Datenschutz bei Google
Erst speichern, dann fragen
Helmut Merschmann,
18.05.2010 06:59 Uhr
Eines der mittlerweile bekannten Google-Autos, das die Umgebung fotografiert und Funknetze ausgespäht hat. Foto: dpa
Stuttgart - Seit jeher hat Google in juristischen Angelegenheiten die Salamitaktik angewendet. Im Vertrauen darauf, der Rechtsprechung stets um Nasenlängen voraus zu sein, verfolgt der Suchmaschinenriese ungeniert seine Ziele. Zugeständnisse erfolgen nur scheibchenweise und auf öffentlichen Druck. Sei es beim Datenschutz oder beim Urheberrecht: der Konzern nutzt bestehende Unklarheiten und Gesetzeslücken für sich aus und setzt eine Unschuldsmiene auf, wenn er auf frischer Tat ertappt wird. So wertet Googles E-Mail-Dienst Gmail zum Beispiel die Korrespondenz seiner Kunden aus, um passende Werbung auszusuchen. Und auch das soziale Netzwerk Facebook, das zum Google-Imperium gehört, musste bereits viel Kritik wegen mangelnder Privatsphäre einstecken. Wo Google draufsteht, ist gewöhnlich wenig Datenschutz drin.
Beim Urheberrecht bietet sich ein ähnliches Bild: Der Konzern fühlte sich erst bemüßigt, Zugeständnisse zu machen, als die Verlagsbranche auf die Barrikaden ging - und Millionen Bücher bereits eingescannt worden waren. Vergleichbar mühsam hatte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) jüngst eine Einigung für Googles Dienst Street View erzielt und dem Konzern das Recht abgetrotzt, gegen die Detailaufnahme des eigenen Grundstücks, Gesichts oder Kfz-Zeichens Widerspruch einlegen zu können. Neunzig Prozent der deutschen Straßen sollen bereits für Street View erfasst sein. Der Großteil der Daten wird nun in den USA verarbeitet. Das Eingeständnis Googles vom Wochenende, auch Bruchstücke des Datenverkehrs über private Funknetze aufgezeichnet und gespeichert zu haben, ragt aus den diskutierten Fällen zwar heraus, doch auch hier reagierte Google erst auf öffentlichen Druck.
Dem Konzern sitzen das Verbraucherschutzministerium und die Datenschutzbehörden im Nacken. "Wir wollen von Google wissen, welche Daten erhoben worden sind und wie sie gespeichert, vernetzt und vermarktet werden", sagt Holger Eichele, Sprecher im Bundesverbraucherministerium. Bei der Hamburger Datenschutzbehörde wird zurzeit geprüft, ob es zu bußgeldrelevanten Verstößen gegen den Datenschutz gekommen ist. Der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar will sich bis Ende dieses Monats eine Festplatte von Google vorlegen lassen und die Möglichkeit überprüfen, ob neben unverschlüsselten Daten aus privaten Funknetzen auch verschlüsselte aufgezeichnet worden sind und ob diese rekonstruiert werden können. Kontraproduktiv wäre es, wenn Google bis dahin alle erhobenen Datensätze wieder gelöscht hätte. In Irland hat der Konzern damit bereits angefangen.
Das Muster ist immer dasselbe: Google scannt und fotografiert unbekümmert und lässt sich erst ausbremsen, wenn sich genügend Protest formiert hat. Von allein macht sich der Konzern nicht die Mühe, die Rechtslagen und kulturellen Befindlichkeiten in unterschiedlichen Ländern zu berücksichtigen. Seit Jahren machen etwa deutsche Verbraucherschützer auf das zentrale Problem aufmerksam: Google ist keine reine Suchmaschine mehr, sondern ein Datensammellager, das sich nicht in die Karten schauen lässt.
Solange aber die Öffentlichkeit die vielen praktischen Dienste von Google begeistert und ohne Widerspruch nutzt, dürfte das Geschäftsgeheimnis des Konzerns kaum gelüftet werden und der Datenschutz weiter hinter dessen schnellem Agieren herhinken. Ein großer Wurf in der Gesetzgebung ist nicht in Sicht. In der Zeit, in welcher der aktuelle Gesetzestext, um Halbsätze modifiziert, durch die Ausschüsse des Bundesrates gewandert ist, sind vollkommen neue Technologien entstanden. Ortsbezogene Dienste werden den Datenschutz auf die Probe stellen. Das gerade in New York entwickelte Foursquare ist beispielsweise eine Applikation für Smartphones, bei der das soziale Netzwerk über den Standort des Nutzers automatisch informiert wird.
