassen?' Sinnvoller erscheint mir hier die Erweiterung des Fragebogens um folgende Frage: 'Können Sie als Eltern akzeptieren, dass es am Gymnasium feststehende Regeln gibt, Klassenarbeitstermine eingehalten werden müssen und ihr Kind lernen muss, nicht Sie?'

Link: Leider hat das Hegel-Gymnasium technische Probleme, die dazu führen, dass der im Text angegebene Link ins Leere führt. Nach Aussage des Gymnasiums soll die Homepage Mitte dieser Woche aber wieder erreichbar sein. Wir bitten das zu entschuldigen!

Vielleicht sollte man ...: ... auch einfach auf die Empfehlung der Grundschule hören. Die gibt es nämlich immer noch, nur eben unverbindlich.

Link funktioniert nicht: Schade, daß der im Text angegebene Link http://www.hgs.s.bw.schule.de/hegel/index.php nicht funktioniert!

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.