Das Ende der Hiltenburg Wertdepot geht in Flammen auf

Von  

Die neueste Ausgabe des Historischen Jahrbuchs für den Kreis Göppingen befasst sich ausgiebig mit dem tragischen Ende der Hiltenburg. Die Ruine bei Bad Ditzenbach ist mittlerweile eine der am besten erforschten Burgen im Land.

Nicht nur wegen der Ausgrabungen ist die Hiltenburg eine der am besten erforschten Ruinen in Baden-Württemberg. Foto: Kreisarchiv
Nicht nur wegen der Ausgrabungen ist die Hiltenburg eine der am besten erforschten Ruinen in Baden-Württemberg. Foto: Kreisarchiv

Bad Ditzenbach - Der Böllerschlag schallte von der Hiltenburg durch das Tal und ließ den Landsknechten des württembergischen Herzogs Ulrich, die in einem Wirtshaus in Gosbach ihre Suppe schlürften, vor Schreck die Löffel aus der Hand fallen. Was an dieser Schilderung über das Ende der Hiltenburg historische Wahrheit und was literarische Fiktion ist, hat der ehemalige Latein- und Geschichtslehrer des Geislinger Helfen­steingymnasiums, Karlfriedrich Gruber, in seinem Beitrag für das neueste Jahrbuch des Geschichts- und Altertumsvereins Göppingen minutiös herausgearbeitet.

Ein Schuss aus Übermut

Fest steht, dass dieser Schuss, abgefeuert aus Übermut und um die herzöglichen Truppen zu necken, dem als Wüstling verschrienen Herzog Ulrich den entscheidenden Vorwand lieferte, um die Burg mit ihrer 1000-jährigen Geschichte ein für allemal auszulöschen. Denn den Burgherren, Graf Ulrich von Helfenstein, hatte der Herzog, der gerade mühevoll die Reichsacht hatte abschütteln können, nicht zu Unrecht als Feind ausgemacht. Am 9. November 1516, drei Wochen nach der Besetzung durch herzögliche Truppen, ging die Hiltenburg, die den Helfensteinern als repräsentatives Schloss und vielen vermögenden Wiesensteiger Bürgern als vermeintlich sicheres Wertsachendepot diente, in Flammen auf.

„Es war mein Ziel, alle auffindbaren Quellen auszuwerten“, sagte Gruber bei der Buchvorstellung. Das erwies sich als aufwendig, denn die Akten im Ludwigsburger Staatsarchiv waren ziemlich unsortiert. „Ich musste sie erst ordnen.“ Den 82-Jährigen kostete das ein halbes Jahr.

Der Gatte weilt mit Beinbruch am Bodensee

So ließ der zweite Teil seiner Geschichte der Hiltenburg – den ersten veröffentlichte er in Band 16 – ein wenig auf sich warten. Doch jetzt berichtet er eindrucksvoll auf mehr als 100 Seiten über die letzten Wochen der Burg und die verzweifelten Versuche der 21-jährigen Gräfin Katharina von Helfenstein, das Schlimmste zu verhindern. Sie hatte wohl ein vitales Interesse, schließlich gehörte die Hiltenburg zu ihrer Witwenversorgung. Gleichwohl waren ihre Möglichkeiten begrenzt, weil „ihr als einer Weibsperson nicht geziemt noch gebührt, in solcher Handlung wegen des Schlosses ohne Wissen und Willen ihres Gemahls etwas zu tun“. Ihr Mann weilte jedoch beim Hoftag mit Kaiser Maximilian in Augsburg, zog sich bei einem Sturz vom Pferd einen Beinbruch zu und reiste zur Behandlung zu einem berühmten Arzt nach Lindau weiter. Zeitweise wusste die junge Gräfin, die zum vierten Mal schwanger war, gar nicht, wo sich ihr Gemahl befand.

Ergänzt wird der Band unter anderem durch Ausgrabungsberichte ebenfalls von der Hiltenburg. Sie zähle damit, so stellte der Kreisarchivar Stefan Lang, stolz fest, mittlerweile zu den am besten erforschten Burgen in Baden-Württemberg.