Daimler Hubertus Troska führt Daimler in China

Von mih/bba 

Der Daimler-Aufsichtsrat wird Troska am Mittwoch in den Vorstand berufen und ihm die Zuständigkeit für den Markt China übertragen. Mit dieser Ernennung hat der Autobauer einen Überraschungscoup gelandet.

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Stuttgart - Der Daimler-Aufsichtsrat wird am Mittwoch Hubertus Troska in den Vorstand berufen und dem 52-Jährigen, der in Bilbao geboren wurde, die Zuständigkeit für den Markt China übertragen. Entsprechende Informationen des „Manager-Magazins“ werden in Kreisen des Konzerns bestätigt. Troska ist seit 2005 Leiter des Geschäftsbereichs Mercedes-Benz-Lastwagen innerhalb der Konzernsparte Nutzfahrzeuge. Im bisher siebenköpfigen Daimler-Vorstand gab es keine gesonderte Zuständigkeit für China. Mit der Ernennung unterstreicht der Konzern die herausragende Bedeutung des Marktes.

Daimler hat im mittlerweile größten Automarkt der Welt massive Probleme und verliert gegenüber den Konkurrenten Audi und BMW immer mehr an Boden. Ohne die Kehrtwende in Fernost gilt das Ziel von Vorstandschef Dieter Zetsche, die Ingolstädter und Münchner bis 2020 zu überholen, als illusorisch. Zwar hat der Konzern mit den Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach in China in den ersten elf Monaten des Jahres um sieben Prozent zugelegt, doch die Konkurrenz wächst im zweistelligen Bereich. Und in den vergangenen Monaten brach der Daimler-Absatz sogar ein. Im November wurden knapp 16 900 Fahrzeuge verkauft – 6,6 Prozent weniger als im Vormonat. Im Oktober waren die Verkäufe bereits um 3,9 Prozent zurückgegangen. Dagegen erzielten Audi und BMW im November erneut Absatzrekorde. Audi, der Marktführer im chinesischen Premiumsegment, verkaufte 37 600 Fahrzeuge, 25,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. BMW kam auf knapp 31 100 Autos und verbuchte damit sogar ein Plus von 62 Prozent.

Als Hauptproblem von Daimler gilt der zweigleisige Vertrieb. Für Importfahrzeuge ist Mercedes-Benz China (MBCL) zuständig, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Partner Lei Shing Hong. Die in China hergestellten Autos werden dagegen über Beijing Benz Automotive (BBAC) verkauft, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem staatlichen Autobauer BAIC, mit dem Daimler auch gemeinsam in Peking produziert. Wegen der Rivalität hat Daimler in China weniger Händler als die Konkurrenz: 170 Autohäuser gegenüber knapp 240 bei Audi und 300 bei BMW.

Die Ernennung Troskas ist ein Überraschungscoup

Um die Konkurrenz zu beenden, sollen die wesentlichen Teile von MBCL und BBAC zusammengelegt werden. Die Widerstände sind allerdings groß. Das Verhältnis zum Partner Beijing Automotive gilt als angespannt. Insider berichten, Vertriebschef Björn Hauber sei bei einem Auftritt in Chengdu von einem chinesischen Kollegen „in aller Öffentlichkeit aufs Peinlichste bloßgestellt“ worden. Auch in Daimlers eigenem Chinateam gibt es böses Blut. So sollen sich die für Marketing zuständige Vizepräsidentin Mao Jingbo und die ranggleiche Pressechefin Anthea Wang einen erbitterten Machtkampf liefern. „Die beiden Frauen bekriegen einander wie zwei Königskobras“, erklärt ein Mitarbeiter. Die deutschen Vorgesetzten seien bei den Streitigkeiten oft nur hilflose Zuschauer. Mit einem eigenen Chinavorstand folgt Daimler dem Beispiel von VW. Dort hat im September Jochem Heizmann das Ressort übernommen; Vorgänger Karl-Thomas Neumann hat VW verlassen; er wird als neuer Opel-Chef gehandelt.

Mit der Ernennung von Troska, der seit 1988 im Konzern ist und vor allem im Bereich Nutzfahrzeuge Karriere gemacht hat, landet Daimler einen Überraschungscoup. Bisher stand der Wirtschaftswissenschaftler in der zweiten Reihe. Insider gehen davon aus, dass der Manager mit einem Erfolg auf dem chinesischen Markt die Weichen für einen weiteren Aufstieg stellen kann. „Wem das gelingt, der kann Dankbarkeit erwarten; das bringt Meriten“, heißt es im Konzern. Produktionschef Wolfgang Bernhard, der als Nachfolger von Zetsche gehandelt wird, hat dem Vernehmen nach kein Interesse an dem Job gehabt. Er und Troska haben zweierlei gemeinsam: beide sind Jahrgang 1960 und waren früher einmal Chef des Mercedes-Veredlers AMG in Affalterbach.

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