Dating-Website für Studenten aus Stuttgart Partnersuche mit Matrikelnummer

Von Eva Tilgner 

Ob Computerfreak, Chemiestudentin oder Medienwissenschaftler: Viele Studenten klagen über Stress und Zeitnot. Wie soll man da noch einen passenden Partner finden? Eine Single-Börse für Studenten in Stuttgart will helfen.

Seit Mai gibt es eine Single-Börse an Stuttgarter Universitäten von Studenten für Studenten. Die Dating-Website will fachübergreifend Hilfestellung bei der Partnersuche leisten. Foto: MeetYourMatch.de 9 Bilder
Seit Mai gibt es eine Single-Börse an Stuttgarter Universitäten von Studenten für Studenten. Die Dating-Website will fachübergreifend Hilfestellung bei der Partnersuche leisten. Foto: MeetYourMatch.de

Stuttgart - Was erfordert mehr Mut: Auf einer Studentenparty jemanden anzusprechen oder die eigene Facebook-Adresse auf einer Website hinterlassen? „Beim Online-Dating fällt es leichter die Hemmschwelle zu überwinden“, sagt Philipp Chokoufe, der Gründer der Dating-Community MeetYourMatch. Gemeinsam mit Studienkollegen Christian Liehner hat er eine Online-Partnerbörse entwickelt, bei der ausschließlich Studenten aus Stuttgart mitmachen dürfen.

Wer gerne wahllos in Profilgalerien surft, ist bei MeetYourMatch falsch. Von den üblichen Verkuppel-Websites wie Uni-Kuscheln oder Elite-Partner unterscheidet sich die Stuttgarter Hochschul-Singlebörse durch ein lokales, nach Studiengängen sortiertes Angebot. „Über 31 Prozent aller Beziehungen werden heutzutage über das Internet geknüpft. Warum nicht auch an den Stuttgarter Universitäten?“, fragt Christian Liehner.

Auf der Dating-Website sollen Singles der Universität Stuttgart, Hohenheim und der Hochschule der Medien verkuppelt werden. Mit ihrer Website wollen sie den Kommilitonen helfen, die neben den Vorlesungen nur wenig Zeit haben, neue Kontakte zu knüpfen: „Nicht die einsamen Computer-Nerds, sondern die gestresste Chemiestudentin oder der Medienwissenschaftler suchen bei unserer Community eine Verabredung“, erklärt Chrisitan Liehner. Persönliche Beziehungen seien häufig auf das eigene Studienfach beschränkt. Mit dem fachübergreifenden Datenangebot durch MeetYourMatch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, eine Freundin oder einen Freund zu finden.

Mehr als eine Singlebörse

Die beiden Jungunternehmer gehen davon aus, dass einige Studenten auf Partnersuche sind. „Die Single-Quote an den Hochschulen ist hoch“, sagt Philipp Chokoufe. Die Zeit des lustigen Studentenlebens ist aus ihrer Sicht seit der Einführung des Bachelor-Abschlusses vorbei. Gerade den Erstsemestern falle der Neustart nicht leicht, weil ihre Freunde weit entfernt wohnen und sie sich in der fremden Stadt nicht auskennen. Unter „Events for students“ gibt MeetYour Match Anregungen für die Zeit nach den Vorlesungen. Lernt man dort die oder den Richtigen kennen, stellt sich die nächste Frage: Wohin beim ersten Date? Mit „Locations“ verraten die Website-Anbieter, die auch in Stuttgart studieren, ihre Lieblingsorte für ein romantisches Erlebnis zu zweit: Den Panoramblick am Monte Scherbellino genießen, am Bärensee chillen oder einfach gemeinsam Spaß haben beim Kart fahren.

Doch wie kommt der oder die Studierende dazu, ein „Match“ zu bekommen, also eine passende Verabredung? Zunächst geben die Interessenten ihre Hochschule, ihr Studienfach und ihre Matrikel-Nummer an. „Damit stellen wir sicher, dass wirklich nur Studierende aus Stuttgart sich einloggen“, sagt Christian Liehner. Die Kandidaten benötigen dann zehn Minuten Zeit, um den Fragebogen zu beantworten. Eine Software ordnet die Neulinge einem bestimmten Typ zu. Von dem Motto “Gegensätze ziehen sich an“, halten die beiden Dating-Website-Gründer nicht viel. „Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass man immer jemanden sucht, der die gleichen Vorstellungen hat“, erklärt Philipp Chokoufe.

Die Dame erhält den Vortritt

Offene Fragen ermitteln die persönliche Interessen und Vorlieben. Anmachsprüche als Antworten sind hier fehl am Platz: „Humorvolle Beiträge kommen gut bei dem anderen Geschlecht an“, sagt Christian Liehner. Die selbst formulierten Antworten erscheinen sichtbar im anonymisierten Profil. „Adressdaten werden erst dann ausgetauscht, wenn beide Interesse haben“, betonen die Website-Anbieter. Zuvor ist die Dame am Zug: Auf ihrer MeetYourMatch-Pinnwand erhält sie eine Auswahl von männlichen Studenten, die ihren Kriterien entsprechen. Erst wenn sie ihr Profil freigibt, kann der Student entscheiden, ob er das “Match“ mit ihr abschließen will und mit ihr die Telefonnummer über Facebook für eine Verabredung austauscht.

Bei dem Schritt zur ersten Verabredung fällt für die Männer eine Gebühr an, während die Frauen kostenfrei mit ihrem neuem Schwarm chatten können. „Jungs haben bei Internet-Singlebörsen eher Pionierdenken. Der Schritt fällt ihnen leichter, während Frauen zurückhaltender sind“, begründet Philipp Chokoufe die geschlechterspezifische Abrechnung.

Schon 500 Anmeldungen nach einem Monat

Seit Mai 2015 ist die Single-Börse online. Mehr als 500 Personen haben sich angemeldet, etwa fünfzig Mal kam es zwischen den Suchenden zu einem Match und die Kandidaten haben somit ihre Adressdaten ausgetauscht. Mit der riesigen Auswahl von bekannteren Partnerbörsen kann MeetYourMatch allerdings nicht mithalten. Die Dating-Seite ElitePartner, die damit wirbt „Akademiker und Singles mit Niveau“ zu vermitteln, hatte 2012 nach Angaben der Marktforschungsfirma Nielsen 557.000 Besucher in nur einem Monat. Bei der Partnerbörse Friendscout 24 gab es im selben Zeitraum sogar 883.000 Nutzer.

Ob die fünfzig Verabredungen von MeetYourMatch im realen Leben zur Liebe auf den zweiten Blick geführt hat, wissen die Vermittler nicht. Für diejenigen, die noch immer nicht die Richtigen gefunden haben, bietet sich der Klick auf das nächste Profilbild an. Philipp Chokoufe und Christian Liehner hoffen aber, dass sich nur Kommilitonen anmelden, die ernsthaft Interesse an einer Beziehung haben: „MeetYour Match soll nichts für Leute sein, die locker einen Partner für eine Nacht suchen.“