Consumer Electronics-Messe Auf dem Weg zur Vision vom vernetzten Haus

Von , Las Vegas 

Auf der Messe Consumer Electronics in Las Vegas wird demonstriert, was mit Hilfe eines Smartphones möglich ist – so etwa das Füllen eines Glases mit Wasser. Doch im Haushalt könnte noch weit mehr elektronisch gesteuert werden.

Mit einem Smartphone wird auf  der Messe in Las Vegas  ein Glas Wasser gefüllt. 
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Mit einem Smartphone wird auf der Messe in Las Vegas ein Glas Wasser gefüllt. Foto:dpa

Las Vergas - Eine der wenigen noch nicht durchdigitalisierten Bastionen des täglichen Lebens könnte bald fallen. Schon viele Jahre ist das so genannte „smarte Haus“ der Traum der Digitalindustrie. Doch nach vielen Prognosen, die wegen der Skepsis der Verbraucher, zu komplizierter Bedienung oder nicht ausgereifter Technik unerfüllt blieben, dürfte sich das nun rasch ändern.

Dies ist eines der Erkenntnisse aus der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. In jüngster Zeit sind die Mosaiksteine zusammengekommen, die intelligente Haustechnik auch für Durchschnittsnutzer attraktiver. „Die zusätzlichen Kosten sind nur noch minimal“, sagt Werner Struth, bei Bosch Geschäftsführer unter anderem für die Region Nordamerika. Das Stuttgarter Unternehmen liefert eine zentrale Komponente: Es sind kleine, inzwischen äußerst preisgünstige Sensoren, die einst fürs Auto entwickelt wurden und nun an jeder Tür, jedem Fensterladen oder in jedem Haushaltsgerät angebracht werden können.

Ohne es in jedem Fall zu bemerken oder zu beabsichtigen hätten die Verbraucher in den vergangenen Jahren die Infrastruktur, die es für das smarte Haus braucht, bereits angeschafft, sagt Struth: „Jeder hat heute ein Smartphone, in jedem Haus ist ein Wi-Fi-Router installiert und vielen modernen Haushaltsgeräten werden bald von vorne herein die nötigen Schnittstellen und Sensoren vorhanden sein.“ Jetzt gehe es darum die Bausteine zusammenzufügen. .

Das Bild vom Smartphone als Kommandozentrale für Lampen, Rollläden oder Fenster ist dabei schon teilweise wieder überholt. Mit dem Gedanken, für einfache Funktionen im Haushalt erst eine App aufrufen zu müssen, konnten sich viele Verbraucher nicht anfreunden. Doch in den vergangenen ein, zwei Jahren haben Spracherkennungssysteme enorme Fortschritte gemacht. Unter anderem die Lernerfahrung von Abermillionen über die Internetcloud zusammengeschalteter Systeme hat von 2013 bis 2015 deren Zuverlässigkeit mehr als vervierfacht. Große Konzerne wie Amazon und Microsoft drängen massiv auf diesen Markt. Noch ist offen, welches sprachgesteuerte Dialogsystem am Ende der Standard sein wird. Doch der Markt entwickelt sich dynamisch.

Das Haus als Dialogpartner? Für viele Menschen ist das gewöhnungsbedürftig. „Am Anfang reden sie mit dem Spracherkennungssystem als sei das ein Idiot“, sagt Martin Vesper, von der deutsch-schweizerischen Firma Digitalstrom. Moderne Geräte verstünden aber zuverlässig normale Sätze. Er sagt voraus, dass die Küche zum Einfallstor für smarte Funktionen wird. Hier liegen die Vorteile buchstäblich auf der Hand, wenn man nicht mit schmutzigen Fingern den Wasserhahn oder Lichtschalter berühren muss. Und bei der Küchenausstattung sind die Käufer auch bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Eine smarte Küche bedeutet heute einen Preisaufschlag von zehn bis fünfzehn Prozent. Bei der Konzentration auf den Alltagsnutzen haben die Anbieter dazu gelernt.

Bei Bosch beispielsweise redet man beim smarten Kühlschrank nicht über die zur Karikatur gewordene Vision, der sich selbstständig auffüllt. Aber: mithilfe einer eingebauten Kamera, die nach jedem Öffnen ein Bild des Kühlschrankinhaltes macht, lässt sich vom Supermarkt aus klären, wie viele Liter Milch noch übrig sind.

