Stuttgart - Gemessen an der Reaktion der Medien und der Internetblogger hat die Firma Apple wieder einmal einen Coup gelandet. Kein Medium ohne ausführliche Berichte, kein Blog-Eintrag ohne eine starke Meinung über das iPad, den
neuen Tablet-PC - ein Produkt, das noch kaum jemand in der Hand gehalten hat. Einzelnen Lesern geht die Aufregung bereits zu weit. "Sag mal, habt Ihr sie noch alle?", fragt ein kalle kowlewsky in einem Kommentar auf "Spiegel Online". "Das ist nicht die Mondlandung, das ist auch nicht ein WM-Finale, das ist die Vorstellung eines technischen Geräts. Mehr nicht."
Ausprobieren konnte das neue Gerät der Reporter des Computermagazins "c't", wenn auch nur "für kurze Zeit" im Gedränge der Präsentation in San Francisco. Sein erster Eindruck: das iPad ist zwar nur 1,3 Zentimeter dick und wirkt robust, ist aber "mit knapp 700 Gramm überraschend schwer". Nach dem Einschalten ist das iPad "in wenigen Augenblicken startbereit" und reagiert flott auf Kommandos mit dem Finger auf der Glasscheibe. Besonders schnell lässt sich der Rechner als digitaler Bilderrahmen aktivieren.
USB-Anschlüsse gibt es nicht
Dann aber führt er einige technische Nachteile auf, unter anderem, dass der hell beleuchtete Monitor anstrengend für die Augen sei. Diese und andere Nachteile werden in Blogs und Foren mit Verve diskutiert. Ein indischer Blogger namens Chetan nennt auf thewwwblog.com "elf Gründe, warum das Apple iPad ein großer Fehlschlag ist". Dass Apple da eigentlich nur ein vergrößertes iPhone abliefere, verärgert ihn. Er vermisst eine eingebaute Kamera und GPS, und es gibt keinen USB-Stecker für externe Geräte wie eine Tastatur oder ein Plattenlaufwerk. Der Speicher ist mit 16 bis 64 Gigabyte knapp bemessen.
Aber ein vollwertiger Computer soll das iPad ohnehin nicht sein. Jedoch auch als Internetsurfstation und Buchlesegerät stößt das Gerät nicht auf ungeteilte Begeisterung. Zu groß und zu teuer für das Gedränge in der U-Bahn, und Musik höre man besser mit dem iPod, ist eine häufig geäußerte Kritik. Der Einstiegspreis für das iPad liegt in den USA bei 499 Dollar.
Filme und das Web nur mit Einschränkugen
"Warum ich kein iPad will", erklärt Justin Williams im britischen "Telegraph" und weist darauf hin, dass der eingebaute Browser vorerst weder Java noch Flash unterstütze und damit "30 Prozent von dem, was den Spaß am Web ausmacht, nicht verfügbar ist". Und nicht zuletzt ärgert sich Blogger tony auf techtv101.com über den Bildschirm mit dem Seitenverhältnis vier zu drei, das heutige Filme mit schwarzen Balken oben und unten einrahmt.
Alles nur Genörgel von Technikfreaks? "90 Prozent aller Computernutzer würden mit einer solch eingeschränkten Version auskommen", wehrt sich Kommentator CR auf fscklog.com. Das bestätigt eine Internetumfrage des Nachrichtendienstes ZDnet: 72 Prozent von 631 Abstimmenden waren der Meinung, Apple besetze mit dem iPad eine interessante Marktlücke. Das sehen in einer dpa-Umfrage Sprecher großer deutscher Verlagshäuser wie Burda, Springer und Spiegel ähnlich. Sie alle halten das iPad zumindest für ein interessantes Zusatzmedium, glauben aber nicht, dass es Gedrucktes verdrängen werde.
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