Concert Band in Hohenheim Eine musikalische Weltreise mit viel Verve

Von Ralf Recklies 

Machu Picchu, Nagano oder Ungarn – die Concert Band der Universität Hohenheim hat ihre Zuhörer am Samstag auf eine musikalische Weltreise entführt. Das Publikum war begeistert und reagierte auf isländische Art, nämlich mit Hu-Hu-Rufen.

Eigentlich wollte die Band draußen spielen, das Wetter ließ dies aber nicht zu. Foto: Recklies
Eigentlich wollte die Band draußen spielen, das Wetter ließ dies aber nicht zu. Foto: Recklies

Hohenheim - Einen Hauch jener Stimmung, die die Besucher der Fußball-EM derzeit in den französischen Stadien erleben, spürten auch die Musiker der Universität Hohenheim Concert Band am Samstagabend vor dem Fußballspiel Deutschland gegen Italien im Katharinasaal des Euroforums. Denn das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten, seine Begeisterung über das zuvor Gehörte so auszudrücken, wie es die Fans der isländischen Nationalmannschaft bislang nach jedem Sieg ihrer Nationalmannschaft getan hatten. Mit klatschenden Händen über dem Kopf und Hu-Hu-Hu-Rufen dankten sie den Musikern des Orchesters unter der Leitung von Joachim Pfläging, für das knapp zweistündige Konzert, bei dem die Musiker ihrer Zuhörerschaft auf eine spannende musikalische Reise um die Welt mitnahmen.

Das Publikum drängte vor die Bildschirme

Dass die Zahl der Zugaben am Ende des Abends eine knappe halbe Stunde vor Beginn des am Ende von Deutschland im Elfmeterschießen entschiedenen Fußballkrimis mit „When The Saints Go Marchin In“ und dem Fragment des bereits zuvor gespielten Stücks „Windows Of The World“ aus der Feder des britischen Komponisten Peter Graham eher gering ausfiel, war verständlich, lichteten sich doch bereits nach dem offiziellen Programm die Reihen. Und auch die Musiker – so zumindest hatte es der Posaunist und ebenso charmante wie humorvolle Moderator Timo Schempp angekündigt – wollten freilich den EM-Klassiker live am Bildschirm mitverfolgen.

Schempp, der mit seinen sehr pointierten Ansagen einen guten Teil dazu beitrug, dass das Konzert bei den Zuhörern eine solch positive Stimmung auslöste, dass sie selbst „eine 4:0-Niederlage gegen die italienische Nationalelf“ fröhlich verwunden hätten, war an diesem Abend – wie bereits bei früheren Auftritten der Concert Band – der Mann für den Humor; er lieferte interessante Informationen zu den Stücken, die die Band für das Sommerkonzert unter der Leitung von Joachim Pfläging so gelungen einstudiert hatte, dass es für die Zuhörer zu einem Vergnügen wurde. Dies, obwohl aus dem vor dem Schloss geplanten „Open-Air-Konzert ein Ohne-Air-Konzert“ wurde, wie Pfläging am Ende sagte. Denn von der frischen Brise, die den Zuhörern witterungstechnisch auf dem Freigelände um die Nasen geweht hätte, war in der Ersatz-Arena freilich nichts zu spüren. In diese war das Orchester ausgewichen, da die Witterung zu unbeständig und der Rasen als Sitzfläche zu feucht waren.

Lust an der dynamischen Blasmusik

Musikalisch wehte den Zuhörern mehr als ein laues Lüftchen um die Ohren. Pfläging und der Vorstand der Band hatten Stücke gewählt, bei denen die Bläser und die Perkussionisten ihr Können und vor allem ihren Spaß am Musikmachen zeigen konnten. Ganz gleich ob die Musiker das für die Olympischen Winterspiele von Nagano geschriebene „Olympica“ druckvoll darboten, ob sie mit dem „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo zum wunderbaren Ausflug in die Gärte von Aranjuez einluden oder ob sie mit dem zum Ende gespielten poppig, funkigen „Last Call“ von Otto M. Schwarz aufwarteten: Stets gelang es dem harmonisch und leidenschaftlich aufspielenden Orchester, die von den Komponisten in Noten gegossenen Stimmungen so klangvoll darzubieten, dass es den Zuhörern eine Lust war, der zumeist modernen und dynamischen Blasmusik zu lauschen.

In dem Programm, das mit Alfred Reeds erst 1979 uraufgeführter „Second Suite for Bands“ eröffnet wurde, fand sich mit dem von Hector Berlioz überarbeiteten Rákóczi-Marsch auch eine Weise, die seit mehreren Jahrhunderten in Ungarn zu hören ist und zu einer Art heimlichen Nationalhymne geworden ist. Obwohl das Gros der übrigen Stücke weitaus jünger war – so auch das dreisätzige Werk „Machu Picchu: City in the Sky – The mystery of the hidden Sun Temple“ des japanischen Komponisten Satoshi Yagisawa –, fügte sich auch diese Komposition wunderbar in das mit viel Verve präsentierte Programm der Musiker. Der donnernde Beifall, der nach jedem Stück und nach dem Verklingen des letzten Tons gespendet wurde, war wohl verdient.

Sonderthemen