
Der Wind weht stetig über die Felder östlich von Welzheim, und dank der Brise drehen sich die 30 Meter langen Flügel der Windkraftanlage vom Typ Fuhrländer unter leisem Surren. Für Peter Fleischmann, den Geschäftsführer der Bürgerwind Welzheim, ein erfreulicher Anblick. Es war ein langer Weg, bis das Windrad mit einer Nabenhöhe von 70 Metern kurz vor Weihnachten 2004 aufgestellt worden ist. Jetzt ist die Gruppe mit dem Namen Bürgerwind dabei, weitere Projekte dieser Art zu planen - in einer Zeit, in der sich der politische Wind für diese Form der Stromerzeugung spürbar gedreht hat. Dem Welzheimer Gemeinderat hat er vor kurzem mit einer Gruppe von Mitstreitern die Ergebnisse einer Zukunftswerkstatt vorgestellt, wie der Strom die Stadt künftig erzeugt werden könne, berichtet der 64-Jährige. "Das meiste Potential für den Strom bietet für Welzheim eindeutig die Windenergie."
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass sich in Welzheim die erste Gruppe bildete, welche die Nutzung von regenerativen Energien in den Blick nahm. Kristallisationspunkt seien die Besuche des verstorbenen SPD-Bundestagsabgeordneten und Träger des alternativen Nobelpreises Herrmann Scheer in der Limesstadt gewesen. "Er hat diese Entwicklungen alle vorausgesagt", sagt Peter Fleischmann. 1997 war es dann, als sich eine kleine Gruppe von Windenergiebefürwortern zusammentat und man die Planungsaufgaben unter sich aufteilte. Eine unscheinbare Entwicklung, doch diese Aufgabenteilung war der Garant für den späteren Erfolg gewesen, sagt Peter Fleischmann. Er habe Windkraftaktive kennen gelernt, die diese Aufgabe hätten alleine stemmen wollen und Schäden am Nervenkostüm davongetragen hätten.
Die Jahre der Planung waren ein beständiges Auf und Ab. Die damalige Landesregierung unter Erwin Teufel war kein Förderer von Windenergie, auch auf lokaler Ebene gab es viele Kritiker. Selbst die örtlichen Banken hätten Probleme gehabt mit der Vorstellung, ein Darlehen ließe sich mit den Stromerlösen aus dem Wind abbezahlen. "Letztendlich sind wir ohne die Banken angekommen", sagt Peter Fleischmann. Es gelang, einen Kreis von 70 Geldgeber zu gewinnen, von denen die meisten im Kreis zuhause sind.
Zwar sind alle Darlehen laut Peter Fleischmann in einigen Jahren zurückgezahlt, die Winderträge der Anlage blieben jedoch hinter den ersten Erwartungen zurück. "Die 70 Meter Nabenhöhe sind ein Kompromiss" sagt der Bürgerwind-Geschäftsführer. Diese Höhe führe dazu, dass die Rotoren in die Verwirbelungen des Waldes gerieten. Optimal wären zumindest 100 Meter Nabenhöhe gewesen, heutzutage plane man mit 140 Metern. Das wäre, so sagt Peter Fleischmann, auch die Höhe, die er für weitere Anlagen in Welzheim für optimal hielte.


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Trugschluß
Energetische unabhängigkeit durch Windkraft ist eine Utopie. Vor allen Dingen, wenn solche Windräder wie bei Welzheim aufgestellt werden. Die Energieausbeute ist ein Witz. Mit 1,2 Millionen Kilowattstunden hat man gerechnet und wie sieht die Wirklichkeit aus? Durchschnitt der letzten 4 Jahre = 800635 Kilowattstunden, also ein Drittel weniger. Das zeigt mit aller Deutlichkeit, dass die von den Initiatoren vorgelegten Windprognosen allesamt falsch sind und eine erhöhte Förderung nach dem EEG-Gesetz nicht hätte bezahlt werden dürfen. Bevor die Welzheimer Umweltgruppe an weitere Bauten denkt, sollt sie lieber mal warten, ob sie bei ihrem jetztigen Projekt überhaupt mit einem blauen Auge davon kommt. Welzheim ist unter Berücksichtigung von Naturschutz und Schutz der Bevölkerung (Lärm, Schattenschlag usw.), für Windkraftanlagen nicht optimal, dass zeigt auch der neue Windatlas. Da können auch 140 Meter Nabenhöhe und 180 Meter Gesamthöhe nicht weiterhelfen. Die Kosten steigen nämlich mindestens im gleichen Verhältnis mit der Windenergieausbeute mit. Welzheim sollte sich lieber auf den Tourismus verlassen, siehe auch die sehr gute Annahme der erst 2010 reaktivierten Eisenbahnstrecke. Welzheim ist ein Luftkurort und nicht ein Windkurort.