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VfB Stuttgart Die 15. Momentaufnahme

Thomas Haid, 03.12.2012 17:28 Uhr

Fürth - Das Beste an Greuther Fürth ist der Kuchen von Frau Hack. Ganz so direkt drückt sich Bruno Labbadia zwar nicht aus, doch der Kuchen ist das Erste, was dem Trainer des VfB Stuttgart in der Pressekonferenz nach dem 1:0-Erfolg bei dem neuen Schlusslicht aus Franken einfällt. „Hier gibt es ja noch den guten Kuchen von Frau Hack“, sagt Labbadia. Er weiß das, weil er die süßen Stückchen in der Saison 2007/08 regelmäßig gegessen hat. Damals betreute er Greuther Fürth, wo die Chefin für ihre Gäste noch selber bäckt. Der Mann von Frau Hack ist der Vereinspräsident.

Damit ist der Kuchen von Frau Hack wenn schon nicht das Beste, so doch mit das Beständigste bei der SpVgg Greuther Fürth. Daran dürfte sich Labbadia noch lange erinnern. Aber viel mehr wird bei ihm von dem Auftritt am Samstag auch kaum hängenbleiben. Es war erneut eine Momentaufnahme mit beschränkter Aussagekraft. „Wir denken nur von Spiel zu Spiel“, sagt der Manager Fredi Bobic auch deshalb.

Momentaufnahme an Momentaufnahme

Der VfB ist in dieser Beziehung jedoch kein Einzelfall. Der Fußball wird immer schnelllebiger. Rauf und runter geht es in atemberaubendem Tempo. Es fällt inzwischen schwer, Tendenzen und Strategien zu erkennen – was für die meisten Clubs in der Bundesliga gilt. Die Momentaufnahme überlagert alles. „Das war ein perfekter Tag für uns“, sagt Labbadia in Fürth. Aber was daraus für die Zukunft folgt, weiß er nicht.

So reiht sich Momentaufnahme an Momentaufnahme. Vielleicht hilft jedoch ein Blick in die jüngere Vergangenheit, um die Perspektive dahinter zu beleuchten. 15 Momentaufnahmen sind in dieser Saison vorbei. Der VfB hat bei vier Unentschieden sechsmal gewonnen und fünfmal verloren. Bobic und Labbadia haben registriert, dass die Niederlagen mit Ausnahme des 0:1 zum Auftakt gegen Wolfsburg klar ausgefallen sind – 1:6 beim FC Bayern, jeweils 0:3 gegen Hoffenheim und Freiburg und 2:4 gegen Hannover. In den engen Duellen hat die Mannschaft dagegen oft Siege eingefahren wie zuletzt gegen Augsburg und Greuther Fürth. Die Ergebnisse waren dabei knapp, was dann auch in dem ziemlich schlechten Torverhältnis von 17:24 zum Ausdruck kommt. Aber was könnten diese 15 Momentaufnahmen in der Summe bedeuten?

Wenn die Dinge anfangen, aus dem Ruder zu laufen, gibt es offensichtlich keinen Spieler, der das Kommando an sich reißt und die Kollegen aufrüttelt. Das ist zumindest eine mögliche Antwort auf die Frage von oben. Die Charaktere im Kader gleichen sich und sind relativ pflegeleicht. Es sind keine Quertreiber, aber auch keine Querdenker drin, was die Arbeit für Labbadia einerseits vereinfacht. Auf der anderen Seite besteht aber die Gefahr, dass die Gruppe zu harmonisch auftritt und Reizpunkte fehlen. Im Zweifel lehnt sich keiner auf – Bayern, Hoffenheim, Freiburg und Hannover lassen grüßen.

Die Konkurrenz verzeiht keine Schwächen

Dieses Phänomen ist auch in der Nationalmannschaft verbreitet, wo die flache Hierarchie in guten Zeiten zu hervorragenden Leistungen und Ergebnissen führt, aber in schwierigen Zeiten zum Gegenteil. Und manchmal ist es so, dass es in einer Partie zuerst hervorragend und anschließend schwierig sein kann – wie kürzlich bei der Nationalelf gegen Schweden (4:4) oder wie bei den VfB-Spielen in München und gegen Hannover, die nach einer Führung noch in einer Pleite endeten.

Die Konkurrenz verzeiht keine Schwächen. „Die Liga ist gnadenlos geworden“, sagt Labbadia. Und unberechenbar. Siehe Schalke 04. Vor drei Wochen belegte das Team noch den zweiten Tabellenplatz und war für viele Experten ein sicherer Champions-League-Anwärter. 23 Punkte standen auf dem Konto. Der VfB rangierte zehn Zähler dahinter scheinbar abgeschlagen auf Rang zwölf. Am Samstag treffen beide Teams aufeinander. Wenn der VfB gewinnt, hat er mit Schalke punktemäßig gleichgezogen. Aber auch das wäre dann wiederum nur eine Momentaufnahme, die zeigt, wie die Liga funktioniert. Gut nur, dass es da wenigstens noch ein paar zuverlässige Größen wie den Kuchen von Frau Hack gibt.