Stuttgart - Die beiden großen christlichen Kirchen verlieren seit Jahrzehnten beständig ihre Mitglieder. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Neu ist aber der Ansatz der katholischen Kirche in Stuttgart, den Mitgliederschwund von Statistikern bis hinunter zur kleinsten Gemeinde analysieren zu lassen. Die katholische Kirche hat das statistische Amt der Stadt Stuttgart dafür bezahlt, genauer hinzuschauen und systematisch die wichtigsten Daten zur Entwicklung jeder der 46 Stuttgarter Gemeinden zusammenzutragen. Hintergrund ist der Neuerungsprozess, der im vergangenen Herbst unter dem Titel „Projekt Aufbrechen“ begonnen hat und der zu einem Umbau der katholischen Kirche in Stuttgart führen soll. Oder wie der Stadtdekan Christian Hermes es formuliert: „Wir müssen dringend gegensteuern. Der Instandsetzungsbedarf unserer Immobilien übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten bei weitem.“ Dabei gehe es aber keineswegs nur darum zu konsolidieren, sondern auch zu ergründen, welchen Auftrag die Kirche eigentlich noch habe.
Fast 50 Prozent der Stuttgarter sind Nicht-Christen
Beim Umbau helfen sollen die Daten der Statistiker, deren grundlegendste Feststellung lautet: „Wir sind kurz vor einem Wendepunkt. Schon bald gehört die Hälfte aller Stuttgarter keiner der beiden Volkskirchen mehr an“, stellt Ansgar Schmitz-Veltin fest. Die Zuwanderung hat dazu geführt, das inzwischen 47,7 Prozent der Stuttgarter einer nicht-christlichen oder keiner Religion mehr zuzurechnen sind. Wie grundlegend der Wandel ist, zeigt ein Blick in das Jahr 1975, als Stuttgart noch guten Gewissens als evangelische Stadt bezeichnet werden konnte. Damals gehörte noch fast jeder zweite Einwohner der evangelischen Kirche (48,7 Prozent) an, ein Drittel war katholisch (32,5 Prozent) und nur jeder fünfte Stuttgarter war einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft zuzurechnen. Die Prognose der Statistiker ist eindeutig: „Der Schrumpfungsprozess setzt sich fort“, so der Leiter des statistischen Amtes Thomas Schwarz .
Was die Kirchen besonders schmerzt, ist die Entwicklung bei den Kindern und Jugendlichen. Betrachtet man nur die 31.400 unter Sechsjährigen, die derzeit in Stuttgart leben, dann ist das Ergebnis aus Sicht der Kirchen ernüchternd: von diesen sind noch 13 Prozent katholisch und 15 Prozent evangelisch. Einen Mitgliederschwund verzeichnen die beiden Kirchen auch in der Altersgruppe der 30 bis 45-Jährigen, dort ist die Austrittswahrscheinlichkeit am höchsten, wie Ansgar Schmitz-Veltin sagt. „Mit dem Eintritt ins Berufsleben, wenn auf dem ersten Lohnzettel die Kirchensteuer abgezogen wird, entscheiden sich viele zum Austritt.“
Evangelische Kirche mit noch mehr Austritten konfrontiert
Trotzdem kommt die katholische Kirche bei den Austritten besser weg als ihre Schwesterkirche: Sie hat in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt jedes Jahr rund ein Prozent ihrer Mitglieder verloren, bei der evangelischen Kirche waren es um die 1,5 Prozent jährlich. Der Grund dafür ist bei den vielen katholischen Zuwanderern etwa aus Kroatien, Polen und Italien zu suchen: 43 Prozent der Stuttgarter Katholiken sind Migranten und deren Kirchenbindung ist sehr viel stärker als die der Einheimischen.
Für beide Kirchen gilt: In den Jahren, in denen Steuern erhöht wurden, traten mehr Menschen aus, etwa Anfang der 1990er Jahre, als der Solidaritätsbeitrag eingeführt und 2009 als die Kapitalertragssteuer reformiert wurden. Ein schlechtes Jahr für die katholische Kirche war zudem 2010, als zahlreiche Missbrauchsfälle die Öffentlichkeit erschütterten und viele zum Austritt bewegten.
