Christustag in Stuttgart 21 000 Gläubige feiern in der Mercedes-Benz-Arena

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Am Donnerstag kamen rund 21 000 Gläubige zentral in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena zusammen, um einen Gottesdienst zu feiern und sich mit Kirchenerneuerung und Reformation zu befassen.

Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July wendet sich mit einer Videobotschaft an die Gläubigen in der Mercedes-Benz-Arena


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Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July wendet sich mit einer Videobotschaft an die Gläubigen in der Mercedes-Benz-Arena . Weitere Bilder der Veranstaltung sehen Sie in unserer Fotostrecke. Foto: factum/Granville

Stuttgart - Üblicherweise wird der Christustag an 20 ­Orten in Süddeutschland von etwa 11 000 Menschen begangen. Am Donnerstag kamen jedoch rund 21 000 Gläubige zentral in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena zusammen, um einen Gottesdienst zu feiern und sich mit der Reformation zu befassen.

„Wir feiern diesen Tag immer am ­katholischen Feiertag Fronleichnam“, sagt Ralf Albrecht. Der Dekan von ­Nagold ist Vorsitzender des Mitveranstalters Christusbewegung und des Lenkungskreises, der den Christustag organisiert hat. „Weil es ein katholischer und kein evangelischer Feiertag ist, müssen wir die Menschen nicht aus ihren Gemeinden herausholen.“

Nach 1989 findet der Christustag erstmals wieder im Stuttgarter Stadion statt. Auf der Mercedesstraße und rund um die Arena haben etwa 130 Organisationen Stände aufgebaut – darunter die Südslawische Christliche Mission, Global Volunteer Services, Christen bei der Bahn sowie ­etliche evangelische Zeitschriften.

Der Effekt der Massenveranstaltung

Gegen 10 Uhr, kurz vor Beginn des eigentlichen Gottesdienstes, sind die Haupttribüne, der Innenraum sowie die Cannstatter und die Untertürkheimer Kurve gut gefüllt. Den ­Effekt einer solchen Massenveranstaltung erklärt Albrecht so: „Die Leute gehen raus und sagen: ,Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viele sind.‘“ Ab und an brauche es ein großes Zeichen in Richtung ­Öffentlichkeit, so der Dekan. Albrecht betrachtet den Christustag nicht wie häufig gemutmaßt als Vorbereitung auf den noch wesentlich größeren Kirchentag in Stuttgart im kommenden Jahr. „Erst 2017 feiern wir 500 Jahre Reformation“, sagt der Mitorganisator, „jedes Jahr bis dahin ist eine Art Vorstufe.“

Noch vor Beginn der Veranstaltung sind aus dem Stadion Posaunen zu hören. In der Cannstatter Kurve sitzt ein Bläserchor, bestehend aus 600 Musikern. Etwa 30 Meter vor dem imposanten Orchester, das sich über drei Sitzblöcke verteilt, befindet sich das Podium von Hans-Ulrich Nonnenmann. Er ist Kirchenmusikdirektor und Landesposaunenwart. „Wir haben vor ein paar Wochen gefragt, wer an diesem Tag mitspielen will. Das ist das Ergebnis“, sagt der Dirigent stolz. Die Klänge am Morgen waren die einstündige und einzige Probe des für diesen Tag gebildeten Ensembles.

Konflikt am Kirchentag 1969

Als prominente Redner sind unter anderem die ehemalige evangelische Bischöfin Margot Käßmann und Volker Kauder, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, nach Stuttgart gekommen. „Auch wenn du deinen Arbeitsplatz verlierst, auch wenn du krank bist und nicht so schön wie die Models auf dem Laufsteg: dein Leben ergibt Sinn, weil Gott dir Lebenssinn zusagt“, so Käßmann. Kauder sagte: „Die Verfolgung von Christen hat weltweit dramatisch zugenommen. Religionsfreiheit bleibt daher ein wichtiges Thema.“

Seit mehr als 50 Jahren laden evangelische Gruppen im Südwesten an Fronleichnam zu eigenen Festen ein. Eine besondere Rolle erhielt der Christustag nach dem Kirchentag 1969 in Stuttgart, an dem die Konflikte zwischen den fortschrittlichen und den konservativen Lagern der Protestanten mit Macht ausbrachen. Weil streng bibeltreue und evangelikale Gruppen ihr Glaubensverständnis beim Kirchentag nicht mehr vertreten sahen, blieben sie der Veranstaltung fortan fern. „Der Kirchentag ist ein Festival, das die gesamte Bandbreite an Kirche zeigt“, erklärt Albrecht den Unterschied aus seiner Sicht. „Beim Christustag geht es mehr um das Spirituelle und um den Gottesdienst.“

Kirchentag und Christustag 2015 gemeinsam

Im kommenden Jahr werden die beiden Veranstaltungen aber wieder gemeinsam in Stuttgart stattfinden. Aus Sicht des ­Nagolder Dekans ist dieser Umstand vor ­allem dem Termin geschuldet: „Beides findet an Fronleichnam statt. Da wir den Christustag weder ausfallen lassen noch eine Gegenveranstaltung sein wollen, feiern wir selbstverständlich gemeinsam.“