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CMT in Stuttgart Die Deutschen reisen nach wie vor

Frederike Poggel, vom 10.01.2010 10:18 Uhr
Trotz Krise kann die Tourismusmesse CMT mit viel Andrang rechnen. Das Reisegeschäft läuft gut. Foto: dpa
Trotz Krise kann die Tourismusmesse CMT mit viel Andrang rechnen. Das Reisegeschäft läuft gut. Foto: dpa
""Wie das Jahr 2010 wird? Ich hin kein Prophet, aber momentan haben wir sehr gut zu tun!""
Bernd Müller-Artintarti, Büroleiter von First Stuttgart

Stuttgart - In Zeiten, in denen alle den Gürtel enger schnallen müssen, wird zuerst dort gespart, wo es am wenigsten wehtut. An der Urlaubskasse zum Beispiel, so ließe sich vermuten. Dass die Reisebranche im Jahr 2009 nicht an die Wachstumsraten der drei vorangegangenen Jahre anknüpfen kann, wird denn auch allgemein erwartet. "Wie sich die Finanzkrise auf das diesjährige Reiseverhalten der Deutschen auswirken wird, kann man derzeit schwer abschätzen", sagt Roland Bleinroth, der Geschäftsführer der Messe Stuttgart.

Dennoch lässt er Zweckoptimismus walten: "Erfahrungsgemäß lassen sich die Deutschen das Reisen, eine ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen, nicht nehmen." Ein gutes Zeichen dafür ist die Publikumsmesse Caravan-Motor-Touristik, kurz CMT, die am kommenden Samstag beginnt - und auf 105.000 Quadratmetern alle neun Hallen belegt.

Mit knapp 2000 Ausstellern ist das Messegelände auf den Fildern ausgebucht. Auch der Caravaning-Bereich, "in dem sich die größten Gewitter abgespielt haben" (Bleinroth), steht wieder gut da: von den mehr als 700 ausgestellten Fahrzeugen sind 40 Weltneuheiten. "Damit ist die CMT nach dem Caravan Salon Düsseldorf die zweitwichtigste Plattform für diesen Industrieverband", sagt der Messe-Pressesprecher Axel Recht.

Radeln und Wandern liegen im Trend


Er verzeichnet auch den kleinen Trend, dass die Ausstellerzahl im Bereich Fahrradfahren und Wandern von 180 auf 225 gestiegen ist. "Außerdem ist das Segment für Kreuz- und Schifffahrten ein wachsender Tourismusbereich", sagt Axel Recht.

Die Erfolgswelle, auf der Letztere sich bewegen, ebbt auch in Krisenzeiten nicht ab: Nach jüngsten Erhebungen des fvw, dem Magazin für Touristik und Business Travel, haben die Kreuzfahrtveranstalter ihren Umsatz um mehr als 13 Prozent steigern können. Allein der Marktführer Aida Cruises beförderte im Reisejahr 2008/2009 viermal mehr Passagier als in der Vorsaison. "Hier gibt es oft kostengünstige Preis-Leistungs-Verhältnisse für einen All-inclusive-Urlaub, das ist natürlich attraktiv", sagt der Messe-Chef Bleinroth.

Ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft - tatsächlich "schätzen Urlauber Rund-um-sorglos-Pakete, die einen stressfreien Urlaub garantieren und Preissicherheit bieten. Auch All inclusive bleibt vor allem bei Familien im Trend", sagt Nina Meyer, Pressesprecherin bei L'Tur, die mit einem Büro am Stuttgarter Flughafen vertreten sind. Sie stellt auch fest, dass Reisende zunehmend auf ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis achten: "Die Leute machen lieber kürzer Urlaub, buchen dafür aber einen Stern mehr", sagt Meyer.

Viele buchen Last-Minute-Angebote


Diese Einschätzung bestätigt Bernd Müller-Artintarti, Büroleiter von First in Stuttgart: "Hochwertige und Cluburlaube laufen momentan besonders gut." Dass vor allem Singles und junge Paare nicht am Urlaub sparen, hat Petra Döringer vom Tui-Reisecenter in Stuttgart beobachtet. Überhaupt spüre sie von der Krise nichts - allenfalls eben, dass die Leute kurzfristiger buchen. "Vielleicht, um besser abzusehen, wie sie zu dieser oder jener Zeit beruflich stehen", vermutet Döringer.

In der Tat sei Last-Minute-Buchen so angesagt wie lange nicht mehr: "Die Leute buchen kurzfristig, ganz anders als früher", sagt Volker Drechsel, Büroleiter der Explorer Fernreisen in Stuttgart. So seien etwa, und das ist sehr ungewöhnlich, 22 Prozent aller Buchungen vom November 2009 für den Dezember gewesen.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass man die Reise nicht rechtzeitig planen muss: "Ostern und Pfingsten sind in den wetterstabilen Gebieten wie Ägypten oder Zypern ausgebucht", sagt Müller-Artintarti von First. "Wie das Jahr 2010 wird? Ich hin kein Prophet", sagt er. "Aber momentan haben wir sehr gut zu tun!" Die Branche übt sich, wie Messe-Chef Bleinroth es vormacht, in Zweckoptimismus.
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