Das Kriegsgeschäft boomt Kampf um Alternativen zur Rüstung

Von  

Die Rüstungsbranche verdient zum Teil gutes Geld – und die Aussichten sind glänzend angesichts der wachsenden Verteidigungsanstrengungen weltweit. Dennoch hofft die IG Metall, mehr Unternehmen für eine Konversion in zivile Produktion zu gewinnen.

Heckler & Koch ist das wohl bekannteste Rüstungsunternehmen im Südwesten. Foto: dpa
Heckler & Koch ist das wohl bekannteste Rüstungsunternehmen im Südwesten. Foto: dpa

Stuttgart - Vielfach verwoben sei die Industrie im Land mit dem Waffengeschäft, hat jüngst Andreas Seifert, Autor des Rüstungsatlas Baden-Württemberg, festgestellt. Der von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung herausgegebene und nach zehn Jahren runderneuerte Atlas zeigt auf, dass mehr als 120 Firmen an gut 70 Standorten an Rüstung beteiligt sind. Eine Branche im Wandel: Früher waren es vor allem Firmen der metallverarbeitenden Industrie, heute wird die Innovationskraft eher in elektronische oder optronische Bauteile investiert. Künftig werde die Softwareentwicklung immer wichtiger.

Wachsende Rüstungsausgaben weltweit füllen den Unternehmen die Kassen, sichern aber auch Arbeitsplätze. So steckt die IG Metall mehr denn je in der Zwickmühle, all ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Denn politisch ist sie gegen das Kriegsgeschäft. „Das Kernproblem der deutschen Wehrindustrie ist, dass sie zugleich zu klein und zu groß ist: Zu groß, um ausschließlich die Bundeswehr zu bestücken und zu klein, um zugleich die Bündnispartner mit auszustatten“, sagt der Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Weil es auf europäischer Ebene keine richtige Koordinierung gebe, werde verschiedentlich das Heil im Export gesucht. Die IG Metall sei aber klar gegen den Export zumal in politisch kritische Länder. Er dürfe nur in europäische Länder und Nato-Staaten gehen. Und selbst da müsse man genau hinschauen.

Die meisten Unternehmen sind Mischkonzerne

Die momentane Rüstungskonjunktur macht sich demnach in den Unternehmen „extrem unterschiedlich“ bemerkbar. Auch der 2014 erfolgte Nato-Beschluss sowie die Absicht zumindest der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), bis 2024 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Militär auszugeben, werde nicht automatisch überall die Auftragsbücher füllen. Deshalb sieht Zitzelsberger „keinen Hype“ in der Branche, sondern eine differenzierte Stimmung.

Bundesweit sind laut IG Metall noch 80 000 bis 100 000 Arbeitsplätze von der Rüstung abhängig, auf Baden-Württemberg dürfte etwa ein Viertel entfallen. Ganz genau lässt sich dies nicht sagen, weil die meisten Unternehmen Mischkonzerne sind: So baut MTU praktisch nebenbei auch Motoren, die in U-Booten und Leopard-Panzern zum Einsatz kommen. „Die Bandbreite ist riesengroß“, sagt Zitzelsberger. Die Branche hat eine jahrzehntelange Verkleinerung hinter sich. Obwohl nicht gravierend abgerüstet wurde auf der Welt, ist sie auch in Baden-Württemberg stark geschrumpft. Schon aus diesem Grund wollen viele Arbeitnehmervertreter bei der Umwandlung in zivile Produktion mitmachen. Diese Bereitschaft sei „ganz eindeutig“ da, befindet der Bezirksleiter.