Da-Vinci-Projekt Heimspiel für den Architekten
Thomas Borgmann, 04.03.2010 17:56 Uhr
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Blick von der Dorotheenstraße. Foto: Michael Steinert
Blick von der Dorotheenstraße. Foto: Michael Steinert
Stuttgart - Für Stefan Behnisch war der Donnerstag nach eigenem Bekunden ein großer Tag: "Ich bin hier in Stuttgart geboren und aufgewachsen, ich habe hier mein Architekturbüro – gerade diesen wichtigen Wettbewerb zu gewinnen, das ist für mich und mein Team sehr erfreulich und eine tolle Sache." Zwölf Stunden nachdem ihm das Preisgericht des Wettbewerbs "Quartier am Karlsplatz" mit 19 von 25 Stimmen im Haus der Wirtschaft den ersten Preis zugesprochen hatte, sagte Behnisch am Donnerstagvormittag an gleicher Stelle: "Die Ausschreibung des Wettbewerbs war für uns eine gute Grundlage. Wir haben mit unserem Entwurf versucht, die städtebaulich isolierte Lage des Hauses Breuninger aufzuwerten und dabei auf die historische Umgebung am Karlsplatz Rücksicht zu nehmen."

Mit seiner Arbeit, die nach Angaben aus dem Preisgericht als einzige aller elf eingereichten die vorgegebene Geschossfläche von maximal 49.000 Quadratmetern eingehalten hat, habe er, Behnisch, "die Querlinie von der Königstraße über die Schulstraße und den Marktplatz in Richtung Karlsplatz und Charlottenplatz stärken wollen." Außerdem sei es ihm darum gegangen, "die Hinterhofsituation auf der Sporerstraße aufzuheben und zu einem Platz auszuweiten." Das geplante Luxushotel mit 150 Zimmern werde unmittelbar am Karlsplatz entstehen, wo heute das Innenministerium seinen Sitz habe. Die heutige Karlstraße mit der Anlieferung für das Kaufhaus Breuninger sowie dem Zugang zur Karlspassage, bleibt in Behnischs Arbeit erhalten. Unter den zwei Baublöcken soll eine Tiefgarage mit 700 Stellplätzen entstehen, die Zufahrt wird von der Hauptstätter Straße aus erfolgen.

"Wir können alles - auch Architektur"


Finanzminister Willi Stächele sagte am Donnerstag: "Auch für mich ist heute ein Tag großer Freude." Er habe "als Laie mit großem Interesse am Preisgericht teilgenommen." Das Ziel des Landes sei, nach der Fertigstellung des neuen Innenministeriums an der Willy-Brandt-Straße am Karlsplatz eintausend Mitarbeiter des Landes aus den Ministerien für Kultus, Wirtschaft, Soziales sowie Wissenschaft und Kunst anzusiedeln. Damit könnten die jetzt auf insgesamt 20 Standorte in der Innenstadt verteilten Behörden auf wenige Standorte konzentriert werden. Den Erfolg des Stuttgarter Büros Behnisch kommentierte Minister Stächele mit den Worten: "Wir können alles – auch Architektur!"

Willem van Agtmael, der Chef des Hauses Breuninger, der in einer gemeinsamen Projektgesellschaft mit dem Land die städtebauliche Neuordnung verwirklichen will, sagte vor der Presse: "Heute ist für mich ein besonderer Tag – wir sind endlich so weit." Das Siegermodell sei "ein sehr gelungener Entwurf, der Urbanität und Lebendigkeit schafft und dabei die historische Nachbarschaft berücksichtigt." Agtmael erinnerte daran, dass "ich selbst vor vier Jahren das Da-Vinci-Projekt ins Gespräch gebracht habe." Sein Motiv dafür habe sich nicht geändert: "Damals wie heute habe ich Sorge um die Entwicklung der Stadt." Stuttgart 21, das jetzt gebaut werde, entwickle "eine starke Kraft – und das Haus Breuninger gerät Zug um Zug auf eine Insel." Aus Sicht des Marktes wäre das keine gute Entwicklung gewesen. Nun biete sich "die einmalige Chance, ein lebendiges Viertel zu schaffen mit Büros, einem Hotel sowie Kneipen und Einzelhandel."

