VfB Stuttgart Die 15. Momentaufnahme

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Auch der 1:0-Sieg bei Greuther Fürth sagt wenig über die Perspektive des VfB aus – was jedoch kein spezifisches Stuttgarter Phänomen ist.

Bruno Labbadia meint, dass die Bundesliga ein gnadenloses Geschäft ist. Foto: dpa 22 Bilder
Bruno Labbadia meint, dass die Bundesliga ein gnadenloses Geschäft ist.Foto: dpa

Fürth - Das Beste an Greuther Fürth ist der Kuchen von Frau Hack. Ganz so direkt drückt sich Bruno Labbadia zwar nicht aus, doch der Kuchen ist das Erste, was dem Trainer des VfB Stuttgart in der Pressekonferenz nach dem 1:0-Erfolg bei dem neuen Schlusslicht aus Franken einfällt. „Hier gibt es ja noch den guten Kuchen von Frau Hack“, sagt Labbadia. Er weiß das, weil er die süßen Stückchen in der Saison 2007/08 regelmäßig gegessen hat. Damals betreute er Greuther Fürth, wo die Chefin für ihre Gäste noch selber bäckt. Der Mann von Frau Hack ist der Vereinspräsident.

Damit ist der Kuchen von Frau Hack wenn schon nicht das Beste, so doch mit das Beständigste bei der SpVgg Greuther Fürth. Daran dürfte sich Labbadia noch lange erinnern. Aber viel mehr wird bei ihm von dem Auftritt am Samstag auch kaum hängenbleiben. Es war erneut eine Momentaufnahme mit beschränkter Aussagekraft. „Wir denken nur von Spiel zu Spiel“, sagt der Manager Fredi Bobic auch deshalb.

Momentaufnahme an Momentaufnahme

Der VfB ist in dieser Beziehung jedoch kein Einzelfall. Der Fußball wird immer schnelllebiger. Rauf und runter geht es in atemberaubendem Tempo. Es fällt inzwischen schwer, Tendenzen und Strategien zu erkennen – was für die meisten Clubs in der Bundesliga gilt. Die Momentaufnahme überlagert alles. „Das war ein perfekter Tag für uns“, sagt Labbadia in Fürth. Aber was daraus für die Zukunft folgt, weiß er nicht.

So reiht sich Momentaufnahme an Momentaufnahme. Vielleicht hilft jedoch ein Blick in die jüngere Vergangenheit, um die Perspektive dahinter zu beleuchten. 15 Momentaufnahmen sind in dieser Saison vorbei. Der VfB hat bei vier Unentschieden sechsmal gewonnen und fünfmal verloren. Bobic und Labbadia haben registriert, dass die Niederlagen mit Ausnahme des 0:1 zum Auftakt gegen Wolfsburg klar ausgefallen sind – 1:6 beim FC Bayern, jeweils 0:3 gegen Hoffenheim und Freiburg und 2:4 gegen Hannover. In den engen Duellen hat die Mannschaft dagegen oft Siege eingefahren wie zuletzt gegen Augsburg und Greuther Fürth. Die Ergebnisse waren dabei knapp, was dann auch in dem ziemlich schlechten Torverhältnis von 17:24 zum Ausdruck kommt. Aber was könnten diese 15 Momentaufnahmen in der Summe bedeuten?

Wenn die Dinge anfangen, aus dem Ruder zu laufen, gibt es offensichtlich keinen Spieler, der das Kommando an sich reißt und die Kollegen aufrüttelt. Das ist zumindest eine mögliche Antwort auf die Frage von oben. Die Charaktere im Kader gleichen sich und sind relativ pflegeleicht. Es sind keine Quertreiber, aber auch keine Querdenker drin, was die Arbeit für Labbadia einerseits vereinfacht. Auf der anderen Seite besteht aber die Gefahr, dass die Gruppe zu harmonisch auftritt und Reizpunkte fehlen. Im Zweifel lehnt sich keiner auf – Bayern, Hoffenheim, Freiburg und Hannover lassen grüßen.

Die Konkurrenz verzeiht keine Schwächen

Dieses Phänomen ist auch in der Nationalmannschaft verbreitet, wo die flache Hierarchie in guten Zeiten zu hervorragenden Leistungen und Ergebnissen führt, aber in schwierigen Zeiten zum Gegenteil. Und manchmal ist es so, dass es in einer Partie zuerst hervorragend und anschließend schwierig sein kann – wie kürzlich bei der Nationalelf gegen Schweden (4:4) oder wie bei den VfB-Spielen in München und gegen Hannover, die nach einer Führung noch in einer Pleite endeten.

Die Konkurrenz verzeiht keine Schwächen. „Die Liga ist gnadenlos geworden“, sagt Labbadia. Und unberechenbar. Siehe Schalke 04. Vor drei Wochen belegte das Team noch den zweiten Tabellenplatz und war für viele Experten ein sicherer Champions-League-Anwärter. 23 Punkte standen auf dem Konto. Der VfB rangierte zehn Zähler dahinter scheinbar abgeschlagen auf Rang zwölf. Am Samstag treffen beide Teams aufeinander. Wenn der VfB gewinnt, hat er mit Schalke punktemäßig gleichgezogen. Aber auch das wäre dann wiederum nur eine Momentaufnahme, die zeigt, wie die Liga funktioniert. Gut nur, dass es da wenigstens noch ein paar zuverlässige Größen wie den Kuchen von Frau Hack gibt.

