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Stuttgart - Eigentlich kann Jochen Hansel nur Positives über die vielen Freizeitsportler sagen, die an den großen Veranstaltungen wie dem Stuttgarter-Zeitung-Lauf teilnehmen. "Man muss den Läufern ein Kompliment machen. Sie sind meistens vernünftig und muten sich nicht zu viel zu", betont er. Hansel, der als Leitender Oberarzt der Internistischen Ambulanz in der Abteilung für Sportmedizin an der Universitätsklinik Tübingen schon seit vielen Jahren Läufer betreut und berät, ist natürlich sehr erfreut darüber, dass sich die Athleten besser über die Belastungen für ihren Körper und deren Auswirkung auf ihre Gesundheit informieren.
Doch wenn am Wochenende nun mehr als 18000 Starter beim Stuttgarter-Zeitung-Lauf antreten, ist es wieder einmal ein Hoffen und Bangen. Der Mediziner setzt darauf, dass die Sportler bei all dem Spaß und all der Begeisterung nicht ein zu hohes Risiko eingehen. "Es gibt viele aktive Menschen, die sich eigentlich gesund fühlen. Doch wenn man sie untersucht, stellt man einen erhöhten Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte fest", sagt der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. "Bei manchen, die sonst keine Beschwerden spüren, ermitteln wir sogar Herzrhythmusstörungen - und die können eben auch zum plötzlichen Herztod führen."
Keine Angst vorm Halbmarathon
Hansel will den Freizeitsportlern keine Angst vor dem Halbmarathon einjagen oder sie vom Laufen abbringen. Im Gegenteil. Aber er will sensibilisieren. Vor allem dafür, kleine Signale, die der Körper aussendet, nicht zu übergehen. Und dafür, eine Vorsorgeuntersuchung zu absolvieren. "So können Herzrhythmusstörungen, genetische Vorbelastungen, Infekte, die man nicht merkt, oder angeborene Erkrankungen, wie zum Beispiel ein verdickter Herzmuskel wie beim Fußballspieler Gerald Asamoah, erkannt werden", betont Hansel. "Ab einem Alter von 35 Jahren sollte man sich regelmäßig untersuchen lassen."
Hansel empfiehlt gerade Läufern, die mitunter in höheren Intensitätsbereichen laufen, eine ergometrische Belastung auf dem Laufband. Es wird bei ansteigender Laufgeschwindigkeit der Blutdruck gemessen und der Herzrhythmus überprüft. Ergänzend können mittels der Laktatdiagnostik Empfehlungen zur sinnvollen Gestaltung des Trainings ausgesprochen werden.
Alle 500 Meter ein Defibrillator
Dieser Auffassung ist auch Heiko Striegel. Der VfB-Mannschaftsarzt, der an der Universitätsklinik Tübingen als stellvertretender Ärztlicher Direktor Hansels Kollege ist, betont: "Statistisch gesehen kommt beim Marathon pro 50.000 Läufer ein Teilnehmer zu Tode. In diesem Punkt steht der Stuttgarter-Zeitung-Lauf glücklicherweise sehr gut da." In der Geschichte des Stuttgarter Halbmarathons sind bisher drei Menschen gestorben. " Es gibt immer ein Restrisiko", sagt Striegel. Um dieses Risiko so klein wie möglich zu halten, unternehmen die Organisatoren größte Anstrengungen. "Die Sicherheit der Teilnehmer steht für uns an erster Stelle", sagt Gerhard Müller, der Projektleiter des Stuttgarter-Zeitung-Laufs. An der Strecke befindet sich alle 500 Meter ein Defibrillator, mit dem im Notfall sofort Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Zudem sind mehr als 300 Ärzte und Sanitäter an 62 Stationen entlang der Strecke im Einsatz. Striegel betont: "Mehr Sicherheit geht nicht."
Dazu tragen auch die Präventionsmaßnahmen des 41-Jährigen und seiner Kollegen aus Tübingen bei. Am Samstag können sich Läufer in der Schleyerhalle am Stand von den Ärzten der Sport Medizin Stuttgart, zu denen auch Hansel und Striegel gehören, beraten lassen. Meist reicht ein Gespräch mit den Experten. " Wir versuchen, die Gefährdeten herauszufiltern", sagt Striegel. "Das sind oft diejenigen zwischen 35 und 50, die denken, sie könnten Infekte vernachlässigen, weil sie diese mit ihrer Fitness wegstecken." Er hat in dieser Hinsicht einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen festgestellt: "Besonders Männer sind mitunter Hardliner und denken: so eine Vorsorgeuntersuchung brauchen wir doch nicht. Frauen hören mehr in sich hinein."
Für den StZ-Lauf empfiehlt Striegel: "Man sollte das Tempo immer den äußeren Bedingungen anpassen. Und wenn man während des Laufs merkt, dass man sich nicht so wohlfühlt, sollte man es nicht trotzdem weiterhin auf der Strecke krachen lassen." Seine Grundregel lautet: "Bei einer erhöhten Temperatur von 37,3 Grad Celsius an sollte man auf keinen Fall starten." Die Notbremse zu ziehen, sei vor einem großen Lauf zwar hart, betont Striegel, doch in diesem Fall könnte man sich ja wenigstens noch immer sagen: "Nächstes Jahr findet er wieder statt - und dann bin ich richtig und gesund dabei."

Im Krankheitsfall...
...kriegt man vom Veranstalter kein Geld zurück. "Nächstes Jahr findet er wieder statt - und dann bin ich richtig und gesund dabei." hört sich ja gut an. Ich hatte letztes Jahr ein ärztliches Attest und wenigstens ein Teil vom Antrittsgeld zurück wäre in Ordnung gewesen; aber nein, nichts gibts.