Das Stuttgarter Wetter im Februar Der Winter geht – ohne einen neuen Wärmerekord

Von Jürgen Löhle 

Seit dem 1. März ist der Winter vorbei – zumindest in der Statistik der Meteorologen. In Stuttgart war die kalte Jahreszeit für alle enttäuschend, die Schnee und Kälte mögen. Und auch die Sonne hielt sich im Februar stark zurück.

Ein Schirm als Farbtupfer in einem trüben und nassen Februar 
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Ein Schirm als Farbtupfer in einem trüben und nassen Februar Foto:dpa

Stuttgart - Die Meteorologen erklären uns ja seit Jahren immer wieder, dass sich der Mensch heftig irrt, wenn er glaubt, früher sei zum Beispiel ein Monat wie der Februar immer sibirisch kalt und schneereich, mithin also winterlich gewesen. Das gab es zwar schon auch, aber ganz sicher nicht immer. So saßen zum Beispiel am 24. Februar anno 1990 die Stuttgarter bei fast schon frühsommerlichen 21,4 Grad an eilig aufgestellten Caféhaus-Tischen und fingen sich den ersten Sonnenbrand des Jahres ein. Wärmer war es nie mehr an einem Februartag in Stuttgart. 1990 war der Skilift am Piz Mus noch in Betrieb, der Hang wurde aber von Menschen malträtiert, die mit so genannten Grasski den Hang aufschlitzten, bis der aussah wie nach einer Übung der Bundeswehr mit schwerem Gerät.

Warme Wintermonate gab es also auch schon früher. Auch der Februar 2016 zählt zu den statistisch milden – aber nicht dramatisch. Mit durchschnittlich fünf Grad an der Wetterstation Schnarrenberg lag der Februar zwar 3,1 Grad über dem langjährigen Mittel von 1,9 Grad, doch rekordverdächtig war das nicht. „Damit kommt der Februar 2016 nicht unter die wärmsten zehn“ erklärt Klaus Riedl vom Deutschen Wetterdienst. Der Meteorologe hat ganz andere Zahlen in seiner Datenbank. So war es zum Beispiel im Super-Februar 1990 im Schnitt 7,6 Grad warm und das zu einer Zeit, als das Wort Klimawandel noch weitgehend unbekannt war. 1956 dagegen schlotterte die Stadt im Februar bei durchschnittlich Minus 8,8 Grad. „Das war eine kleine Eiszeit in Stuttgart,“ sagt Riedl.

Schnee gab es im Februar keinen

Mit Eistruhenwetter kann der Februar 2016 nicht dienen. Grob gesagt war der Februar meteorologisch eher unspektakulär. Etwas zu mild, deutlich zu nass (130,6 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge) und mit nur 62,8 Prozent des langjährigen Mittels beim Sonnenschein so trüb wie ein aufgeweichtes Wahlplakat im Nebel. Erstaunlich war allerdings die Spreizung. Kaum zu glauben, aber am Flughafen war es am 27. Februar mit Minus 8,6 Grad über dem Boden tatsächlich so kalt, wie viele den Monat einschätzen. Rund um das Flugfeld wurde auch die höchste Temperatur gemessen. Am 22. Februar stieg das Thermometer auf 15,7 Grad. Mild, aber nicht ungewöhnlich. Was allerdings komplett fehlte, war das Weiß. Zwar fiel am Airport an 14 von 29 Tagen Schnee oder Graupel aus den Wolken, für eine geschlossene Schneedecke reichte es aber nicht.

Nur ein Winter war milder als der aktuelle

Mit Beginn des März endete für die Meteorologen der Winter – auch wenn der aktuell im Städtle noch mal einen kleinen, schmuddeligen Anlauf wagt. Insgesamt war der Winter 2016, also die Periode vom 1. Dezember bis zum 29. Februar, mit einer Durchschnittstemperatur von 5,2 Grad der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. 2007 war es mit 5,4 Grad noch eine Tick wärmer, aber es geht auch anders. Der Winter 1963 markiert mit durchschnittlich Minus 4,4 Grad Stuttgarts Kältepol. Damals fror auch zum bisher letzten Mal der Bodensee komplett zu. Gegen den knackigen Frost feuerte der gemeine Stuttgarter damals, was der Ofen hergab. Eine Feinstaubmessung gab es noch nicht. Für den Winter light 2016 reichte dagegen ab und an ein trockenes Scheitle Buche mehr im Komfortkamin, wenn überhaupt.

Und jetzt ist also Frühling in der Stadt. Zumindest meteorologisch. Bevor sich jemand beschwert – das aktuelle Wetter ist für Anfang März nicht zu kalt, sondern ganz gewöhnlicher Durchschnitt. Das sagt zumindest der Meteorologe Klaus Riedl.

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