Ursachensuche in die Wege geleitet
Von dem Mitgliederrückgang sind die katholischen Gemeinden in Stuttgart unterschiedlich stark betroffen: Während beispielsweise die Büsnauer Gemeinde und St. Laurentius in Freiberg in den vergangenen 20 Jahren fast 30 Prozent ihrer Mitglieder verloren haben, sind Gemeinden wie Maximilian Kolbe in Vaihingen oder St. Peter in Bad Cannstatt gewachsen. Die Ursachen zu ergründen, wird in den nächsten Monaten Sache der Gemeinden sein, denen auch schmerzhafte Entscheidungen bevorstehen und die alle bis Sommer aufgefordert sind, „Inventur zu machen“.
Parallel zur statistischen Erhebung hat die katholische Kirche auch ein Immobiliengutachten in Auftrag gegeben, das Aufschluss über den Sanierungsbedarf geben soll. Schon jetzt ist für Stadtdekan Hermes klar, dass sich die katholische Kirche von einer Reihe von Gebäuden trennen muss. „Wir müssen uns auch von der Idee lösen, dass jede Gemeinde alles machen kann.“


23 Mal Stuttgart – wir stellen Ihnen alle 23 Stadtbezirke vor >>



zugehörigkeit
nach dem die kirchen in deutschland seit eh und je staatstragende organisationen sind, mit unrühmlichen zeiten im 12 jährigen 1000jährigen reich, zölibat und sexueller mißbrauch in widerspruch stehen, in zeiten von aids kondome verboten werden, ist das mit der glaubwürdigkeit so eine sache. daß kirchen immer noch ein staat im staate sind, ohne absicherung für diakonissen, pater..., wenn sie die kirche verlassen. es sind zu viele dinge, die nicht mehr zeitgemäß sind, die nur noch auf machterhalt ausgerichtet sind. es ist wie in der ddr, der letzte macht das licht aus. eigentlich schade, denn das christliche grundgesetz (die 10 gebote), so schlecht haben sie das zusammenleben nicht geregelt.
Selbstherrliche Vergeistigte
Rottenbourg pflegte noch nicht mal eine Antwort, geschweige denn eine Entschuldigung für das Versagen einer Antwort auf kritische schriftliche Fragen seiner gläubigen Mitglieder zu schreiben. Man war sich wohl zu fein, zu gewiss, zu allmächtig? Im Nachklang weiß ich nun, wie recht wir als Junge Katholische Generation doch hatten, an diesem elitären Kirchenapparat zu zweifeln. Unnahbar und unerbittlich waren diese Herrschaften - abgehoben und arrogant hat man sie erlebt - aus der Ferne. Wie weit wollen die sich denn noch auf dem institutionell eingeschworenen Weg von dem ursprünglichen einfachen Wort des Herzens entfernen? Die Rede von Umkehr? ... ist in diesen Kreisen längst zu einer selbstgefällgen Floskel geworden, den Schäfchen zwar sonntäglich ins Gewissen geträufelt aber sich selbt diesem kritischen Gedanken verweigert. Wer seinen Ast ganz ganz oben gewählt hat, wird am wenigsten daran sägen wollen. Ich aber musste auf dem Boden zu stehen kommen, auf eigenen Beinen und nun schaue staunend nach oben, wo die Wipfel bedenklich schwanken. Sie wissen es noch nicht.
Ethik Unterricht in Grundschulen
Mich verwundert das es bis heute noch kein Konzept für eine Einführung eines Ethik Unterrichts in den Grundschulen vorliegt. Wenn ich mir die Zahlen der jungen Stuttgarter unter 6 Jahrenn ansehe, wird für 72% der kommenden Grundschüler kein akzeptabler Unterricht angeboten. Umkgekehrt wird für 13% der Schüler ein katholischer Religionsunterricht gehalten in einer Klasse mit 25 Schülern entspricht das nicht einmal 4 Schüler. Während gleichzeitig 18 Schüler eine Freistunde haben. Das Land muss endlich damit beginnen das Fach Reilgion, in ein Fach Ethik umzuwandeln in dem endlich alle Kinder egal welcher Religion und Weltanschauung Sie in Bezug und Hummanistische Werte, Tolereanz und Religionswissen unterrichtet werden können.