Claus Leggewie „Dieser Nationalismus führt zum Selbstmord der EU“

Von  

Zwischen linken und rechten Populisten gibt es bedeutende Schnittmengen, sagt der Essener Politikwissenschaftler Claus Leggewie fest. Der Nationalismus gefährde die EU.

Der Essener Politik- und Kulturwissenschaftler Claus Leggewie tadelt den Versuch der Populisten, „die Völker Europas gegen den Merkelismus zusammenzurotten“. Foto: Lichtblick
Der Essener Politik- und Kulturwissenschaftler Claus Leggewie tadelt den Versuch der Populisten, „die Völker Europas gegen den Merkelismus zusammenzurotten“.Foto: Lichtblick

Stuttgart - Das konträre Regierungsbündnis in Griechenland wirft ein Schlaglicht auf zahlreiche Verbindungen links- und rechtsradikaler Parteien in Europa. Dies nutze vor allem dem russischen Präsidenten Putin, meint Claus Leggewie.

Herr Leggewie, könnte eine von der Linkspartei geführte Regierung in Ostdeutschland mit der Alternative für Deutschland (AfD) koalieren – ähnlich wie Syriza und Anel dies in Griechenland tun?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Linke in Deutschland einen solchen Tabubruch begehen würde.
Aber fischen die Linkspartei und die AfD zuweilen in demselben Teich?
In Ostdeutschland sind einige Tausend Protestwähler, die bisher die Linke gewählt haben, zur AfD übergelaufen. Sie können auch wieder zurückgehen. Ich habe nichts gegen Wählerbewegungen, aber entscheidend ist, was eine Parteispitze daraus macht. Und eine echte politische Auseinandersetzung der Linken mit dem Populismus ist nicht erkennbar – eher schon, dass sie gewissermaßen abstauben will.
Inwieweit können Sie bei der Linken rechtspopulistische Tendenzen erkennen?
Es gibt in der Linken, dies aber in drei Anführungszeichen, „national-sozialistische“ Kräfte, die sagen: Die Europäische Union ist eigentlich ein Instrument des Kapitals, insbesondere der Finanzmärkte, so müsse man die Interessen auch des deutschen Volkes gegen die EU richten. Die EU- und Euro-kritische Position ist speziell bei den ostdeutschen Parteimitgliedern verbreitet. Dass die Linke die Interessen der einfachen Leute nicht richtig repräsentiert fühlt, dem kann ich einiges abgewinnen. Die EU hat eine sozial- und wirtschaftspolitische Schieflage. So weit haben Parteien wie Syriza, Podemos, Sinn Fein und andere Recht. Hier Stopp zu sagen und ein alternatives Projekt zur Entwicklung Südeuropas vorzuschlagen, halte ich für völlig berechtigt.
Zeigt sich die Linkspartei nur deshalb so nachsichtig mit dem Links-Rechts-Bündnis in Athen?
Sie will nicht davon ablassen, in Syriza einen Hoffnungsschimmer zu sehen. Mich schockiert die Lässigkeit, mit der man eine solche Koalition in den Bereich der Realpolitik verweist – nach dem Motto: so etwas muss man hin und wieder machen, Politik ist ein schmutziges Geschäft. Für viele politische Systeme in Europa könnte es ein Problem werden, wenn es zwischen Links- und Rechtspopulisten Schnittflächen gibt. Das sieht man an der Wählerschaft der Linken und der AfD, aber auch an der Linksopposition und dem Front National in Frankreich.
  Artikel teilen
6 KommentareKommentar schreiben

der mann hat ziemlich recht: nicht alles meiner meinung nach, aber das meiste passt. das ist die meinung einer europäisch denkenden bürgerin. die patriotin will einfach nicht aus der tastatur.

Als B.-W. Patriotin: verstehe ich weltoffen, tolerant, soweit wie möglich nachhaltig mit Ressourcen umgehen, sinnvoll mit Geld umgehen, mit Nachbarländern ein gutes Verhältnis pflegen, leben und leben lassen auf dem Boden des Grundgesetzes und nicht täglich hinaus zu posaunen wir sind die Größten, die Dicksten und Schlauesten (wir sind das zwar aber wir prahlen nicht damit, weil wir es nicht nötig haben). Selbstverständlich bin ich auch Europäerin aber ich denke halt wie eine Baden-Württembergerin. Denn wie soll ich als Europäerin denken? wie Malteser, Belgier, Polen, Albaner, Briten, Tschechen, Italiener? Ich möchte Europa mit seiner Vielfältigkeit so wie es ist.

Nationalismus: von links oder rechts iggittigit gaanz schlimm. Nationalismus aus der Mitte nicht vorhanden? Ich würde vorschlagen die Europäischen Völker durch Klone zu ersetzen dann gibt es kein links, rechts oder Mitte dann gibt es ein Einheitsgrau, Einheitsmeinung, Einheitsregierung, Einheitsreligion, Einheitspresse (gibt es zum großen Teil schon), Einheits-Merkelbewunderer und Einheitsdeppen die solche Professoren wie den oben genannte bezahlen (müssen). Manchmal habe ich das Gefühl als wäre dieses Klon-Szenario gar nicht mehr so weit weg. Das ist die Meinung einer Baden-Württembergischen Patriotin.

Herr Leggewie ist leider: auch nur ein "saturierter" deutscher Professor. Details zur Griechenlandkrise - und diese /Details/ sind relevant - sind von ihm - wie auch von der StZ - leider nicht zu erfahren. Siehe dazu: "Es ist nicht die Zeit, um zu spielen, Wassilis Aswestopoulos "http://www.heise.de/tp/artikel/44/44171/1.html

Der Neoliberalismus zerstört Europa: denn er führt letztendlich den Nationalismus herbei. Und die von Frau Merkel gepredigte Alternativlosigkeit. In diesem Interview beweist Herr Leggewie eine für einen Sozialwissenschaftler wirklich frappierende Naivität. Im übrigen möge er sich sein Europa so zurechtschnitzen wie er es will.

Möchte als überzeugter...: Pazifist und dem Bellizismus anhängend Herrn Frank zustimmen. Neoliberalismus zerstört auf Sicht ganze Gesellschaften und schafft Platz für Patriotismen, wo schneller gestorben wird, als der Ausreiseantrag zu stellen dauert.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.