Das Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg ist Kulturschule Auch Mathematik hat Kultur

Von Patricia Elsner 

Eine von zehn Kulturschulen in Baden-Württemberg steht in Ludwigsburg. Wie das Friedrich-Schiller-Gymnasium das Kulturkonzept umsetzt, haben Schüler und Lehrer jetzt bei einem Rundgang demonstriert. Und der Kultusministerin vorgestellt.

Das Ludwigsburger Schiller-Denkmal Foto: factum/Weise
Das Ludwigsburger Schiller-Denkmal Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Alte Unterrichtsstrukturen aufbrechen, die Schüler wieder mehr für den Unterricht begeistern und dabei Kunst, Theater und Kulturgeschichte fächerübergreifend in den Vordergrund stellen – das ist ein Ziel des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Ludwigsburg, schließlich nennt man sich selbstbewusst Kulturschule. So wie nur noch neun weitere Bildungseinrichtungen im Land. Was es damit auf sich hat, wollte auch die CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann wissen. „Die Rahmenbedingungen sind in Ludwigsburg klasse“, sagt die Ministerin beim Rundgang. „Kooperationspartner wie die Filmakademie sind ja direkt ums Eck.“

Dementsprechend wird der zweistündige Spaziergang, den der Kulturreferent der Schule, Rainer Fanta, organisiert hat, zur Tour d’Horizon darüber, welche Besonderheiten der kulturgeprägte Unterrichts mit sich bringt und mit welchen außerschulischen Partnern das Schiller-Gymnasium seinen Anspruch in die Praxis umsetzt. „Kultur lässt sich nicht nur in Deutsch, Musik und Kunst vermitteln“, sagt Fanta. „Auch in naturwissenschaftlichen Fächern werden kulturelle Aspekte eingebunden.“

Eine exotische Idee

Beispiel Physikunterricht: dort wird die Kulturgeschichte der Elektrizität behandelt, erklärt Fanta. Die sogenannte Voltasäule gilt als der Vorgänger der heutigen Batterie. Die neunte Klasse baut diesen Versuch aus dem Jahr 1800 mit Kupfer- und Zinkplättchen und mit Zitronensäure nach. Ausgenutzt wird auch die Nähe zur Filmakademie und zur Akademie der Darstellenden Künste. „Wir setzen auf gute nachbarschaftliche Verhältnisse mit dem Schiller-Gymnasium“, sagt der Direktor der Filmakademie, Thomas Schadt. „Der ein oder andere Abiturient kommt ja zum Studieren an die Akademie“.

Gefördert wird das auf fünf Jahre angelegte Projekt unter anderem von der Karl Schlecht Stiftung. „Am Anfang war das alles ein recht exotische Idee“, sagt Frank Henssler, der Referent für Bildung und Erziehung der Stiftung. „Ob die Schüler dann Mathe tanzen sollen, wurden wir gefragt.“ Es ginge aber nicht darum, eine neue Schulart zu erfinden, sondern ein anderes, besseres Lernen und eine bessere Förderung für die Schüler anzubieten, sagt der Kunsterzieher Henssler.

Lyrik als Hip-Hop Lied vertont

„Kultur ist etwas, das heutzutage oft hinten angestellt wird“, sagt der Schulleiter Klaus Arnold. „Dabei ist es die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens.“ Daher möchte das Schiller-Gymnasium die Kultur stärker in den Vordergrund stellen. Und kulturelle Inhalte fächerübergreifend vermitteln. In Mathematik kann beispielsweise mit architektonischen Beispielen gerechnet werden, in Deutsch arbeitet die Schule mit Musikern zusammen, die mit den Schülern deutsche Lyrik in Form von moderner Hip-Hop-Musik vertonen. „Das macht den Schülern natürlich mehr Spaß als der übliche Frontalunterricht“, sagt Fanta.

Mit den rund 30 000 Euro, die die Schule von den Förderern erhält, werden die beauftragten Künstler bezahlt. Einige Projekte sind in den Unterricht eingebunden und für alle verpflichtend, andere werden zusätzlich angeboten. Wie zum Beispiel ein Theaterprojekt der Kunstschule Labyrinth für die fünften Klassen. Dieser Partner markiert das Ende der Führung. Im Innenhof bauen Schüler der elften Klasse im Rahmen ihrer Kunstunterrichts einen Pavillon, eine Art kleines Häuschen, das später einmal auf dem Schulhof des Schiller-Gymnasiums stehen und als Lernkabine und Ruheraum dienen soll. Im Inneren der Kunstschule produziert eine weitere Schülergruppe abstrakte Skulpturen unter Anleitung einer freischaffenden Künstlerin.

Das Projekt läuft noch bis 2020

Gute Bedingungen für Kulturschulen gebe es jedoch nicht nur in Ludwigsburg, sagt Fanta. Auch in anderen Städten fänden sich Kooperationspartner, Kunst- und Musikschulen oder Hochschulen wie die Popakademie in Mannheim oder die Kunstakademie in Karlsruhe. „In jedem Fall profitieren beide Seiten von der Zusammenarbeit“, sagt Ministerin Eisenmann. „Das haben mir die Kooperationspartner bei der Tour bestätigt.“ Vorerst läuft das Projekt der Kulturschulen bis zum Jahr 2020. Wie es danach weitergeht, ist noch offen.