Kommentare (24)
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MRZ
13
domus, 19:07 Uhr

@student

Dass Kritik an Projekten oft den Grünen zugeschrieben wird, hat aus meiner Sicht zwei Gründe: Zum einen werden viele Fragen, die in anderen Städten selbstverständlich parteiübergreifend diskutiert werden, hier offenbar nur von den Grünen (und z.T. SÖS) vertreten, z.B. kritische Prüfungen von Projekten anhand der Verträglichkeit im Stadtbild, Denkmalschutz, öffentlicher Verkehr, Fuß- und Radverkehr, ausschließliche Verfolgung von kommerziellen Interessen, Kumpanei mit Investoren, Kosten für die Allgemeinheit. Da stellt sich mir die Frage: Was machen die anderen Parteien hier eigentlich? Geht es nur darum, die Innenstadt für Investoren zu verheizen und einmal pro Generation umgraben zu lassen? Zweitens habe ich den Eindruck, dass vieles hier den Grünen zugeschrieben wird, damit die begnadeten Leser der StZ erfahren, in welcher Schublade sie diese Fragen ablegen dürfen (Ha, die linke grüne Kommunischde wieder, des isch doch ned die Akropolis, lasst doch den Kerle alles abreisse ...)

MRZ
13
Sylvia Heimsch, 17:40 Uhr

@volker S.

Hätte nie gedacht, dass ich ausgerechnet Ihnen mal zustimmen würde. Warum fehlt Ihnen beim Bahnhof diese Abgeklärtheit? Zu dem Wettbewerbsergebnis paßt der Spruch : "Unter den Blinden ist der Einäugige König".

MRZ
13
Ursula Kirchner, 16:30 Uhr

Behnisch Entwurf

Der Entwurf ist so, wie man in Stuttgart immer gebaut hat. Genau solche Vierkantklötze stellen sich die Planer von Stuttgart 21 auch auf den Gleisen von S 21 vor." Und man merkt die Absicht und ist verstimmt" Möglicht viel hineinpacken, so dass die Kasse stimmt. Und dann beruft man sich auch noch auf das Bauhaus. Das ist das beliebteste Argument im Rathaus in Stuttgart. In Stuttgart hat man nach dem Krieg schrecklich gebaut. Viele Straßenzüge sehen wie schlecht reparierte Gebisse aus. Der Marktplatz wäre zum Beispiel gar nicht so schlecht, wenn diese scheußlichen Breuningerbauten nicht wären. In Stuttgart hat man nach dem Krieg immer gebaut, was gerade modern war: schwarze Klötze, braune Klötze, Klötze mit Eiermannnfassaden und dann wieder langweilige Klötze mit einfachen Fensterreihen. Und alles unter dem Namen: Bauhaus. Jetzt macht man Vierkantklötze mit Innenhof. Und das neben der schönen Markthalle. Und immer noch höher! Die Stadträte früherer Zeiten wußten, warum sie nicht wollten, dass die Gebäude eine bestimmte Höhe überschritten. In einer solchen Tallage wie Stuttgart sie nun einmal hat, sollte man nicht zu hoch bauen. Sonst wird der schöne Eindruck beeinträchtigt. Aber Schönheit ist den Geldgierigen ein Dorn im Auge und man tut so, als gäbe es sie nicht. Man redet Stuttgart schlecht. Dann kann man machen, was man will. schlechter kann es ja nicht werden. Hauptsache: die Kasse stimmt. Noch mehr Kaufhaus und immer dieselben langweiligen, inzwischen in China produzierten Waren. die Gebäude sind nicht originell, die Waren sind nicht originell, und die Menschen? Lang und dürr und im Einheitsstil. Armes Stuttgart! Ich würde im Tiefbunker unter dem Marktplatz ein Horrorkabinett einrichten, so wie es viele Städte in England haben. Das wäre dann wenigstens ein bißchen interessant.

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