Krimikolumne

Comic: „Batman: Der letzte Kreuzzug“ Ein alter Vigilant, ein junger Haudrauf

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Frank Miller hat die Welt von Batman 1986 mit „The Dark Knight Returns – Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ gründlich durchgelüftet. Nun liefert er mit „The Last Crusade – Der letzte Kreuzzug“ ein Prequel nach. Muss man das kennen?

Selbst der düstere Batman fragt sich, ob Robin nicht zu brutal für den Job geworden ist. Foto: DC
Selbst der düstere Batman fragt sich, ob Robin nicht zu brutal für den Job geworden ist. Foto: DC

Stuttgart - Batman sah schon übler zugerichtet aus. Beziehungsweise, der Multimillionär Bruce Wayne kroch nach einer Nacht im Kostüm des düsteren Vigilanten schon zerschundener aus dem Luxusbett in Wayne Manor. Aber auch in Frank Millers „The Dark Knight Returns: „The Last Crusade“ macht Wayne nicht mehr den Eindruck, als sei sein Körper eine unzerstörbare Selbstheilungsmaschine. Aber es sind vor allem seine herausgestöhnten Klagen, die uns klar machen: Dieser Batman hat es hinter sich.

Nicht mehr seinen athletischen Fähigkeiten bringen ihn durch bizarre Nächte voller Kämpfe gegen exzentrische Superpsychopathen, bloß noch seine Sturheit. Und auch die scheint zu wanken. Der Butler Alfred jedenfalls kann Master Wayne hier nicht mehr, wie in vielen anderen Batman-Comics, als Kontrapunkt zu seinen sarkastischen Ermahnungen, kürzer zu treten, mit Koch- und Medizinkünsten für große Sprünge wieder fit machen. Hier bleibt bloß der wenig nachhaltige Griff zur Aspirintablette.

Noir statt Exzess

In einer Flut vermurkster, verzettelter, hysterischer Batman-Comics, die allesamt vom Grundproblem der Superheldencomics der Verlage DC und Marvel geprägt sind, vom Bedürfnis nach ständigem Übertrumpfen der bisherigen Reize, Exzesse, Krisen bei gleichzeitigem Zwang zum markenbewahrenden Stillstand, ist „„The Dark Knight Returns: „The Last Crusade“ also eine Ausnahme. Dieser Titel taugt mal wieder für erwachsene Leser, die sich für die Noir-Seite von Batman interessieren, für die exaltierte Kostümierung klassischer Krimimotive: Ein Einzelgänger zwischen heroischer Wertefestigkeit und bedrohlichen Selbstjustizfanatismus; eine mythologisch grundierte Unterwelt, die nicht am nüchternen ökonomischen Abmelken der Mehrheitsgesellschaft interessiert ist, sondern an deren Zerstörung.

Der Autor Frank Miller hat 1986 mit seiner revisionistischen Batman-Geschichte „The Dark Knight Returns“ nicht nur die Superhelden-Welt kräftig durchgelüftet. Er hat das Graphic-Novel-Phänomen mit aus der Taufe gehoben, die verspätete Entdeckung der bürgerlichen Bildungspriesterschaft, dass Comics anregende Lektüre bieten können. „The Dark Knight Returns“ landete damals als erster Comic überhaupt auf der Bestsellerliste der New York Times, schaffte den Sprung aus spezialisierten Comicläden und der Bildheftchenecke der Zeitungshändler in die Buchhandlungen.

„The Dark Knight Returns: The Last Crusade“ liefert das kurze Prequel zu Millers Meisterstück, und es kommt weniger prätentiös daher als die beiden Sequels, die Miller bereits folgen ließ. Er ist auch nicht so peinlich, rechtsradikal und wirrköpfig wie manches andere, was Miller mittlerweile schreibt.

Der fragwürdige Robin

Aber was der Zeichner John Romita jr. da in ansprechend fiese Bilder bringt, ist keine wirklich originelle Geschichte. Es ist, wie so oft im Superhelden-Universum, die bloße neuer Variante einer kanonischen, mehrfach erzählten Batman-Episode. Jason Todd, der junge Nahkampfakrobat im Kostüm von Robin, ist dem alten Vigilanten körperlich bereits überlegen. Aber ist dieser extrem fitte Streetfighter seiner Aufgabe auch moralisch und intellektuell gewachsen? Macht ihn die größere Brutalität und Rücksichtslosigkeit, die er an den Tag legt, bloß für seine Widersacher gefährlich? Oder gefährdet Jason sich selbst? Wer die legendäre Batman-Episode „A Death in the Family“ aus dem Jahr 1988 kennt, weiß, dass das nicht gut für Robin und nicht gut für Batman ausgehen wird.

Frank Miller und Koautor Brian Azzarello brechen nicht zu neuen Ufern auf. Sie schaffen es nicht einmal, „The Last Crusade“ zwingend an „The Dark Knight Returns“ anzubinden, dessen Erzählwelt im Nachhinein zu erweitern. Wer dieses Filetstück der Batman-Überlieferung nicht kennt, ist nach wie vor am besten beraten, es direkt anzugehen. Einige von Millers Erzählstrategien, die er auch für „The Last Crusade“ nutzt, wirken dann frischer. Aber immerhin, einen Teil der Geschichte von Gotham Citys Trash-TV erzählen zu lassen, Batmans Mission in Bilder einer permanenten körperlichen Überforderung zu bringen, und den Joker mal wieder furchterregend böse und nicht marktschreierisch durchgeknallt zu zeigen, das sind Züge an „The Last Crusade“, die leidgeprüfte Altfans von Batman noch mal über die Runden bringen sollten. Bis zum Auftritt jenes Erzählers mit neuen Ideen, auf den wir alle warten.

Frank Miller, Brian Azzarello, John Romita jr.: „The Dark Knight Returns: The Last Crusade“. DC Comics Deutsch als „Batman: Der letzte Kreuzzug“. Panini Comics, Stuttgart 2016. 64 Seiten, 6 Euro.