CMT: Helfer auf Achse 8000 Kilometer Fahrt für einen guten Zweck

Von Christian Reichel 

Der Verein „Helfer auf Achse“ bringt Hilfsgüter in Krisengebiete. Er präsentiert sich zurzeit auf der CMT und nimmt an der Allgäu-Orient-Rallye teil, bei der mehr als 100 Teams an den Start gehen. Der Gewinn ist zudem außergewöhnlich.

Julia Raisch, Fabian Goebel und Stefanie Becker machen auf der Reisemesse auf ihr Hilfsprojekt aufmerksam. Foto: Christian Hass
Julia Raisch, Fabian Goebel und Stefanie Becker machen auf der Reisemesse auf ihr Hilfsprojekt aufmerksam.Foto: Christian Hass

Stuttgart - Fast unauffällig steht ihr Wagen auf der Urlaubsmesse CMT neben all den wuchtigen Wohnmobilen. „Wir werden damit etwa 8000 Kilometer zurücklegen“, sagt Julia Raisch auf der Galerie des L-Bank Forums. Die 33-Jährige ist Vorstand des Vereins „Helfer auf Achse“. Die Stuttgarter Organisation fährt Kinderhilfswerke, Waisenhäuser oder Flüchtlingslager in Rumänien, in der Türkei und in syrischen Grenzgebieten an. Im Gepäck befinden sich zum Beispiel Hörgeräte, OP-Besteck oder Spielzeug. „Wir haben im vorigen Jahr Spendengüter im Wert von 980 000 Euro übergeben“, sagt Julia Raisch. Das Vorhaben findet ehrenamtlich im Rahmen eines Autorennens statt.

Bei der sogenannten Allgäu-Orient-Rallye treten mehr als 100 Teams mit jeweils drei Wagen gegeneinander an. „Die Autos werden im Zielland Iran für einen guten Zweck versteigert“, erzählt Vereinsmitglied Stefanie Becker begeistert. Dabei müssen die Fahrzeuge mindestens 20 Jahre alt sein. Als Hauptgewinn winkt ein echtes Kamel. Bisher sei das Reittier immer einem jungen Beduinen oder Bauern übergeben worden, heißt es auf der Webseite des Veranstalters. Die Spendenaktion geht dieses Jahr in ihr elftes Jahr. Den Stuttgarter Verein mit 12 Mitgliedern gibt es erst seit anderthalb Jahren. „Wir wachsen noch“, sagt Becker.

Die Rallye ist nichts für schwache Nerven

Das Rennen sei aber nichts für schwache Nerven. „Die 20-tägige Fahrt zehrt an den Kräften“, sagt Julia Raisch, die hauptberuflich in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitet. Auf dem Weg von Oberstaufen nach Teheran stoppe das Team auch nicht in Hotels, sondern schlafe im Auto. „Das wird oft richtig gemütlich“, sagt die 33-Jährige.

Den Teams ist laut Veranstalter nur erlaubt, auf Nebenstraßen zu fahren. Autobahnen seien von der Routenplanung ausgeschlossen. Auch der Einsatz von Navigationsgeräten sei verboten, heißt es im Regelwerk des Rallyeveranstalters. Das Rennen soll den Teams ermöglichen, Motorsport und fremde Kulturen miteinander zu vereinen. Mehr als 5000 Menschen haben bereits in den vergangenen Jahren an der Rallye teilgenommen.

Bedürftige empfangen Helfer mit offenen Armen

„Manchmal bekomme ich echt Gänsehaut“, erzählt Julia Raisch über ihre Erlebnisse. Als sie vor einem Jahr in einem Flüchtlingscamp in Jordanien hielt, sei ihr Team mit offenen Armen empfangen worden. „Ihr habt genau das dabei, was wir brauchen“, sagte uns eine Helferin der UNO-Flüchtlingshilfe“, so Raisch.

Am 30. April geht die nächste Rallye los. Dass man während des Rennens auch Elend mitbekommt, müsse den Teilnehmern klar sein, fügt die abenteuerlustige Frau hinzu. Die Bilder lassen Julia Raisch nicht mehr los. „Da merke ich oft, wie unwichtig manche Dinge im Leben sind“, erzählt sie.

Derzeit suchen die Helfer noch nach weiteren Autos, Sachspenden und Sponsoren. Interessierte können auch eine sogenannte Kilometerpatenschaft übernehmen und pro gefahrenen Kilometer 50 Cent spenden. Die Helfer sind bis zum Ende der Reisemesse am 24. Januar vor Ort.

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