In Las Vegas waren viele Beispiele zu besichtigen, wie sich technologische Trends auf unterschiedlichen Feldern bündeln. Das aus Münster stammende Start-up Variowell bastelte beispielsweise an seit dem Jahr 2008 an der Idee, Matratzen die mithilfe von elektrischem Strom ihre Härte variieren können – je nach dem augenblicklichen Bedürfnis des Schlafenden.

Der Gründer und Geschäftsführer Tobias Kirchhoff sah schon frühzeitig , dass sich Sensoren und tragbare Geräte entwickeln würden, die das Schlafverhalten erfassen können. Doch es dauerte Jahre bis sich entsprechende Geräte durchsetzten. Zuerst waren es Fitness-Freaks, die ihre Körperfunktionen vermaßen. Dann wurden von den Anbietern der so genannten Fitnesstracker die Analyse von Körperdaten auf die Schlafphase ausgeweitet. „Bisher konnten sie sich die Ergebnisse aber nur anschließend anschauen, aber nicht direkt einen praktischen Nutzen daraus ziehen,“ sagt Kirchhoff. Aber nun kann man die ohnehin erfassten Daten verwenden, um die Matratze zu steuern.

In Deutschland wirkt das noch wie eine exotische Idee, wie Kirchhoff einräumt. Deshalb startet die Firma erst einmal in den USA: „Dort haben sie geradezu einen Hype um das Thema gesunden Schlaf.“ Kirchoff hat das Glück, dass deutsche Investoren bei Stange blieben, während sich das Puzzle verschiedener Technologien fügte: „Wenn wir US-Investoren gehabt hätten, dann hätten die wohl nach sechs Monaten die Geduld verloren“, sagt er.

Martin Vesper von Digitalstrom glaubt, dass sich der Weg zum smarten Haus genauso graduell, aber ebenso unaufhaltsam vollziehen wird, wie andere digitale Umbrüche: „Beim Auto haben sie auch nicht gleich gemerkt, wie dort immer mehr die Elektronik dominierte.“ Manchmal reicht es vielleicht auch, den Sensoren ein freundlicheres Gesicht zu geben. Das in Las Vegas ausstellende französische Unternehmen Sense hat seinem Allzwecksensor der vom Zähneputzverhalten der Kinder, über die Dosierung von Medikamenten bis zur Zahl der getrunkenen Kaffeetassen flexibel jede Lebensäußerung erfassen kann, nicht nur den Namen Mother, also Mutter gegeben – das Gerät ist sogar wie ein kleine Babuschka-Figur geformt, Lächeln inklusive.

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4 Kommentare Kommentar schreiben

so einen Mist werde ich mir nie anschaffen: wenn ich einkaufe schreibe ich mir einfach einen Einkaufszettel - so ganz analog mit Papier und Stift. Außerdem will ich nicht, dass irgendwelche Körperdaten frei im Internet umherflottieren und außerdem habe ich kein Smartphone und was bitte ist Wi-Fi? Wer braucht so was? Wozu hat der Mensch Hirn zum Denken?

Erschreckend,...: ...wie phantasielos die Hersteller angesichts der Möglichkeiten, die ihnen die IT bietet, agieren. Einen Kühlschrank, der Fotos vom Inhalt aufs Handy liefert, benötigen wohl nun wirklich nur die wenigsten.

das ist ja toll: ich sehe sie vor mir, die lebensmittelkäufer im supermarkt, wie sie das neueste photo des innenlebens ihres kühlschranks studieren. warum weiß ich auch ohne photo was in meinem kühlschrank fehlt? und doch. ich habe es bei den autos bemerkt wie die elektronik immer mehr das kommando übernahm. deshalb habe ich ja meinen 10 jahre alten daimler immer noch. da gehen die scheibenwischer an wenn ich das will und das licht schaltet sich ein wenn ich das will und ich kann mich reinsetzen ohne dass ich ständig angepiepst werde. und so halte ich es mit unserem haus auch. und wehe mein mann kommt mit so einer babuschka an die mir erzählt ob ich die zähne richtig geputzt habe, ob ich meine medikamente genommen habe, wie viel kaffee ich trinke und ob ich mich richtig bewege, dann fliegt er raus. mitsamt der babuschka. und dann noch eins babuschka ist nicht die "mother", sondern die "grandmother". aber das wissen amerikaner genausowenig wie journalisten der stz.

Wenn man nicht mit schmutzigen Fingern...: Wasserhahn oder Lichtschalter berühren kann, weil man nicht 2 gesunde Ellbogen hat, dann braucht man solch einen Quatsch natürlich...

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