Das E-Lab des SWR Ein E-Lab für das neue Fernsehen

Von Ulla Hanselmann 

In Baden-Baden hat der Digitalkanal Eins Plus ein trimediales Studio für seine jungen Formate in Betrieb genommen. Dort darf jetzt nach Herzenslust experimentiert werden.

Hier darf nach Herzenslust experimentiert werden. Foto: SWR
Hier darf nach Herzenslust experimentiert werden.Foto: SWR

Baden-Baden - Sandra Jozipovic ist 29 Jahre alt und moderiert das Magazin „DasDing.tv“, das freitagabends im jungen Abendprogramm des ARD-Digitalkanals Eins Plus läuft. Da geht es um Musik, Stars, Computerspiele, Events und Trends. „Live. Laut. Lässig“ lautet die Parole. Brad Pitt sei ihr Traummann gewesen, als sie vierzehn war, sagt Sandra Jozipovic bei der Anmoderation des neuen Kinofilms „Killing them softly“. Inzwischen sehe der Hollywood-Star allerdings „ziemlich alt“ aus, ein hervorragender Schauspieler sei er aber natürlich immer noch.

Nicht ziemlich alt, sondern ganz neu ist das Studio, in dem die Moderatorin die Filmkritik des Brad-Pitt-Streifens ankündigt: Es nennt sich E-Lab und ist vor wenigen Tagen in Baden-Baden eröffnet worden. In Anwesenheit von gut einem Dutzend Eins-Plus-Moderatoren hatte der neue SWR-Fernsehdirektor Christoph Hauser einen roten Buzzer gedrückt, der genauso aussah wie der bei „The Voice of Germany“ und damit das Multimediastudio offiziell in Betrieb genommen. Es sei wichtig für die jungen Formate, die Eins Plus seit April am Abend zeigt, einen zentralen Produktionsort zu haben, an dem man trimedial arbeiten könne, sagte Hauser. „Hier können junge Medienmacher ihrer Kreativität freien Lauf lassen, um zu experimentieren und neues Fernsehen zu entwickeln.“

Für Radio, Fernsehen und Internet

Im E-Lab, einem früheren Hörfunkstudio auf dem SWR-Gelände in Baden-Baden, haben nun Ein-Plus-Sendungen wie „Beatzz“, „Reload“ oder eben „DasDing.tv“, die vorher an verschiedenen Standorten produziert wurden, eine gemeinsame Heimat; gleichzeitig können in dem 260 Quadratmeter großen Raum Interviews, Unplugged-Auftritte von Bands oder Live-Veranstaltungen stattfinden und trimedial verarbeitet, das heißt sowohl in Radioprogrammen etwa von SWR3 oder DasDing, als auch im Fernsehen und im Internet ausgespielt werden.

„Wir haben hier einen filebasierten Medienworkflow“, erklärt der E-Lab-Projektleiter Ralf Baron. Früher mussten die Mitarbeiter Datenträger zwischen Hörfunk- und Fernsehabteilungen hin und her transportieren, nun landen die Programminhalte auf einer zentralen Plattform, auf die die unterschiedlichen Medien zugreifen können. Der Produktionsbetrieb werde dadurch schneller, einfacher, flexibler – „smarter“, wie Baron sagt

Raum für digitale Kulissen

. So lässt sich zum Beispiel die Kulisse, in der der Moderator Stefan Bächle normalerweise seinen Computerspiel-Check bei „DasDing.tv“ anstellt, einfach zur Seite schieben. Dahinter kommt ein „Green Screen“ zum Vorschein, eine grüne Wand, auf die digitale Kulissen projiziert werden können. Dort können die TV-Macher jetzt spontane Moderationseinfälle ausprobieren. Und während früher beispielsweise Musiker, die sowohl im SWR Fernsehen als auch in den verschiedenen SWR-Hörfunkwellen auftreten sollten, von Studio zu Studio wandern mussten, gibt es für sie nun eine zentrale Anlaufstelle: das medien- und wellenübergreifende E-Lab.

Trimedial, experimentell und jung – das sind die Schlüsselworte bei dem vom SWR verantworteten Spartenkanal Eins Plus, der sich vorgenommen hat, „junge Menschen für junge Menschen Programm machen“ zu lassen und mit dem angestrebten „frischen Fernsehen“ einen Marktanteil von 0,2 Prozent erzielt – so viel, wie die übrigen Digitalkanäle von ARD und ZDF auch.

Der Intendant wird belohnt

Da passte es gut, dass just zur Einweihungsstunde in Baden-Baden die Nachricht hereinplatzte, dass die ARD-Intendanten bei ihrer Hauptversammlung in Köln den SWR beauftragt hatten, Verhandlungen mit dem ZDF über die Gründung eines Jugendkanals aufzunehmen; Eins Plus sowie ein ZDF-Spartenkanal sollen dafür fusionieren. Denn damit darf sich der SWR-Intendant Peter Boudgoust für sein Engagement belohnt sehen. Der SWR-Chef ist seit Jahren ein leidenschaftlicher Verfechter eines solchen Spartensenders für die Vierzehn- bis 29-Jährigen und hat Eins Plus als eine Art Probebetrieb installiert; bei anderen ARD- und ZDF-Verantwortlichen war ein Jugendkanal dagegen heftig umstritten. Mit dem neuen E-Lab ist man seitens Eins Plus für das Abenteuer Jugendkanal jedenfalls bestens gewappnet.

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