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14 KommentareKommentar schreiben

Perspektive: Olà, korrekt erkannt, die Perspektive ist entscheidend, aber auch dabei gibt es wohl ein 'kurzfristig' und ein 'langfristig' und auch hier entscheidet jeder für sich, in welchen Zeitskalen diese beiden Zuordnungen unterzubringen sind. Und gerade weil die Leistungsdichte zwischen Pl.4 und Pl. 15 extrem eng ist ist der Trainer/Trainerstab das Zünglein an der Waage. Wie im Hochleistungssport generell, es entscheidet im Duell die Einstellung im Kopf, und wie dieser dann eingestellt wird. Und da hat der Klub m.E. aktuell 'Luft nach oben'....

@razor: was die Perspektive und die icht darauf anbelangt haben Sie vollkommen recht. Gerade die halte ich aktuell bei uns für gar nicht schlecht. aus meiner Sicht müssen Bobic und Labbadia aber die Zeit bekommen, hier was zu formen. Die beiden leisten aus meiner Sicht sehr gute Arbeit, aber das geht nicht von heute auf morgen. Siehe BVB. Vor einigen Jahren pleite und fast abgestiegen, heute auf dem Weg zum vielleicht CL Titel. Das Hauptproblem in Stuttgart ist die jedes Jahr riesige Erwartungshaltung, die aus meiner Sicht verhindert bzw. erschwert, konsequente Aufbauarbeit zu leisten. Zur Momentaufnahme: 'Dreckige Siege' gehören zum Fussball seit Beginn dieses Sports, sind nicht nur Punktebinger, sondern können den weiteren Verlauf einer Saison massgeblich positiv beeinflussen. Umgekehrt aber genauso: ich darf an unsere Eröffnungsspiel gegen Wolfsburg (0:1) erinnern. Schade, dass unsere Dauernörgler eine sieg nicht einfach nur hinnehmen können, auch wenn er nicht glanzvoll war, sondern selbst da noch immer draufhauen. Ich finde das peinlich.

....: es scheint als spiele der VfB nur noch unterdurchschnittlich, um genau zu sein, waren das nur die letzten beiden Spiele gegen Augsburg und Fürth in denen man 'dreckig' gewonnen hat. Das man in Bukarest ein Feuerwerk ab gebrannt hat und 5:1 gewonnen hat scheint schon keinen mehr interessieren, und das kann nicht wirklich nur an einem schlechten Gegner liegen, so schlecht stand Bukarest vor dem Spieltag nicht! Das 2:2 gegen Leverkusen war auch ganz ansehnlich, dass 0:0 der besseren Sorte in Dortmund auch sehr unterhaltsam, Der Sieg gegen Frankfurt war auch okay, erste Halbzeit Hannover und zweite Halbzeit Bremen sehr schneller und zielstrebiger Fußball.... also nur schlechte Spiele raus zu picken und zu sagen die Mannschaft entwickelt sich zurück dass ist relativ einfach! Leider hat der schön anzuschauende Fußball nicht immer zum Sieg geführt teils dadurch dass nur eine Halbzeit gut gespielt wurde, teils dadurch dass man etwas unglücklich vor dem Tor agiert hat... nichts desto trotz meine ich mich zu erinnern dass der VfB beispielsweise in der Meister Saison auch nicht wirklich anderen Fußball gespielt hat, da wurden die Spiele gerade zum Schluss der Runde hin auch zum Teil sehr 'dreckig' & glücklich gewonnen! VfB - ein Leben lang!

die aussicht ist entscheidend: @ donnie nicht das hier und jetzt ist entscheidend oder die momentaufnahme, um den artikel aufzugreifen, sondern die perspektive. und da sieht es nun mal nicht so rosig aus. top-talente haben es bei bl grundsätzlich sauschwer. leider versteht es labbadia nicht, talente wie rüdiger, holzhauser & co. richtig zu fördern. außerdem hat der vfb in letzter zeit ausgesprochen viel dusel gehabt und da sich bekanntlich alles ausgleicht, sollte man sich in den nächsten spielen auf pech einstellen. das könnte schon gegen schalke der fall sein. die perspektive ist daher nicht besonders rosig und die fans sind m.m.n. zurecht nicht zufrieden. es wird zuviel potenzial beim vfb vergeudet. momentaufnahmen sind für mich daher nicht entscheidend. wenn der fan sieht, da ist eine mannschaft mit viel potenzial, mit jungen hungrigen spielern, mit einem trainer, der das riesige potenzial der jugendspieler auch erkennt und nutzt, dann bin ich mir sicher, wird der großteil der fans selbst bei einem platz in der unteren tabellenhälfte nicht unzufrieden sein. es kommt halt immer auf die perspektive an.

ansprüche: Ich weiss nicht was alle VfB fans für Ansprüche haben. Da meint man fast der VfB hat die letzten 10 jahre gespielt wie Barca oder Madrid zu ihren besten Zeiten. Ich gehe schon seit 30 jahren ins Stadion und es gab immer gute und schlechte Phasen beim VfB. Das ist nicht unbedingt wünschenswert aber auch ein Grund warum wir unseren VfB so lieben. Früher ging allgemein im Fußball mehr über den Kampf was heute nicht mehr so der Fall ist. Und dann geht man halt nach nem 2:1 gegen den letzen heim und sagt: Heit warad se et schlecht! Obwohl sie den gleichen Stiefel zusammengespielt haben wie letzten Mittwoch. Wenn man noch 1-2 junge talentierte Spieler dazu holt und noch einen Leitwolf dann werden wir schon bald wieder weniger ''goscha'' . In diesem Sinne: Jaaaaa der VfB

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