Cityinitiative Stuttgart Internethandel bedroht die Einkaufsstadt

Hildegund Oßwald, 04.12.2012 15:47 Uhr

Stuttgart - Der im nächsten Sommer aus dem Amt scheidende Citymanager Hans H. Pfeifer hat an Kommunalpolitiker und Einzelhändler appelliert, sich nicht auf der erreichten hohen Attraktivität und Anziehungskraft der Stuttgarter Innenstadt auszuruhen, sondern diese mit neuen Ideen und auch mit Investitionen weiter zu stärken. Denn der Innenstadthandel bekomme in den nächsten Jahren nicht nur starke Konkurrenz durch zwei neue Einkaufszentren und weitere Geschäftsneubauten, sondern vor allem durch den parallel zunehmenden Internethandel. Allein der Anstieg der Verkaufsflächen um weitere 83.000 Quadratmeter aber erfordere 300 Millionen Euro an zusätzlicher Kaufkraft. „Das heißt, es gibt Verdrängung oder Abwerbung“, so Pfeifer.Gleichzeitig mache das Internet der Einkaufsstadt immer mehr Konkurrenz. „Bisher galt die Konkurrenz City versus grüne Wiese, künftig gilt Residenzhandel versus E-Commerce“, sagte Pfeifer auf seiner letzten Jahresrückblickkonferenz am Montag. Nach allen Prognosen wachse der Internethandel so rasant, dass bundesweit bereits bis 2020 mit einem Handelsanteil von 20 bis 25 Prozent gerechnet werde. Allein zehn Prozent Umsatzverschiebung seien aber schon stadtplanerisch erheblich, so Pfeifer. „Das wird enorme Konsequenzen haben. Das bedeutet reduzierte Flächenrentabilität, weniger Handelsflächen, drohende Leerstände, sinkende Mieten und zusätzlicher Verkehr durch Kurierfahrten und Retouren“, so der Citymanager. „Wenn sich der Cityhandel nicht stärker gemeinsam engagiert, wird er gewaltige Probleme bekommen“, so Pfeifers Prognose.

„Das Milaneo ist eine Laus im Pelz der alten City“

Als Stichworte nennt er den ewigen Kampf um gemeinsame Öffnungszeiten und die Schwierigkeit bei Aktionen Mitstreiter zu finden. „Der Individualismus funktioniert aber nicht mehr“. Auch die Stadt müsse weiter Geld ins Zentrum investieren, den Umbau der neuen Querspange bis zum Wilhelmsplatz und der obere Kronprinzstraße angehen. Pfeifer: „Mit dem Einkaufszentrum Milaneo wurde eine Laus in den Pelz der alten City gesetzt, jetzt muss man auch die alte City stärken“, so der Citymanager. Er bekräftigte die Forderungen nach mehr Personal zur Verkehrsüberwachung, nach einem neuen Fußgänger- sowie Parkleitsystem und einer weiteren WC-Anlage im Bereich der oberen Königstraße /Marienstraße.Die Absage an eine Citymaut wertet Pfeifer als gute gemeinsame Basis mit dem künftigen Oberbürgermeister Fritz Kuhn. „Die Cityinitiative steht einem grünen OB ohne Vorbehalte gegenüber“, betonte Pfeifer. Auch ein grüner Oberbürgermeister müsse Interesse an einem vernünftigen Verkehrs-Mix haben, zu dem neben dem ÖPNV weiterhin auch das Auto gehöre.

Als neue Aktion der Cityinitiative (Cis) zur Stärkung von Stuttgart als Einkaufsstadt kündigte Pfeifer zum Frühjahr Cis-Gutscheine an, die in vielen Geschäften eingelöst werden könnten. „Wir erhoffen uns davon eine zusätzliche Kaufkraftbindung“, sagte Pfeifer. Andere Städte wie Esslingen bieten bereits Standortgutscheine an. Eigentlich sollten die Stuttgart-Gutscheine bereits zum Weihnachtsgeschäft angeboten werden. Dieser Termin aber sei an technischen Problemen gescheitert.