
Tränen in den Augen, "Time to say goodbye" in den Ohren - der Ausstand von Christoph Schupp am Sonntag erinnerte zumindest ein wenig an den Abschied des Profiboxers Henry Maske anno 1996, dem das Lied von Sarah Brightman und Andrea Bocelli gewidmet war. Sein Trainingspartner Tobias Dahm hatte organisiert, dass für den Boxfan aus Schmiden nach dessen letztem großen Auftritt als Kugelstoßer bei den süddeutschen Meisterschaften im Sindelfinger Glaspalast das Musikstück lief. "Da musste ich schon kurz heulen - es war schon ein harter Moment", sagt der 21-Jährige vom VfB Stuttgart, der mit seinem sechsten Platz bei den Titelkämpfen (15,59 Meter) seine Bemühungen in der Leichtathletik aufgegeben hat.
Die Entscheidung zu dem Einschnitt ist im vergangenen Jahr in Christoph Schupp gereift. Im Wintertraining hatte er so hart wie nie geschuftet, dann aber so wenig Erfolg wie selten gehabt. Er blieb weit hinter den Erwartungen zurück, trotz aller Anstrengungen. "Bis vor einem Jahr hätte ich mir nie vorstellen können, mal so frühzeitig aufzuhören", sagt der Schmidener, der in Fellbach eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann macht. "Wenn man jedoch alles gibt und es kommt nichts dabei raus, ist das ein Motivationskiller." Ratlosigkeit machte sich bei ihm breit. "Irgendwann sieht man dann ein, dass es nichts mehr wird", sagt der 21-Jährige. "Ich habe ja trainiert wie ein Ochse und mit Geschäft sowie Training einen 13-Stunden-Tag gehabt - ich tue mir das jetzt nicht mehr an."
Beim TSV Schmiden hat Christoph Schupp einst mit Leichtathletik begonnen: "Der Trainer Günter Hartmann hat zu mir gesagt: Du machst Kugel - dabei wollte ich das anfangs gar nicht." Es war aber nicht die schlechteste Entscheidung. Im Trikot der LG Rems-Murr brach der Schmidener als B-Jugendlicher mit 19,46 Meter den württembergischen Rekord. Als A-Jugendlicher wurde er bei den deutschen Meisterschaften Vierter und verpasste nur um einen Zentimeter die Teilnahme an den U-20-Europameisterschaften. "Das war das bitterste Erlebnis", sagt Christoph Schupp. Ein weiterer Höhepunkt war dagegen sein Start bei den deutschen Meisterschaften der Männer vorvergangenes Jahr in Braunschweig, wo er vor 18 000 Zuschauern gegen den späteren Weltmeister David Storl und andere Größen des Kugelstoßens wie Ralf Bartels antrat.
"Es war eine tolle Zeit, aber jetzt ist gut", sagt Christoph Schupp. Eine Rückkehr schließt er aus: "Es ist gut, so wie es ist, jetzt Zeit für andere Dinge zu haben." Dabei denkt er an seine Ausbildung ebenso wie an eine neue Sportart. Der 21-Jährige trainiert schon seit einiger Zeit bei den Handballern des TSV Schmiden III (Kreisliga A) mit, für die einige seiner Kumpels wie Kai-Uwe Schenk spielen. Diese Bemühungen will er intensivieren. "Das ist mal was anderes, bei dem man sich richtig bewegt, da habe ich richtig Lust drauf", sagt Christoph Schupp. "Mein Spielerpass ist schon da."


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