Das Windrad kann weiter gebaut werden
"Leonberger Kreiszeitung", 09.11.2011 02:46 Uhr
Ingersheim Die Richter lehnen den Eilantrag der Projektgegner ab - der Rotor soll bis Ende 2011 in die Höhe wachsen. Von Tim Höhn

Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat den von Projektgegnern eingereichten Eilantrag gegen den Bau des Windrads auf der Ingersheimer Höhe abgelehnt. Wie die zuständige 3. Kammer des Gerichts gestern bekannt gab, sei die Genehmigung des Vorhabens "voraussichtlich rechtmäßig". Das 3,6-Millionen-Euro-Projekt kann damit wie geplant weiter gebaut werden. "Wir haben nichts anderes erwartet, nehmen die Entscheidung aber mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis", sagt Dieter Hallmann aus dem Vorstand der hinter dem Vorhaben stehenden Energiegenossenschaft.

Das Fundament für das 180 Meter hohe Windrad ist bereits gegossen. Möglichst noch in diesem Jahr, sagt Hallmann, soll die Anlage betriebsbereit sein und Strom produzieren. Das Ludwigsburger Landratsamt hatte das Projekt Anfang des Jahres genehmigt. Gegen diese Genehmigung richtete sich der Eilantrag, mit dem ein Ehepaar aus Ingersheim einen sofortigen Baustopp erzwingen wollte. Der Ehemann, Peter Hitzker, ist Vorsitzender einer Bürgerinitiative, die sich gegen das Windrad formiert hat. Die Mitglieder machen naturschutzrechtliche Bedenken geltend und befürchten, dass ihre Immobilien künftig weniger wert sind - unter anderem, weil der Rotor Lärm verursache und einen enormen Schatten werfe. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Der in einem Gutachten prognostizierte Schall bleibe innerhalb der Norm, erklärt die Kammer. Auch der Schattenschlag führe nicht "zu schädlichen Umweltauswirkungen auf das Wohnhaus der Antragsteller". Zumal das Haus 720 Meter von der Windkraftanlage entfernt sei.

Beendet ist die juristische Auseinandersetzung damit nicht - weshalb die Kammer den einschränkenden Zusatz "voraussichtlich" rechtmäßig verwendet. Zum einen können die Eheleute gegen den Beschluss Beschwerde beim baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof einlegen. Zum anderen haben sie zusätzlich eine Klage eingereicht, über die noch entschieden werden muss.

Die Chancen der Anwohner auf einen juristischen Erfolg indes sind gestern gesunken. "Die Entscheidung über den Eilantrag ist sicher ein Fingerzeig ist", sagt Ulrike Zeitler, die Sprecherin des Verwaltungsgerichts. Vor diesem Hintergrund appellieren die Bauherren nun an die Projektgegner, den Widerstand aufzugeben. "Es wäre für alle das Beste", sagt Dieter Hallmann.

Tatsächlich haben zwei Mitglieder der Bürgerinitiative einen Rückzieher gemacht. Denn ein weiteres Ehepaar, das gegen das Projekt geklagt hatte, ließ diese Klage unlängst fallen. "Momentan ruft alle Welt nach regenerativen Energien - da haben wir keine Chance", erklären die beiden. Doch eine Klage ist noch übrig, und Frieden nicht in Sicht. "Wir haben alle gemeinsam entschieden, dass das juristische Verfahren bis zur letzten Instanz geführt werden soll", sagt Walter Müller, der Sprecher der Initiative. Darüber hinaus hat Müller in den vergangenen Wochen unzählige Landtagsabgeordnete, Bürgermeister, Stadträte und Mitglieder des Regionalparlaments angeschrieben und darin die Argumente gegen den Rotor in Ingersheim aufgelistet. "Wir kämpfen weiter", sagt er.

Dieter Hallmann und die Genossenschaft planen derweil ihre nächsten Schritte. In mehreren Tranchen wird die Windkraftanlage in den kommenden Wochen zur Baustelle transportiert, die Gondel und die Rotorblätter kommen aus Norddeutschland, die 24 Segmente des Turms werden aus Magdeburg angeliefert. Ein Kran, und zwar einer der höchsten in Deutschland, ist schon organisiert. Sorgen macht sich Hallmann momentan nur wegen des Wetters. Für den Aufbau brauche man einige ruhige und frostfreie Tage. Vielleicht, sagt er, rotiert der Rotor schon im Dezember - "sonst eben spätestens im Frühjahr".

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