Ob da der Aufruf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Google zu boykottieren, praktikabel ist, erscheint fraglich. Der Verbraucher befindet sich in einem Dilemma. Er wird erst Alternativen zu Google, Facebook und Co. wahrnehmen, wenn diese eine vergleichbare Funktionalität bieten.
Doch das Unbehagen an Googles großen Netzwerken wächst, wie das Beispiel Diaspora zeigt. Momentan ist der Dienst noch nicht viel mehr als die Idee von drei New Yorker Informatikstudenten, die ein soziales Netzwerk errichten wollen, das dem Nutzer die volle Kontrolle über seine Privatsphäre überlässt. Doch möglicherweise mausert sich Diaspora zum ernstzunehmenden Konkurrenten. Denn die Studenten baten beim Spendenportal Kickstarter mehr als 174.000 Dollar für ihr Projekt sammeln können.
Die "Datenkrake" bleibt sich treu
Beim Urheberrecht bietet sich ein ähnliches Bild: Der Konzern fühlte sich erst bemüßigt, Zugeständnisse zu machen, als die Verlagsbranche auf die Barrikaden ging - und Millionen Bücher bereits eingescannt worden waren. Vergleichbar mühsam hatte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) jüngst eine Einigung für Googles Dienst Street View erzielt und dem Konzern das Recht abgetrotzt, gegen die Detailaufnahme des eigenen Grundstücks, Gesichts oder Kfz-Zeichens Widerspruch einlegen zu können. Neunzig Prozent der deutschen Straßen sollen bereits für Street View erfasst sein. Der Großteil der Daten wird nun in den USA verarbeitet. Das Eingeständnis Googles vom Wochenende, auch Bruchstücke des Datenverkehrs über private Funknetze aufgezeichnet und gespeichert zu haben, ragt aus den diskutierten Fällen zwar heraus, doch auch hier reagierte Google erst auf öffentlichen Druck.
Dem Konzern sitzen das Verbraucherschutzministerium und die Datenschutzbehörden im Nacken. "Wir wollen von Google wissen, welche Daten erhoben worden sind und wie sie gespeichert, vernetzt und vermarktet werden", sagt Holger Eichele, Sprecher im Bundesverbraucherministerium. Bei der Hamburger Datenschutzbehörde wird zurzeit geprüft, ob es zu bußgeldrelevanten Verstößen gegen den Datenschutz gekommen ist. Der Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar will sich bis Ende dieses Monats eine Festplatte von Google vorlegen lassen und die Möglichkeit überprüfen, ob neben unverschlüsselten Daten aus privaten Funknetzen auch verschlüsselte aufgezeichnet worden sind und ob diese rekonstruiert werden können. Kontraproduktiv wäre es, wenn Google bis dahin alle erhobenen Datensätze wieder gelöscht hätte. In Irland hat der Konzern damit bereits angefangen.
Googles Praktiken sind nicht transparent
Das Muster ist immer dasselbe: Google scannt und fotografiert unbekümmert und lässt sich erst ausbremsen, wenn sich genügend Protest formiert hat. Von allein macht sich der Konzern nicht die Mühe, die Rechtslagen und kulturellen Befindlichkeiten in unterschiedlichen Ländern zu berücksichtigen. Seit Jahren machen etwa deutsche Verbraucherschützer auf das zentrale Problem aufmerksam: Google ist keine reine Suchmaschine mehr, sondern ein Datensammellager, das sich nicht in die Karten schauen lässt.
Solange aber die Öffentlichkeit die vielen praktischen Dienste von Google begeistert und ohne Widerspruch nutzt, dürfte das Geschäftsgeheimnis des Konzerns kaum gelüftet werden und der Datenschutz weiter hinter dessen schnellem Agieren herhinken. Ein großer Wurf in der Gesetzgebung ist nicht in Sicht. In der Zeit, in welcher der aktuelle Gesetzestext, um Halbsätze modifiziert, durch die Ausschüsse des Bundesrates gewandert ist, sind vollkommen neue Technologien entstanden. Ortsbezogene Dienste werden den Datenschutz auf die Probe stellen. Das gerade in New York entwickelte Foursquare ist beispielsweise eine Applikation für Smartphones, bei der das soziale Netzwerk über den Standort des Nutzers automatisch informiert wird.
Ob da der Aufruf von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Google zu boykottieren, praktikabel ist, erscheint fraglich. Der Verbraucher befindet sich in einem Dilemma. Er wird erst Alternativen zu Google, Facebook und Co. wahrnehmen, wenn diese eine vergleichbare Funktionalität bieten.
Es gibt andere Möglichkeiten
Doch das Unbehagen an Googles großen Netzwerken wächst, wie das Beispiel Diaspora zeigt. Momentan ist der Dienst noch nicht viel mehr als die Idee von drei New Yorker Informatikstudenten, die ein soziales Netzwerk errichten wollen, das dem Nutzer die volle Kontrolle über seine Privatsphäre überlässt. Doch möglicherweise mausert sich Diaspora zum ernstzunehmenden Konkurrenten. Denn die Studenten baten beim Spendenportal Kickstarter mehr als 174.000 Dollar für ihr Projekt sammeln können.
Drei Alternativen zur Suchmaschine von Google
Qualität:
Schon immer gab es auch andere Suchmaschinen, die einen ähnlichen Service bieten wie Google. Die Ergebnisse unterscheiden sich allerdings.Yahoo:
Der älteste und größte Konkurrent von Google ist Yahoo. Der kalifornische Konzern betreibt neben einer Suchmaschine einen eigenen Nachrichteninformationsdienst, bietet E-Mail-Zugänge an und ist in vielen Ländern und Sprachen präsent.Bing:
Im Juni vergangenen Jahres ist der Suchdienst Bing von Microsoft an den Start gegangen. Neben Internetseiten, Bildern, Videos und Karten hat Microsoft auch Shopping- und Preisportale in seine "Entscheidungsmaschine" eingebunden.Ask:
Die viertgrößte Suchmaschine ist Ask.com. Metasuchmaschinen wie Webcrawler durchforsten die Angebote mehrerer Dienste.
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Goooooogle
Sie wissen aber, dass Ecosia und Co. alle Google und Yahoo im Hintergrund bemühen? Dh. die stromverschwenderischen Suchmaschinen laufen genauso - zudem aber noch die Server dieser Metasuchmaschinen. Das ist keineswegs besser, egal was sie sagen.... Es gab auch schonmal eine Suchmaschine, die einfach statt weiß wie Google alles schwarz gemacht hat mit dem Argument, dass es weniger Strom verbrauchen würde.... das ist alles Quatsch! Ausserdem: Die Panne bei Google zeigt nicht, dass sie nur auf Druck reagieren, sondern dass sie eine PANNE hatten....
alternative suchmaschinen
meine suchmaschinen erster wahl sind ecosia oder forestle da wird regenwald geschuetzt, wenn auch vielleicht nicht die sahnestuecke immernoch besser als die konventionellen. wenn das suchergebnis zu wuenschen uebrig laesst kann man immer noch auf die konvis zurueckgreifen
Unprofessionell
Wie bereits von den anderen Kommentatoren angemerkt, wird hier wohl Google und Facebook verwechselt oder schlimmer noch, in einen Topf geworfen. Ist eh alles das böse Internet. Was die versehentliche Sammlung von übertragenen Inhalten aus dem WLan-Funkverkehr angeht, trägt der Artikel leider nicht zur Erhellung des Sachverhaltes bei. Google ist eben einfach nur die Datenkrake und Politiker wie Frau Aigner, die sich hier durch mangelnden Sachverstand hervor tun sind die Helden. Natürlich muss man die aktivitäten von Google und Konsorten beobachten und auch kritisieren. In diesem Fall aber, hat sich Google von Anfang an Kooperativ verhalten, Fehler eingeräumt und ist bereit, die gesammelten Daten unter öffentlicher Kontrolle zu löschen. Hier wünsche ich mir mehr Qualitätsjournalismus